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Ostthüringer Zeitung: Kommentar: Fernseh-Duellchen

    Gera (ots) - Von Dirk Hautkapp Er kam von unten aus dem Umfragetief, sie von oben. Er musste angreifen, sie nur parieren. Sie wollte die Emotionen möglichst lau temperieren, er musste sie in Wallung bringen. Soweit die Versuchsanordnung vor dem öffentlichsten Arbeitsgespräch aller Zeiten zwischen einer Kanzlerin und einem Vizekanzler. Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier wirkten über weite Strecken dieses Fernseh-Duellchens wie ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das sich ganz ordentlich arrangiert hat und es noch ein paar Jahre miteinander aushalten könnte. Aus dieser Konstellation Honig zu saugen für den Zuschauer, sprich: Verklarung statt Verklärung politischer Absichten zu erzielen, war schon zur Halbzeit vergebene Liebesmüh. Kaum eine Frage, auf die wirklich präzise geantwortet worden wäre. Der Rest ist schnell erzählt: Merkel-Sätze glänzen mittlerweile matt durch sprachliche Schlichtheit. Diese Frau will keine mediale Großcharmeurin mehr werden. Aber ihre Rolle, beständig unkonkret auf alles zu antworten und nichts wirklich zu sagen, die hat sie wahrlich verinnerlicht. Steinmeier-Sätze dagegen atmen, abseits seltener Ausbrüche von Schlagfertigkeit, noch immer die Detailhuberei des gediegenen Fachpolitikers. Ansonsten wenig Show, wenig Emotionen, kaum verbale Rempeleien, kein Flirt mit den Kameras. Für den aufgeklärten, fernseherprobten Staatsbürger bewies der gestrige Abend endgültig: TV-Duelle dieses Formats sind nicht das behauptete politische Großereignis, das den Ausgang von Bundestagswahlen beeinflusst.

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