Mindener Tageblatt: Kommentar zum Bundesfreiwilligendienst / Warum keine Dienstpflicht ?

Minden (ots) - "Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Frage, was Du für Dein Land tun kannst." Die Antwort auf John F. Kennedys berühmten Satz finden junge, aber auch ältere Bürger zunehmend im Bundesfreiwilligendienst. Wobei es vielen wahrscheinlich nicht unbedingt um das vielleicht doch ein bisschen pathetische "Land" geht, sondern vielmehr um sinnvolles gesellschaftliches Engagement für andere. Hier wird ein deutliches Zeichen gegen Egoismus und soziale Kälte gesetzt. Das freut nicht nur die zuständige Familienministerin. Der war für den Nachfolger von obligatorischem Wehr- und Zivildienst schließlich ganz anderes prophezeit worden - nämlich weitgehendes Desinteresse. Das freut auch alle Institutionen und Einrichtungen, die nach dem Wegfall der Dienstpflicht massive Befürchtungen hegen mussten, ihre zuvor von Zivildienstleistenden übernommenen Dienste nicht mehr in vollem Umfang erbringen zu können. Natürlich ist der Freiwilligendienst ein Geschenk an die Gesellschaft. Doch der Gebende bekommt auch etwas zurück. Gerade jüngeren Menschen kommt, zumal im Moment zwischen Ende der schulischen und Aufnahme einer akademischen oder beruflichen Ausbildung, eine Phase der menschlichen Orientierung ganz zupass. Sie lernen, dass das Leben auch andere Erfahrungen als die im bisherigen Umfeld bietet. Dass die Gesellschaft an vielen Stellen Solidarität und Hilfe bitter nötig hat. Und dass dazu beizutragen wichtige Erkenntnisse für das eigene Leben vermitteln kann. Dienstleistender und Gesellschaft: beide profitieren, nicht nur, aber vor allem ideell. Die Abschaffung der Wehrpflicht war eine zwingende Folge der sicherheitspolitischen Entwicklung. Warum aber weisen Politiker aller Richtungen Überlegungen zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht als absurd zurück? Sinnvoll ausgestaltet, etwa mit freier Wahl des Dienstes, wäre sie eher eine Bereicherung als ein Zwangsverzicht.

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