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Ostthüringer Zeitung: Kommentar "EU-Pass zu verkaufen" von Knut Pries

Gera (ots) - Geschäftsidee? Schnapsidee? Die Unionsbürgerschaft als Shopping-Highlight für den, der sich's leisten kann? Es ist eigentlich verwunderlich, dass diese Geschäftsidee bis zur praktischen Umsetzung so lange gebraucht hat. Mehr als 20 Jahre ist es her, dass der Maastricht-Vertrag dafür die Grundlage schuf: Wer Bürger eines der Mitgliedsländer der EU ist, kommt zugleich in den Genuss sämtlicher Vorteile des gesamten Verbundes. Vor allem kann er sich in einer großen und vergleichsweise komfortablen Wohlstandszone niederlassen und arbeiten, wo er will. Dies Recht zu verhökern, ist dennoch eine Schnapsidee. Sie mag dem Buchstaben der EU-Gesetze nicht widersprechen. Dem Geist dafür umso entschiedener. Die sich aus Elend in die Europäische Union flüchten, in den Wellen des Mittelmeers verrecken zu lassen und zugleich die mit den dicken Brieftaschen mit EU-Ticket auszustatten - erbärmlicher kann man die vielbesungene "Wertegemeinschaft" Europa nicht diskreditieren. Zweierlei Gutes hat die Sache: Sie vermittelt einen Eindruck von der ungebrochenen Attraktivität der EU für viele, die nicht drin sind. Und sie stellt der Gemeinschaft die lösbare Hausaufgabe, Spielregeln für die Vergabe der Unionsbürgerschaft aufzustellen. Wohlgemerkt: Gemeinsam, als Union, nicht als einzelne Nation auf der Suche nach neuen Einnahmequellen.

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