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Das Erste : REPORT MAINZ: FDP-Vize Walter Döring zur Antisemitismus-Debatte in seiner Partei: "Das ist eine klare Strategie"
"Es wird zum Showdown kommen"

Mainz (ots) - Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Walter Döring, hat sich dem ARD-Politmagazin REPORT Mainz gegenüber zu dem Streit um die umstrittenen Äußerungen seines nordrhein-westfälischen Parteifreundes Jürgen Möllemann über den Zentralrat der Juden sowie um die Aufnahme des ehemaligen Grünen-Abgeordneten Karsli in die FDP-Landtagsfraktion in Düsseldorf zu Wort gemeldet. Döring, der auch Landesvorsitzender seiner Partei in Baden-Württemberg ist, übte in REPORT Mainz vom Montag, 3. Juni, scharfe Kritik am Vorgehen seines Kollegen Möllemann. Dessen Attacken auf den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedmann, ordnet Döring einer "klaren Strategie" zu, die zwischen Möllemann und dem FDP-Wahlkampfmanager Fritz Goergen, verabredet worden sei. Walter Döring in dem Exklusiv-Interview von REPORT Mainz: "Das ist ja nicht etwas, was irgendwo spontan entstanden ist, sondern das ist eine strategische Überlegung, die Möllemann und Goergen angestellt haben, ich hoffe, nicht auch oder nicht unter Mitwissen des Bundesvorsitzenden. Das ist doch ganz eindeutig, ich meine, das ist eine strategische Überlegung. Goergen, früher noch Fliszer, hat ein vergleichbares Papier, eine Haiderisierung der FDP vor 10, 12 Jahren mal vorgelegt und ist damit nicht durchgedrungen. Jetzt wird das wieder auf den Tisch gelegt. Das ist eine klare Strategie, das ist doch überhaupt keine Frage. Aber ich will die nicht, und ich mache bei der auch nicht mit." Damit gibt erstmals ein FDP-Vorstandsmitglied offen zu, dass der vieldiskutierten Antisemitismus-Debatte ein politisches Kalkül zugrunde liegt. Döring bezieht mit diesem Interview auch klar Stellung gegen seinen Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle, der noch am Sonntag in der ARD festgestellt hatte: "Es gibt (...) keine solche Strategie. Das ist die infame Unterstellung, es gäbe eine Strategie der FDP oder von Einzelnen in der FDP, antisemitische Ressentiments zu bedienen, um daraus Nektar oder Honig für den Wahlkampf saugen zu können. Das ist purer Unfug!" Fortsetzung: REPORT MAINZ: FDP-Vize Walter Döring zur Antisemitismus-Debatte in seiner Partei: Hart und unmissverständlich geht FDP-Vize Döring mit der Äußerung Möllemanns ins Gericht, er, Möllemann, "fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, und die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft, als Herr Scharon und in Deutschland Herr Friedman mit seiner intoleranten, gehässigen Art." "Dieser Satz," so Döring, "ist selbstverständlich antisemitisch, das ist doch gar keine Frage. Das ist nun mal in der Geschichte einer der entscheidenden Sätze, die den Antisemitismus begleitet und gefördert haben, (das ist) nachweislich so gewesen, und deswegen ist es Unfug, da zu sagen, dass sei nicht so." Report Mainz gegenüber äußerte sich auch Jürgen Möllemann. "Vielleicht," so der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende, "sollten wir jetzt die persönlichen Attacken wechselseitig reduzieren und uns auf die Sache konzentrieren." Und auf Nachfrage von REPORT Mainz, ob dies als eine Entschuldigung Michel Friedman gegenüber zu verstehen sei, relativierte er: "Das ist eine Rücknahme eines Vorwurfs, der nicht hinreichend bedacht war, der im Zorn erfolgt ist, aber der auch bedingt worden ist durch einen Vorwurf, der wirklich ehrenrührig und unverschämt ist, nämlich ich sei ein Antisemit, und den muss Herr Friedman wegräumen." Für Walter Döring ist diese Argumentation Möllemanns nicht nachvollziehbar: "Das, was Möllemann da gesagt hat, war kein Ausrutscher. Indem er dann sagt, das ist mir in einer persönlichen Erregungsphase so rausgerutscht und dafür entschuldige ich mich, sondern das ist ja wiederholt worden, mehrfach wiederholt worden, teilweise geradezu mit Schaum vor dem Mund wiederholt worden, und da kann man nicht sagen, ich hätte es so nicht sagen sollen, im Kern bleibt es richtig, aber vielleicht habe ich es zu hart formuliert oder was auch immer. Meiner Meinung nach gibt es da nur eins: Es tut mir leid, dass ich das mehrfach gesagt habe, ich sage das nie wieder. Punkt, aus, fertig, alles andere ist Unfug." Grundsätzlich stellt Döring Möllemanns Rolle in seiner Partei in Frage und übt massiv Kritik auch an der Haltung der FDP zu ihrem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden: "Ich habe den Eindruck, dass in dieser Partei vor Möllemann an vielen Stellen unglaublich gekuscht wird. Ich mache das nicht - der hat ja gesagt gehabt, ich krieg was von ihm zwischen die Augen, na da bin ich aber mal gespannt drauf. Das werden wir dann eben ausfechten. Ich kusche nicht vor Möllemann, und wenn das andere machen, tun die mir leid. Und die Partei insgesamt muss sich als eine selbstbewusste Partei zeigen, und es wird irgendwann wohl tatsächlich zum Showdown kommen. Möllemann oder andere." ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Report Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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