Aktion "Stoppt die e-Card"

Elektronische Gesundheitskarte: Kritischer Kurzfilm zeigt Medizin in Zeiten des Cyberspace

Hamburg (ots) - Als Kasper beim Arzt sitzt, traut er seinen Augen nicht: Im Computer seines Arztes stehen alle Krankheiten, die er jemals hatte. Denn seine Medizindaten werden irgendwo zentral gespeichert. Dort stillen auch Unternehmen ihren Datenhunger. Und das kostet Kasper den Job. - So jedenfalls erlebt es die Hauptfigur in dem Video-Clip "Kasper und die elektronische Gesundheitskarte", den junge Künstler für die Aktion "Stoppt die e-card" hergestellt haben. "Das mag heute noch wie eine Fiktion klingen, könnte aber bittere Realität werden, wenn Medizindaten außerhalb von Praxen und Kliniken gespeichert werden", sagte Dr. Silke Lüder, Sprecherin der Aktion, heute in Hamburg.

   Das Video steht unter:     
www.youtube.com/watch?v=RIIZrnxrx1E&feature=youtu.be 
www.stoppt-die-e-card.de 

Das Zwei-Minuten-Video informiert die Bürger auf unterhaltsame Weise über die Hintergründe des bereits zehn Jahre andauernden Projekts elektronische Gesundheitskarte (eGK) und zieht die Versprechen von den sicheren Daten in Zweifel. "Die NSA hat vorgemacht, wie schnell Daten zu entschlüsseln sind", betonte Dr. Manfred Lotze, Vertreter der Ärzteorganisation IPPNW in dem Bündnis. "Das sollte auch den letzten Sicherheitsgläubigen eines Besseren belehren. Wer Medizindaten braucht, holt sie sich - illegal durch Datendiebstahl oder legal mit Hilfe von kurzfristigen Gesetzesänderungen. Das geben wir mit dem Kurzfilm beispielhaft und für jedermann verständlich zu bedenken."

Denn die Geheimdienste sind mit ihrem Latein noch nicht am Ende: Nun will die NSA hochverschlüsselte Daten knacken. Berichten der Washington Post zufolge entwickelt der US-Geheimdienst derzeit Quantencomputer. Auch in Europa wird daran gearbeitet. Der eGK-Sicherheitsarchitektur liegt das mehr als 35 Jahre alte RSA-Verfahren zugrunde. Quantencomputer ermöglichen ein noch schnelleres Knacken der RSA-Funktionen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Medizindaten auf den zentralen Servern ausspähen lassen.

"Diese Entwicklung stellt die Sicherheitsarchitektur der geplanten Telematik-Infrastruktur in unserem Gesundheitswesen in Frage", sagte Kai-Uwe Steffens, Informatiker und Sprecher des "Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung". Patientenvertreterin Gabi Thiess aus Hamburg dazu: "Das Mammutprojekt eGK verschlingt nicht nur Unmengen von Geld, das in der Patientenversorgung viel dringender gebraucht würde, sondern könnte in Zukunft auch dem Datenmissbrauch Tür und Tor öffnen. Das müssen die Bürger wissen." Auch Kasper ist jetzt schlauer: "Meine Daten gehören mir", betont er am Ende des Films.

"Stoppt die e-card" ist ein breites Bündnis von 54 Bürgerrechtsorganisationen, Datenschützern, Patienten- und Ärzteverbänden. Unter anderem gehören dazu: Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Digitalcourage, Chaos Computer Club, IPPNW, Freie Ärzteschaft e. V., NAV-Virchowbund, Deutsche AIDS-Hilfe. Das Bündnis lehnt die eGK ab und fordert, das milliardenschwere Projekt einzustampfen.

Pressekontakt:

Dr. Silke Lüder, mobil 0175 1542744
V.i.S.d.P.: Dr. Silke Lüder, Grachtenplatz 7, 21035 Hamburg
Original-Content von: Aktion "Stoppt die e-Card", übermittelt durch news aktuell

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