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Das Erste: REPORT Mainz, Montag, 03.06.2002, 21.05 Uhr im ERSTEN / REPORT MAINZ: Kardinal Lehmann präsentiert neuen Kurs im Umgang mit pädophilen Priestern

Mainz (ots) - Mainz. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, Mainz, hat sich für einen neuen Kurs im Umgang mit pädophilen Priestern in Deutschland ausgesprochen. Gegenüber dem ARD-Politikmagazin REPORT Mainz erklärte er, dass auffällig gewordene Geistliche künftig nicht mehr von einer Gemeinde zur anderen verschoben werden dürften. "Die Schwere und die Unheilbarkeit von Pädophilie hat man erst in den letzten Jahren voll erkannt." Früher habe man, so Lehmann weiter, zwischen homosexuellen Neigungen und Pädophilie nicht so sorgfältig unterschieden. In der Vergangenheit habe die Kirche Priester bei unklaren oder nicht juristisch geklärten Fällen in einer anderen Pfarrei neu eingesetzt. Lehmann: "Das darf man heute schlechthin nicht mehr machen. Da haben wir dazugelernt." Eine Kurskorrektur formulierte Lehmann auch im Blick auf die Weisung des Papstes, alle Fälle von Pädophilie direkt nach Rom zu melden. "Die Strenge des Papstes müssen wir voll unterstützen gegenüber aller Laschheit oder gegenüber dem Versuch es irgendwie herunter-zuspielen." Im ARD-Magazin REPORT räumte Kardinal Lehmann "einen enormen Schaden in der Glaubwürdigkeit" ein. Der Umgang mit pädophilen Priestern habe, so Lehmann, "hat einen derartigen Schaden für das pastorale und pädagogische Ansehen der Kirche, dass viele, viele lang arbeiten müssen, um das wieder gut zu machen." Vor fünf Wochen hatte der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz über sexuelle Verfehlungen in der katholischen Kirche beraten und eine Kommission mit der Erarbeitung neuer Richtlinien beauftragt. Nach Report-Informationen haben die Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Hildesheim bereits detaillierte Handlungs-Anleitungen im Ungang mit pädophilen Priestern erstellt, die in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Demnach sollen künftig auch unabhängige Juristen in die Beratungen einbezogen werden und Ombudsmänner Ansprechpartner für Täter und Opfer sexuellen Missbrauchs sein. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Report Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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