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Ostthüringer Zeitung: Mamensketten

    Gera (ots) - Von Thomas Wunderlich Zu den allergefährlichsten Dingen dieser Welt gehört die Namenskette. Erst kürzlich fühlte sich beispielsweise eine große Zeitung verpflichtet, ihren Lesern sämtliche Vornamen des neuen Bundeswirtschaftsministers mitzuteilen. Damit war schon fast die gesamte Seite zu; allerdings stimmte einer der Namen gar nicht. Er war lediglich eine listige Internet-Fälschung bei Wikipedia, die ein Spaßvogel eingefügt hatte. Also äußerste Vorsicht vor Namensketten! Das meint auch die Bundesregierung, die in dieser Woche vor dem Bundesverfassungsgericht das seit 1993 geltende Verbot von Dreifachnamen verteidigen musste, weil ein Anwaltsehepaar seine Grundrechte begrenzt sieht. Die Bildung solcher Namensketten, in diesem Fall nach einer Hochzeit, sei zu vermeiden, meinte Justizministerin Zypries, sonst gingen Identifikationsmöglichkeiten verloren. Wie recht sie hat; beim Wirtschaftsminister wurde ja auch ein Name eingeschmuggelt, mit dem sich Freiherr zu Guttenberg nicht identifizieren kann. Bloß gut, dass sich die Bundesregierung um solch schwerwiegende Dinge kümmert und nun auch noch das Verfassungsgericht das Gesetz prüfen muss. Wo kämen wir sonst hin, wenn jeder so hieße, wie er heißen will. Womöglich steckt aber viel Schwerwiegenderes dahinter. Namensketten, fand kürzlich eine Kölner Werbeagentur heraus, können bei einer Wahl Stimmen kosten. Seit 30 Jahren hätten bei allen Wahlen meist die Spitzenkandidaten mit einfachen Namen jene mit Doppelnamen geschlagen. Zuletzt funktionierte das in Hessen, wo SPD-Kandidat Thorsten Schäfer-Gümbel einem gewöhnlichen Koch unterlag. Flugs zog die SPD daraus Konsequenzen. Sie kappte den Namen ihres Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier um den Walter. Alle würde ihn ohnehin nur Frank nennen, meinte Parteichef Müntefering. Allerdings kursierten in dieser Woche auf der Internet-Seite der SPD noch beide Varianten. Mein Gott, Walter! Hoffentlich führt das nicht zu Identifikationsproblemen. Nicht auszudenken, bekäme Frank bei der Wahl mehr Stimmen als Frank-Walter. Trotz allem sind Namensketten in der Politik beliebt. Der Bundesrat hatte gestern über das Kraftfahrzeugsteueränderungsgesetz, kurz und bündig KraftSTÄndG, zu entscheiden. Welch herrliche Kette. Ebenso das Gesetz zur Sicherung von Beschäftigung und Stabilität in Deutschland, dem Volk eher als Konjunkturpaket bekannt. Das fand im Bundesrat doch noch eine Mehrheit, obwohl die Oppositionsparteien arge Bauchschmerzen haben und damit jene Landesregierungen, an denen sie beteiligt sind, in arge Schwierigkeiten brachten. Man kann das Paket sicher vielfältig kritisieren, aber immerhin rechnen Wirtschaftsforscher, dass es den in diesem Jahr zu erwartenden Einbruch beim Wirtschaftswachstum um ein halbes Prozent verringern und gut 100 000 Jobs retten könnte. Ablehnung wäre also vermutlich nicht gut angekommen vor so vielen Wahlen. Und so bot das Gesetz mit der hoffnungsvollen Namenskette zwei gute Seiten. FDP, Grüne und Linke konnten sich mit Forderungen nach mehr Steuererleichterungen, nach mehr ökologischer oder sozialer Ausrichtung kräftig profilieren. Rot-Rot in Berlin und Schwarz-Grün in Hamburg enthielten sich auch der Stimme  unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten. Doch die Paketannahme wird nicht verweigert. Auch Kraftmeier weisen keinen Geldboten ab.

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