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Kunstmagazin ART: Experten bezweifeln Eigenhändigkeit von Michelangelo-Zeichnung

Hamburg (ots) - Eine Zeichnung, die das Auktionshaus Christie's Michelangelo zuschreibt und am 4. Juli in London für rund 15 Millionen Mark versteigern will, stammt nach Meinung des Frankfurter Kunsthistorikers und Altmeister-Spezialisten Alexander Perrig (70) nicht von der Hand des Künstlers. Das berichtet das Kunstmagazin ART in seiner neuesten Ausgabe. Der emeritierte Professor, der heute einen Lehrauftrag an der Frankfurter Johann Wolfgang von Goethe-Universität hat, schreibt die Christusstudie nach einer Michelangelo-Skulptur in einer römischen Kirche aus stilistischen Gründen Michelangelos Kollegen Benvenuto Cellini zu. Die fragmentarische Komposition, die Korrekturen der Linien, die dichten Schraffuren wiesen darauf hin, dass hier nicht der Bildhauer Michelangelo skizziert, sondern ein Zeichner die Skulptur studiert habe: "Dies ist keine Vorstudie von Michelangelo, sondern eine Zeichnung nach der Skulptur". Zweifel hat Perrig auch an der angeblichen Michelangelo-Skizze "Ruhe auf der Flucht", die das kalifornische J. Paul Getty-Museum 1993 ebenfalls bei Christie's für umgerechnet fast 11 Millionen Mark ersteigerte. In einem Aufsatz für das angesehene Städel-Jahrbuch gelang ihm gerade der Nachweis, dass die vom Auktionshaus angegebene Herkunft des Blattes nicht stimmen kann: Michelangelos Nachfahre Filippo Buonarotti, der die Zeichnung einem Kunstkommissar Napoleons gegeben haben soll, saß zum fraglichen Zeitpunkt im Gefängnis. Der einflusssreiche Michelangelo-Experte Michael Hirst, der die "Ruhe auf der Flucht" entdeckt hatte, widerspricht Perrigs Einschätzung: "Seine Alternativvorschläge sind überhaupt nicht überzeugend." Unterstützung erfährt der Frankfurter Kunsthistoriker dagegen von einem Kollegen: "Ich habe auch meine Zweifel, dass manche Blätter von Michelangelo sind", bestätigt David Rosand aus New York, einer der weltweit wichtigsten Renaissance-Forscher und Autor verschiedener Standardwerke. "Ihnen fehlt Kreativität und eine logische Struktur. Da sind so viele überflüssige Linien, die Eindruck schinden sollen." ots Originaltext: art Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen und Belege bitte an: Gabriele Pfau Tel. 040 / 3703-2157 Fax 040 / 3703-5748 e-mail: pfau.gabriele@geo.de Original-Content von: Gruner+Jahr, art, übermittelt durch news aktuell

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