Landesbank Baden-Württemberg

Aktuelle Analyse der LBBW zur EU-Osterweiterung: Zuwanderung von Arbeitskräften nach Baden-Württemberg geringer als erwartet

Stuttgart (ots) - Die EU-Osterweiterung bietet für die baden-württembergische Wirtschaft mehr Chancen als Risiken: Mit den neuen "Tigerstaaten" im Osten eröffnen sich neue zukunftsträchtige Absatzmärkte, und die Zuwanderung von Arbeitskräften aus den Beitrittsländern auf den baden-württembergischen Arbeitsmarkt fällt niedriger aus als erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse, die jetzt von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) durchgeführt wurde. Die Bevölkerung in Deutschland schätzt die Osterweiterung der Europäischen Union (EU) weit kritischer ein als dies bei früheren Beitrittsrunden der Fall war. Befürchtet werden vor allen Dingen zusätzliche finanzielle Belastungen, die Verlagerung von Arbeitsplätzen in den "billigeren" Osten, die stärkere Zuwanderung von Arbeitskräften sowie die Ausweitung der grenzüberschreitenden Kriminalität. Vor diesem Hintergrund hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Rahmen einer regionalisierten Betrachtung die möglichen Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf die Wirtschaft Baden-Württembergs untersucht. Nur zirka 31.000 zusätzliche Arbeitnehmer im Südwesten durch Zuwanderung Ausgehend von einem gravierenden Wohlstandsgefälle zwischen den Beitrittskandidaten Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien und Estland und den EU-Mitgliedsländern wurden die Migrationseffekte speziell für Baden-Württemberg untersucht. Obwohl die Beitrittskandidaten heute im Schnitt nur ca. 50 Prozent des Wohlstandsniveaus der EU erreichen, werden nach Einschätzung der LBBW bis zum Jahr 2030 lediglich rund 31.000 zusätzliche Arbeitnehmer aus diesen Ländern nach Baden-Württemberg kommen. Dies entspricht einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot von 0,6 Prozent der heutigen Erwerbstätigen. In einigen arbeitsintensiv produzierenden Wirtschaftsbereichen kann das zusätzliche Arbeitskräfteangebot zwar zu niedrigeren Löhnen beziehungsweise zu höherer Arbeitslosigkeit führen. Dennoch bleiben die Auswirkungen der Arbeitskräftezuwanderung aus den osteuropäischen Ländern auf den Arbeitsmarkt im Südwesten aus Sicht der LBBW eher gering. Direktinvestitionen im Osten sichern Arbeitsplätze und Einkommen in Baden-Württemberg Bedeutendere Effekte auf die Wirtschaft Baden-Württembergs gehen von zunehmenden Kapitaltransfers in Form von Direktinvestitionen aus. Die Befürchtung, dass es mit steigenden Direktinvestitionen zu einer umfassenden Verlagerung der heimischen Produktion in die dann neuen "EU-Oststaaten" kommt, kann nicht bestätigt werden. In diesem Zusammenhang verweist die LBBW auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, nach der rund zwei Drittel der Investitionen in Bereiche mit nicht-handelbaren Gütern wie zum Beispiel Kreditinstitute und öffentliche Infrastruktur fließen. Darüber hinaus ist das vorrangige Ziel ausländischer Direktinvestitionen, den dortigen Markt zu erschließen. Durch den größeren Markt und die Realisierung von Skalenerträgen sichern diese Direktinvestitionen die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen und somit auch Arbeitsplätze in Baden-Württemberg. Eine Verlagerung ist allenfalls bei sehr arbeitsintensiven Industrien (zum Beispiel Textilgewerbe, Kunststoffwaren) wahrscheinlich, die in der Branchenstruktur Baden-Württembergs mit einem Anteil von etwa zehn Prozent nur eine untergeordnete Rolle spielen. Somit erwartet die LBBW von den Direktinvestitionen einen positiven Gesamteffekt für Beschäftigung und Wertschöpfung in Baden-Württemberg. Neue Absatzmärkte für Produkte "Made in Baden-Württemberg" Unmittelbare Effekte auf die Wirtschaft Baden-Württembergs werden von der Intensivierung des Handels ausgehen. Die Handelshemmnisse im Waren- und Güterverkehr mit den osteuropäischen Beitrittskandidaten sind bereits heute fast vollständig aufgehoben. Sinkende Transaktionskosten durch angeglichene Qualitätsstandards, Zertifizierungen und Produkthaftungsgarantien werden den Handel verstärken. Und genau hier liegen nach Einschätzung der LBBW auch die Chancen für Baden-Württemberg. Bereits heute entfallen überdurchschnittliche 14 Prozent des Handelsvolumens der Beitrittskandidaten mit Deutschland auf Baden-Württemberg. Besonders ausgeprägt sind dabei die Beziehungen zu Slowenien (19,1 Prozent) Ungarn (16,6 Prozent) und Tschechien (14,3 Prozent). Auch ein Blick auf die Art der nachgefragten Güter zeigt die insgesamt gute Positionierung der Südwestwirtschaft. Der Bedarf an kapital- und technologieintensiven Investitionsgütern wie zum Beispiel in der Automobilwirtschaft trifft die traditionellen Stärken der baden-württembergischen Wirtschaft. Da die Nachfrage nach diesen Gütern mit steigendem Volkseinkommen überproportional zunehmen wird, ergibt sich für die heimische Wirtschaft ein längerfristig hohes Exportpotenzial. In wirtschaftlicher Hinsicht bietet die Osterweiterung somit aus baden-württembergischer Sicht mehr Chancen als Risiken. Hinweise: Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ist nachzulesen im "BlickPunkt", der volkswirtschaftlichen Publikation der Landesbank Baden-Württemberg, die zu beziehen ist bei: Landesbank Baden-Württemberg Konzernentwicklung: (0711) 127- 34 02 Ansprechpartner sind: Dr. Burkhard Scherer Andreas Hengst In der Reihe "Kapitalmärkte - Analysen, Fakten, Hintergründe" der Landesbank Baden-Württemberg ist die Studie "Osteuropa: Der Konvergenzwettlauf" erschienen. Sie erhalten die Studie bei: Landesbank Baden-Württemberg Bond Markets: (0711) 127- 61 36 Ansprechpartner ist: Bac Van Luu Die Studie "Die Ost-Erweiterung der EU - Probleme, Potenziale, Termine" können sie beziehen bei der Landesbank Baden-Württemberg Sovereigns-Analysen/Länderanalysen: (0711) 127 - 39 59 Ansprechpartner ist: Britta Scherer ots Originaltext: LBBW Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen bitte an: Melanie Kleinau Presse und Information Am Hauptbahnhof 2 70173 Stuttgart Telefon (07 11) - 0 71 11 27 64 30 Telefax (07 11) - 0 71 11 27 64 34 Melanie.Kleinau@lbbw.de www.lbbw.de Original-Content von: Landesbank Baden-Württemberg, übermittelt durch news aktuell

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