Landesbank Baden-Württemberg

Handschrift C des Nibelungenlieds bleibt in Baden-Württemberg

  Stuttgart (ots) -  "Die Handschrift C des Nibelungenlieds - ein
Kulturdenkmal ersten Ranges in Deutschland - konnte nach langen
intensiven Bemühungen für das Land Baden-Württemberg gesichert
werden. Der Erwerb war nur dank des außerordentlichen Engagements der
Landesbank Baden-Württemberg möglich," erklärte Minister Klaus von
Trotha am 2. März. Die Nibelungenhandschrift C war bisher im Besitz
der Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen. "Wir danken
ganz herzlich auch allen, die neben der Landesbank Baden-Württemberg
an dem Erwerb mitgewirkt haben, vor allem nicht zuletzt der
Kulturstiftung der Länder, der Bundesregierung sowie Christina
Freifrau von Laßberg", sagten Wissenschaftsminister von Trotha und
Finanzminister Gerhard Stratthaus in Stuttgart.
    
    "Dieser Schritt beweist einmal mehr, dass die LBBW ihren
öffentlich-rechtlichen Auftrag bewusst wahrnimmt und sich für die
Region einsetzt", begrüßte Heinrich Haasis, Vorsitzender des
Verwaltungsrats der LBBW und Präsident des Sparkassenverbands
Baden-Württemberg, die Entscheidung der Bank. Mit dem Ankauf der
Handschrift C des Nibelungenlieds bekenne sich das Kreditinstitut zu
seiner Verantwortung im Kerngeschäftsgebiet. "Nach Auskünften der
Fachleute stammte der Schreiber der Handschrift C aus dem
Oberrheingebiet / Bodenseeraum. Aus heutiger Sicht war er also ein
Baden-Württemberger. Als Landesbank setzen wir uns deshalb dafür ein,
dass dieses wertvolle Kulturgut in diesem Bundesland bleibt",
begründete Hans Dietmar Sauer, Vorsitzender des Vorstands der
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), das Engagement der Bank. "Um das
Kulturgut der Bevölkerung und der Wissenschaft zugänglich zu machen,
stellen wir die wertvolle Handschrift dem Land Baden-Württemberg als
Leihgabe zur Verfügung", sagte Sauer.
    
    Die Handschrift C des Nibelungenliedes ist zwischen 1200 und 1230
entstandenen; ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie die älteste
unter den drei wichtigsten überlieferten Textformen (A, B, C) des um
1200 anonym entstandenen Nibelungenliedes ist. Der Text des
Handschriftentypus C wurde bereits 1204 von Wolfram von Eschenbach in
seinem Parzifal zitiert. Die Texthandschrift ist eines der
wichtigsten Zeugnisse mittelalterlicher Dichtung und hat als einziger
mittelalterlicher deutscher Text den Status eines nationalen Denkmals
erlangt. Die Handschrift wurde im Jahr 1755 auf Schloss Hohenems
entdeckt und 1815 von Joseph Freiherr von Laßberg erworben. Seit 1853
bildete sie das Juwel der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek.
    
    Minister von Trotha und Stratthaus ziehen erfolgreiche Bilanz
    
    Kurz nach Ablauf des Nibelungenjahres 2000, in dem an vielen Orten
Deutschlands der 800-jährigen Existenz des Nibelungenlieds gedacht
wurde, ist es mit dem Erwerb der Handschrift gelungen, die älteste
der erhaltenen Nibelungenhandschriften im Land Baden-Württemberg zu
bewahren.
    
    Die Minister zeigten sich aus diesem Anlass sehr erfreut über die
erfolgreiche Bilanz der Landesregierung bei der Sicherung der
Bestände aus der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek
Donaueschingen: Im Jahr 1993 erwarb das Land 1050 Handschriften, ein
Jahr später konnten 86 Inkunabeln (Frühdrucke bis 1500) angekauft
werden und 1999 gelang es, die äußerst wertvolle Musikaliensammlung
mit 7.532 Drucken und Handschriften für das Land zu sichern. Aus der
Hofbibliothek Laßbergs konnten zwischen Oktober 1999 und November
2000 1.110 Bände erworben werden, deren schönste Stücke seit dem 17.
Februar in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe ausgestellt
werden. Minister von Trotha: "Für diese Erwerbungen wandte das Land
insgesamt 54,3 Mio. Mark auf. Damit haben wir getreu dem Motto des
Joseph Freiherrn von Laßberg gehandelt, der einst forderte: ,Lassen
Sie uns, jeder an seinem Orte, sammeln und bewahren, was wir aus der
Flut der Zeiten zu retten vermögen'."
    
    "Mit der Nibelungenhandschrift C wird diesen Erwerbungen gleichsam
die Krone aufgesetzt", erklärten die Minister. Es sei stets klar
gewesen, dass die Handschrift nicht allein aus Haushaltsmitteln hätte
finanziert werden können. Die Landesregierung, die seit 1993 das
Vorkaufsrecht für die Handschrift inne hatte, sei deshalb besonders
dankbar, dass der neue Eigentümer, die Landesbank Baden-Württemberg,
die Handschrift dem Land als Leihgabe zur Verfügung stelle. Dadurch
könne diese Handschrift ebenso wie die übrigen Bestände der
Donaueschinger Hofbibliothek fachgerecht aufbewahrt und allen
wissenschaftlich Interessierten unter optimalen Bedingungen und in
einem entsprechenden Sammlungsgefüge zugänglich gemacht werden.
    
    Dem Haus Fürstenberg dankte Minister von Trotha für die im
Ergebnis erfolgreichen Verhandlungsgespräche. Das Haus Fürstenberg,
für das Dr. Christoph Graf Douglas die Gespräche geführt hatte,
erklärte dazu, dass mit dem Verkauf der Nibelungenhandschrift C an
die Landesbank Baden-Württemberg durch Joachim Fürst zu Fürstenberg
der Verbleib der Fürstlichen Fürstenbergischen Hofbibliothek in
Baden-Württemberg gesichert werden konnte. Nach dem Erwerb der
Sammlung mittelalterlicher Handschriften, der Inkunabeln und der
Musikalien seien damit die historisch und wissenschaftlich
interessantesten und wichtigsten Teile der FF-Hofbibliothek im Land
erhalten. Auf diese Weise sei dem besonderen Anliegen des Hauses
Fürstenberg ebenso Rechnung getragen wie dem Wunsch, die
Handschriften auch zukünftig der wissenschaftlichen Forschung
zugänglich zu halten und die wertvollen Bestände konservatorisch
bestmöglich zu betreuen.
    
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Baden-Württemberg, Presse und Information unter der Telefonnummer:
(0711) 127 - 64 30.
    
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