SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR)
Montag, 20. Mai 2002 Pfingstmontag (Woche 21) - Freitag, 7. Juni 2002 (Woche 23)
Teil 1 von 2

    Baden-Baden (ots) -
    Montag, 20. Mai 2002 Pfingstmontag (Woche 21)/03.05.2002
    
    11.45  Soweit die Flügel tragen
                Ein Film von Karlheinz Baumann und Volker Arzt
    
    In seinem neuen Film stellt der Naturfilmer Karlheinz Baumann ein
schier unglaubliches Phänomen vor, das sich Jahr für Jahr "vor
unserer Haustür" abspielt und doch so gut wie unbekannt ist: die
Weitstreckenflüge der Schmetterlinge. Seine ganze Aufmerksamkeit und
Zuneigung gilt dabei einem liebenswerten Sonderling aus Italien: dem
Taubenschwänzchen. Der Falter wiegt kaum mehr als ein paar Gramm,
steckt aber voller Superlative: Mit 80 Flügelschlägen in der Sekunde
steht er wie ein Kolibri schwirrend in der Luft oder jagt mit 50
Stundenkilometern seinem Ziel entgegen. 1.500 Blüten fliegt er
täglich an und tankt ihren Nektar, ohne ein einziges Mal abzusetzen.
Die Liste seiner imponierenden Leistungsdaten wird jedoch angeführt
von seiner ungezügelten "Wanderlust". Wenn er im Frühsommer seine
Heimat im Mittelmeerraum verlässt, heftet sich Baumanns Kamera an
seine Flügel und zieht mit ihm bis nach Skandinavien. Die Überquerung
der Alpen, abenteuerliche Zwischenstopps auf der Insel Mainau und auf
der Schwäbischen Alb: Überall auf seiner Flugroute legt das
Taubenschwänzchen Eier. Die Tour durch Europa schließt Begegnungen
mit anderen Außenseitern unter den Faltern ein. Da unternimmt ein
Totenkopffalter einen Einbruch im Bienenstock und räumt die
Honigwaben leer. Der nördlichste Stopp des Hauptdarstellers der
Garten des renommierten Zoologischen Instituts der Universität Lund
in Schweden. In den Labors wird am Sehvermögen der Schmetterlinge
gearbeitet, und hier ist der einzige Ort, wo es möglich ist, mit den
Augen eines Taubenschwänzchens zu sehen. Baumanns Kamera präsentiert
eine Welturaufführung.
    
    Mehr als 2.000 Kilometer hat das Taubenschwänzchen im Schwirrflug
bewältigt, hat sein Verbreitungsgebiet über ganz Europa ausgedehnt.
Aber seine Nachkommen zieht es immer wieder in die Heimat am
Mittelmeer. In seiner Mauerritze im Schiefen Turm zu Pisa geht seine
unglaubliche Reise zu Ende.
    
    
    Montag, 20. Mai 2002 Pfingstmontag (Woche 21)
    
    20.15 50 Jahre Baden-Württemberg
              Lothar Späth präsentiert das Autoland
    
    Premiere für den Ex-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg.
Schnell war er schon immer, aber so viel Tempo hatte er noch nie:
Lothar Späth drehte einige Testrunden im Porsche Carrera GT mit fast
600 PS. Ein Supersportwagen, den sich im nächsten Jahr exklusive
Käufer leisten dürfen. Automobile Spitzentechnologie, die nicht
zufällig aus Baden-Württemberg kommt, denn die Wirtschaft dieses
Bundeslandes ist wesentlich vom Automobilbau geprägt. Heute ist kaum
noch bekannt, dass neben den Großen auch Firmen wie Maico, Gutbrod
oder Heinkel dort Autos gebaut haben. So begleitet das Produkt Auto
idealtypisch 50 Jahre baden-württembergische Wirtschaftsgeschichte:
von den kümmerlichen Mobilen der Aufbaujahre, die gerade die Schwelle
vom Zweirad zum Auto überschritten hatten, über die ungebremste
Autolust in den 60ern und die Krisen der Autoindustrie in den 70ern.
Damals gingen zum Beispiel Zehntausende von NSU-Arbeitern auf die
Straße, um ihr Werk in Neckarsulm zu erhalten. Neben Kommunen wie
Sindelfingen machte die prosperierende Autoindustrie im Land auch die
Gewerkschaft stark. Die Sendung spannt auch einen Bogen über den
Einzug der Roboter in die Fabrikhallen, lean production und die
Globalisierungsstrategie der Konzerne bis hin zu den Topmodellen von
morgen: dem Porsche Carrera GT oder den Maybach Luxuslimousinen für
ein paar Hunderttausend Euro aufwärts. Das Auto hat dem Land mehr
Lust als Last gebracht - auch wenn Weltkonzerne wie Daimler-Chrysler
heute keine Steuern mehr bezahlen. Und die Zukunft? Ist die
Autoindustrie gerüstet, um global mitzumischen und in
Baden-Württemberg Arbeitsplätze zu sichern? Oder können andere auf
der Welt genauso gut Autos bauen?
    
    Lothar Späth ist für den SWR unterwegs im Autoland. Seine mobile
Karriere währt fast so lang, wie das Land alt ist. Späth hat die
Höhen und Tiefen der Autoindustrie hautnah miterlebt. Oft war er
beteiligt, zum Beispiel am Streit um die Mercedes-Teststrecke in
Boxberg. Sein erster PKW allerdings stammte nicht aus heimischer
Produktion. Lothar Späths erster Wagen war ein Opel Rekord.
    
    Dienstag, 21. Mai 2002 (Woche 21)
    
    22.15 Zeichen der Zeit
              Fit im Kopf
              Ein gutes Gedächtnis ein Leben lang
              Ein Film von Tilman Achtnich
    
    Weg, verschwunden, wie aus dem Gehirn geblasen: Es gibt wohl
niemanden, der nie an seinem Gedächtnis zweifelt. Seit kurzem spendet
die Wissenschaft Trost. Die Gedächtnisleistung, das ganze Gehirn baut
im Lauf des Lebens nur dann ab, wenn es nicht trainiert wird. Wenn
man es füttert, ist das Hirn ein Organ, das sich unglaublich erholen
kann, das sich andauernd neu organisiert und sogar neue Zellen
bildet. Mit erstaunlich einfachen Kniffen hält man das Hirn auf Trab.
In Gedächtnisgruppen üben Hunderttausende. Die Älteren, weil sie
frisch bleiben wollen und weil sie sich vor der Alzheimerschen
Krankheit fürchten. Die Jüngeren, weil sie merken, dass nicht nur
körperliche Fitness wohl tut, sondern auch im Kopf ungeheures
Leistungspotential steckt. Nach dem Waschbrettbauch wird auch das
Supergedächtnis zum Symbol für Dynamik und Erfolg. Übungen trainieren
die grauen Zellen wie Hanteln die Muskeln. Hirn hat Konjunktur. Und
langsam kommen die Forscher hinter das Geheimnis des Gedächtnisses.
Das Gehirn vergisst nichts, die Menschen haben nur meist die
Schlüssel nicht parat, um an Namen, Telefonnummern oder Begriffe zu
kommen.
    

    Mittwoch, 22. Mai 2002 (Woche 21)
    21.00  Schlaglicht
                Graue Stars - Senioren auf Sendung
    
    Kürzlich hat sie ihr Zimmernachbar "die Sabine Christiansen vom
Seniorenheim" genannt. Das fand Erna Weermann ziemlich klasse. Mit 85
ist Erna die älteste im Team von TV Silberdistel und gleichzeitig
Chefmoderatorin. "Einer muss ja vor die Kamera und die Klappe
aufreißen, das konnte ich schon immer gut". So führt Erna jeden
Mittwoch um 15 Uhr durchs Programm von Deutschlands einzigem
Altenheim-Fernsehen. Ingo, der Zivildienstleistende, ist Regisseur
und hilft beim Schneiden der Bilder am Computer, alles andere machen
die Senioren-Reporter ganz allein. Zweimal die Woche ist
Redaktionskonferenz, danach geht es mit der kleinen Digital-Kamera
raus zum Drehen. Neue Trends im Seniorensport, Streifzüge durch den
Zoo und einfühlsame Interviews mit pflegebedürftigen Heimbewohnern:
Das Programm von TV Silberdistel ist vielfältig. Dass sich das Kölner
"Senioren- und Behindertenzentrum" einen eigenen Sender leistet, ist
eigentlich ziemlich naheliegend, denn mit 1.200 Bewohnern ist die
Einrichtung das größte Altenheim Europas. "Viele sind ja bettlägerig
und kommen nicht mehr raus. Denen bringen wir mit unserem Programm
ein bisschen Abwechslung auf die Bude", erklärt Erna. Zugegeben, das
Bild von TV- Silberdistel wackelt manchmal ein bisschen. Das liegt
vielleicht daran, dass Herr Christa, der Kameramann, auch schon über
80 ist. Doch als erfahrener Super 8-Filmer hat er das Auge, das man
braucht, wenn man Fernsehen machen will. Und weil Herr Christa gern
Witze erzählt, ist sein "Witz der Woche" fester Bestandteil im
Programm.
    
    
    Donnerstag, 23. Mai 2002 (Woche 21)
    
    22.15  Liebe einer Blondine
    S/WSpielfilm, CSSR 1965
    Buch: Jaroslav Papousek, Milos Forman, Ivan Passer
    Regie: Milos Forman
    Mitwirkende: Jana Brejchoá, Vladimir Pucholt, Vladimir Mensik,
    Jiri Hruby, Josef Sebanek
    
    Tschechien, Anfang der 60er Jahre. Die junge Fabrikarbeiterin
Andula ist hübsch, unerfahren, ein wenig naiv und träumt von der
Liebe. Männer sind Mangelware in dem Ort, in dem Anni wie Hunderte
anderer Mädchen weitab von Prag in einer Schuhfabrik arbeitet. Die
Armee hat eine Bitte der Fabrikleitung erfüllt und eine Einheit in
den Ort versetzt, um dem Mangel abzuhelfen. Leider treffen lauter
gestandene Reservisten ein. Wirklich begeistert ist Andula nicht,
aber dann sieht sie in der Tanzkapelle aus Prag den jungen Pianisten
Milos. Anni verbringt die Nacht mit ihm und denkt, dass der Pianist,
der so schön von der Liebe reden kann, ihr Weg nach draußen ist. So
macht sie sich ein paar Tage später auf nach Prag. Aber Milos wohnt
bei seinen Eltern und die sind alles andere als begeistert, als eine
Unbekannte vor ihrer Tür steht und glaubt, dass ihr Sohn vorhat, sein
Leben mit ihr zu verbringen. Anni bleibt nichts anderes übrig, als
wieder zurückzufahren und noch eine Weile in der
Fabrikarbeiterinnengemeinschaft auszuharren.
    
    "Liebe einer Blondine" war Milos Formans zweiter Film in seinem
Heimatland und machte ihn international bekannt. Im Umkreis des
Prager Frühlings entstanden, durchleuchtet der Film die
Lebensumstände seiner Figuren und das Aufeinandertreffen zweier
Generationen durch geduldige und liebevolle Beobachtung weniger
Situationen, realistisch und verhalten satirisch gleichzeitig.
    
    Freitag, 24. Mai 2002 (Woche 21)
    
    21.45  Nachtcafé
    Gäste bei Wieland Backes
    Die Lust am Laster -
    vom Reiz des Verbotenen
    
    "Alle Laster sind zu etwas gut / Und der Mann auch, (...) der sie
tut." So Bertolt Brecht. Und bei dem rangierte bekanntlich das
Fressen vor der Moral. Doch: Was gilt heute noch als Laster? Wer
bestimmt, was erlaubt und was verboten ist? Wer kennt noch die sieben
Todsünden, als da wären: Wollust, Maßlosigkeit, Faulheit, Habgier,
Zorn, Hochmut und Neid? Ist etwa die Wollust im Zeitalter nach der
sexuellen Revolution noch ein Laster? Und was ist mit den kleinen
Sünden, die manch einen täglich anfechten: Essen, Trinken, Rauchen,
alles - siehe Todsünde Nummer 2 - eine Frage der Maßlosigkeit? Ein
paar kleine Laster hat fast jeder von uns. Tugendhaftes Leben kann
eben schrecklich langweilig sein. Kommt es also darauf an, die
richtige Balance zu finden zwischen strengem Über-Ich und
unkontrolliertem Es, um mit Freud zu sprechen? Ist es vielleicht das
Beste, sich phasenweise in Selbstdisziplin zu üben, um dann wieder
gehörig über die Stränge zu schlagen? Doch was treibt uns so oft
dazu, wider besseren Wissens Raubbau an unserer Gesundheit zu
betreiben, gegen eigene Werte und zuweilen sogar klare Verbote zu
verstoßen? Ist die Versuchung Jahrtausende nach der Vertreibung aus
dem Paradies etwa größer geworden? Was bereitet uns so viel Lust am
Laster? Darüber diskutiert Wieland Backes mit seinen Gästen im
Ludwigsburger Schloss Favorite:
    
    Margit Schönberger: Die Chefin der Presseabteilung bei Bertelsmann
genießt Essen, Trinken und Rauchen in vollen Zügen und ohne
schlechtes Gewissen. "Wenn´s um Laster geht, bin ich dabei", sagt
sie. In ihrer Küche werden keine Kalorien gezählt, und wenn es mal
ein paar Zigaretten weniger sind, gibt es dafür ein Glas Rotwein
mehr. Für Vorschriften und Disziplinierungsversuche hat sie nichts
übrig. Denn, so Schönberger: Die Summe aller Laster ist immer gleich.

    Franzobel: Der österreichischer Dichter und Bachmann-Preisträger gesteht den Lastern sogar noch mehr zu: Nur mithilfe der Laster, argumentiert der Autor, entwickelt die Zivilisation sich weiter. Gerade weil Menschen ihren Versuchungen nachgeben und Verbote missachten um sich zu belohnen, entstehen neue gesellschaftliche Freiräume.

    Babina von der Heydt: Sie argumentiert gegen das individuelle Lustprinzip und eckt bei ihren vier Kindern zuweilen an. Die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende findet nämlich, dass Jugendliche klare Grenzen brauchen und lernen müssen, Rücksicht auf andere zu nehmen. Die Freigabe von Drogen will sie nicht gutheißen. Und jede Form von Pornografie als Kunst zu bezeichnen, hält sie für eine Ausrede.

    Benjamin Tewaag: Der Sohn der Schauspielerin Uschi Glas produziert seit kurzem die "Freakshow", in der es ihm wichtig ist, die Zuschauer nicht zu langweilen. Er plädiert dafür, sämtliche Triebe auszuleben, unabhängig davon, ob Konventionen verletzt werden. Alles muss erlaubt sein, solange keiner dabei Schaden nimmt. Verlogenheit und Heuchelei hasst er und sieht die Moralapostel in Kirche und Gesellschaft als schlimmste Vertreter dieses Lasters an.

    Simon Thaur: Der Betreiber des legendären "Kitkat-Club" in Berlin versteht sich in der Tradition der verruchten Clubs der 20er Jahre. Totale Freiheit soll dort möglich, nichts mehr peinlich sein. Thaur ermuntert seine Gäste, sich alles zu trauen, vor allem im Bereich der Sexualität. Das ausgelassen-lasterhafte Treiben führt seiner Meinung nach zu einem höher entwickelten Bewusstsein. Lasterhaft, so Thaur, wäre nur, wenn man den Kopf ausschaltet.

    Dr. Werner Habermehl: Der Hamburger Sexualwissenschaftler meint, allen körperlichen Reizen nachzugeben, mache den Menschen zum Tier. Als griechisch-orthodoxer Christ hält er an lebenslanger Treue in der Ehe fest, auch wenn diese nur noch auf dem Papier besteht. Vernunftbegabten Wesen wie den Menschen sei die Fähigkeit gegeben, ihre Triebe zu beherrschen.          Andreas Müller: Der Richter wurde bekannt, weil er sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzt. Immer wieder muss er über Taten urteilen, die er selbst nicht von Gesetzes wegen ahnden würde. Haschisch, so der Jurist, ist zur Kulturdroge geworden. Niemand soll kriminalisiert werden, weil er etwas zu sich nimmt: Darum kandidiert Müller als unabhängiger Kandidat auf einer Liste der PDS für den Bundestag.

    Bruder Felix Weckenmann: Im Alter von 22 Jahren trat er dem Orden der Benediktiner bei. Die feierlichen Gelübde schreiben ein Leben in Einfachheit und Keuschheit vor, das allem Lasterhaften fern zu sein scheint. Im idyllischen Kloster Beuron jedoch ist Bruder Felix für die Destillerie zuständig und feilt selbst an der Komposition von Likören und Schnäpsen. Alkohol gilt anderen als Laster. Laut Bruder Felix aber dient seine Arbeit der Verehrung der Schöpfung.        Sonntag, 26. Mai 2002 (Woche 22)          20.15 Sonntags Tour     Mittelalterliches Spectaculum Oberwesel     Moderation: Patricia Küll          Oberwesel, das romantische Städtchen am Mittelrhein, ist Schauplatz des mittlerweile zehnten "Spectaculums". Der Mittelaltermarkt der ersten Stunde versucht, die vergangenen Zeiten so authentisch wie möglich erlebbar zu machen. Zum kleinen Jubiläum hat er eine ganz besondere Attraktion zu bieten: eine Traumhochzeit, gefeiert im Stile des Mittelalters. "Sonntags Tour" ist hautnah dabei, wenn sich die jungen Brautleute das Jawort geben. Und selbstverständlich wird Moderatorin Patricia Küll die beiden Frischvermählten vor der Kamera begrüßen können.

    Was aus dem Mittelalter für die gesunde Ernährung von heute
übernommen werden kann, verrät der Gesundheitsexperte Prof. Hademar
Bankhofer.
    
    Montag, 27. Mai 2002 (Woche 22)
    22.15 Saldo
    Moderation: Karin Lambert-Butenschön
    Thema u.a.: Abrechnung - Wie Patienten Ärzte kontrollieren können
    
    Immer wieder kommen Betrügereien bei Arztabrechnungen ans Licht.
Jetzt sollen die Patienten die Kontrolle mit übernehmen. In einem
rheinland-pfälzischen Pilotprojekt stellen Ärzte den Kassenpatienten
Quittungen aus. So kann der Patient nachvollziehen, was die
Behandlung kostet und ob der Arzt zu viel abrechnet. Hat das Projekt
Erfolg, soll es bundesweit eingeführt werden. Ist der Patient als
Kontrollinstanz ein sinnvoller Ansatz? "Saldo" zieht eine
Zwischenbilanz.
    
    Mittwoch, 29. Mai 2002 (Woche 22)
    
    13.30 Spiele der Welt
          Klootschießen und Boßeln in Deutschland
          Ein Film von Christian Romanowski
    
    Die Friesen sind ein wehrhaftes Volk. Seeräuber und andere
feindlich gesonnene Eindringlinge hat man dort einst mit
wohlgezielten Lehmkugeln oder Steinen verjagt. Das Werfen musste
geübt werden, so erklärt man heute in Friesland die urtümliche
Wochenendbeschäftigung: Beim friesischen "Nationalsport", dem
Klootschießen und dem Boßeln, fliegen und rollen die Kugeln bis
heute. Beim Klootschießen muss der Werfer eine kleine Holzkugel so
weit wie möglich übers Feld werfen. Am besten geht das, wenn die
Wiesen und Äcker zugefroren sind, aber mit Hilfe der dorfeigenen
Sprungbretter und Matten gelingt es auch im Sommer. Ganze Regionen
treffen sich, um den friesischen Meister zu ermitteln. Was früher
Dorfkampf war, ausgetragen von Männern in langen weißen Unterhosen,
ist heute zum Leistungssport geworden. Jung und Alt trainieren hart.
Auch das Boßeln ist nicht ganz einfach. Bei Wind und Wetter treffen
die Friesen sich an den langen Straßen des flachen Landes. Weit
schwingen die Arme, Kilometer um Kilometer rollen die Kugeln.
Straßenschilder warnen "Achtung Boßeln". Sieger ist die Mannschaft,
deren Kugeln insgesamt am weitesten gerollt sind. Die abendliche
Feier im Dorfkrug, bei der die besten Würfe immer wieder begossen
werden, gehört natürlich dazu. Auch wenn friesische Bauern ihre
Knechte heute nicht immer nur nach ihrer "Boßelfähigkeit" einstellen,
hat das Boßeln in Friesland nach wie vor Konjunktur. Alle Verbote,
Fürstenedikte und Warnungen des Pfarrers vor dem "greulichen
Kugelspiel" haben nicht gefruchtet. Nach Zeiten romantischer
Rückbesinnung ist es heute wieder Ausdruck friesischer Tradition und
wird begleitet von der Pflege friesischer Sprache und Kultur.
    
    Mittwoch, 29. Mai 2002 (Woche 22)
    
    21.00 Schlaglicht
          Knastkinder - Mit der Mutter hinter Gittern
    
    Vanessa ist erst wenige Wochen alt und dennoch wächst sie
keineswegs unbeschwert auf. Ihre Mutter kann weder mit ihr im Park
spazieren gehen, noch sie zum Arzt begleiten. Auch Alyssa (1) und
Marima (3)werden täglich mit Gitter, Stacheldraht und Schlüsselbund
konfrontiert: Zusammen mit ihren Müttern leben die Kinder im
Frauengefängnis in Frankfurt-Preungesheim. Nur wer noch nicht
schulpflichtig ist, darf mit in den Knast. Ältere Kinder kommen ins
Heim oder in Pflegefamilien. Den Frauen ist klar: Wer sich nicht
genügend um die Kleinen kümmert, wird von ihnen getrennt. Und wer im
offenen Vollzug die Regeln missachtet, landet schnell wieder im
Geschlossenen. Mütter, die suchtgefährdet sind oder als nicht
zuverlässig gelten, haben erst gar keine Chance, mit ihren Kindern
eine Zelle zu teilen. Wie hoch ist die psychische Belastung? Was
beeinträchtigt die Mutter-Kind-Beziehung? Welche Spannung herrscht
unter den Gefangenen? Was erwarten Mutter und Kind nach der
Entlassung? Die Reportage begleitet drei Frauen mit ihren Kindern
hinter die Gefängnismauern und beschreibt ihr Leben zwischen
Knastalltag und Kuscheltieren.
    
    Donnerstag, 30. Mai 2002 Fronleichnam (Woche 22)
    
    13.50 Pferdewerkstatt - Die Klinik an der Rennbahn
    Eine Reportage von Jean Boué
    (Erstsendung: 15.06.2001, Das Erste)
    
    Es sieht nicht gut aus für "Superlover": Verdacht auf Sehnenriss.
Das Rennpferd hat sich auf der Galopprennbahn in Iffezheim verletzt
und muss sofort operiert werden. Ein heikler Eingriff, den Dr.
Kai-Wiegand Freiherr von Salmuth jetzt vor sich hat. Denn Superlover,
der inzwischen in Vollnarkose seiner OP entgegendämmert, ist ein
Spitzengalopper. Und der Pferdechirurg muss die vierbeinige
Rennmaschine möglichst wieder zum Laufen bringen. Alltag in der
Pferdeklinik Iffezheim - einer der modernsten in Europa. An diesem
Tag ist Hochbetrieb. Das Wartezimmer - der Hof - steht voll mit
Pferdeanhängern. Auch das Zirkuspferd "Funny" wartet. Es ist auf der
Tournee zusammengebrochen und kann nicht mehr auftreten. Der Huf ist
völlig zerstört. In der Nacht ein weiterer Notfall. Ein Koliker wird
gebracht. Jede Sekunde ist jetzt kostbar. Dr. Kuno-Alexander Baron
von Plocki ist der diensthabende Arzt. Mit weit aufgerissenen Augen
liegt das Pferd vor ihm, 600 Kilo schwer, regungslos. Von Plocki
schneidet die Bauchdecke auf, versenkt seinen Arm im Schlitz und
sucht nach dem Grund für die lebensgefährlichen Bauchschmerzen.
Vierzig Meter Darm tastet er ab - mit geschlossenen Augen. Nach zwei
Stunden ist alles vorbei. Das Tier steht wieder und der Arzt hat drei
Pfund abgenommen. Filmautor Jean Boué hat eine Woche lang Ärzte und
Patienten der Pferdeklinik Iffezheim beobachtet.
    
    
    Donnerstag, 30. Mai 2002 Fronleichnam (Woche 22)
    
    21.35 Die Immobilienfalle
    Wie eine Bank ihre Kunden ausplünderte
    Ein Film von Michael Holthus und Hans-Michael Kassel
    (Erstsendung: 03.04.2002, Das Erste)
    
    Nie im Traum hätte Sabine W. daran gedacht, sich mit über 150.000
Euro zu verschulden, wenn sie gewusst hätte, welch ein Alptraum auf
sie zukommen würde. Eine "lohnende Kapitalanlage", zur
"Altersvorsorge" und darüber hinaus "staatlich gefördert" wurde ihr
von einem Vermittler versprochen. Das Risiko sei "gleich null",
immerhin habe eine große deutsche Bank alles geprüft. Die
"Kapitalanlage" von Sabine W. entpuppt sich als Alptraum: eine
Drei-Zimmer-Wohnung in der brandenburgischen Provinz, voller Mängel,
schlecht vermietbar. Statt Vermögen zu bilden, zahlt sie monatlich
rund 1.000 Euro an die Bank, ein Fass ohne Boden. 100.000 Menschen,
meist Bezieher mittlerer Einkommen, geht es genauso. Anfang der 90er
Jahre begann eine gigantische Geldvernichtungs-Maschinerie
anzulaufen. Allein die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank (jetzt
Hypovereinsbank) brachte mit Hilfe von hochgedrillten
Strukturvertrieben Kredite von über 13 Milliarden Euro unters Volk
und verdient prächtig an den Zinsen. Viele ihrer Kunden liefern dafür
fast ihr gesamtes Einkommen an die Bank ab. Bisher hatten sie vor den
Gerichten schlechte Karten. Vor allem, weil sie nicht beweisen
konnten, wie sie von Vermittlern, Bankern und Notaren aufs Kreuz
gelegt wurden.
    
    Nach intensiven Recherchen ist es den Autoren Michael Holthus und
Hans-Michael Kassel gelungen, das "Netzwerk der Abzocke" zu
beleuchten. Erstmals sprechen Bankmitarbeiter und Vermittler über
ihre enge Zusammenarbeit, die letztlich nur ein Ziel hatte: an das
Geld gutgläubiger Kunden heranzukommen und sich an überhöhten
Krediten zu bereichern.
    
    Freitag, 31. Mai 2002 (Woche 22)
    
    20.15 Fröhlicher Weinberg
    Gäste: Gisela Uhlen, Andy Borg, Steffi + Bert, Rolf Klein, Klaus
    Peter Keller,
    Junko Iwamoto, Swinger Club
    Moderation: Ulrike Neradt und Johann Lafer
    
    Gisela Uhlen - eine ungewöhnliche Frau und große Schauspielerin
besucht Ulrike Neradt und Johann Lafer. Ob Theodor Fontane,
Edgar-Wallace Filme oder Gesellschaftsdrama mit Rainer Werner
Fassbinder: Die 1919 geborene Leipzigerin wird allen Rollen gerecht.
Im "Fröhlichen Weinberg" singt sie ein Lied von Josephine Baker.
Moderator und Sänger Andy Borg stellt nicht nur seinen neuen Titel
"Wie viel Liebe hat ein Leben" - der Österreicher muss sich auch dem
"Weintest" stellen. Die in Hamburg lebende japanische Journalistin
Junko Iwamoto hat über ein Jahr lang die Arbeit in einem der besten
Weingüter Deutschlands, dem Weingut Keller in Flörsheim-Dalsheim
(Rheinhessen), beobachtet. Ihr Tagebuch hat sie in Buchform in Japan
veröffentlicht. Zusammen mit dem Winzer Klaus Peter Keller erzählt
sie über ihre Erlebnisse. Zigarren und Wein - eine Allianz des
Genusses. Rolf Klein, Chefredakteur der Zeitschrift "Weinwelt"
erklärt, welche Rebsorten sich zur guten Zigarre eignen. Der Mai ist
gekommen: Johann Lafer kocht einen Spargel-Blechkuchen und stellt
Rezepte für leckere Maibowlen vor. Für die musikalische Unterhaltung
sorgt das Jazztrio "Swinger Club" und das Duo Steffi & Bert mit "Ich
möchte dir was schenken".
    
    
    Freitag, 31. Mai 2002 (Woche 22)
    21.45 Thema M ... wie Menschen
          Mit der Krankheit begann das Leben
    
    Eine schwere Krankheit ist wie ein Albtraum. Sei es Krebs,
Herzinfarkt oder eine andere schlimme Krankheit, mit der Diagnose
verändert sich alles: die Beziehungen in der Partnerschaft, in der
Familie und im Beruf. Freundschaften gehen in die Brüche, der Verlust
des Arbeitsplatzes droht, häufig kommt es auch zu finanziellen
Einbrüchen. Aber manchmal ist ein solcher Schicksalsschlag auch ein
Tor in ein neues Leben mit anderen Prioritäten. Zum ersten Mal
gelingt, das zu tun, was wirklich gut tut. "Thema M" fragt: Wie
überwindet man bei einer schweren Erkrankung Furcht, Trauer und
Lähmung und findet neu ins Leben? Wie schafft man es, trotz
Beeinträchtigung und Ängsten stark zu werden und das Leben
eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen? Wie tritt man den Ärzten
gegenüber selbstbewusst und kritisch auf? Gäste bei Jo Frühwirth und
Kristina Roth sind:
    
    Christian Wulff: Als die Mutter des niedersächsischen
CDU-Fraktionsvorsitzenden schwer an Multipler Sklerose erkrankte,
musste er als 14-Jähriger die Verantwortung für die Familie
übernehmen, was ihn geprägt hat. Heute ist er als Nachfolger von Lina
Carstens Schirmherr der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft.

    Andrea Sixt: Nach einer Brustkrebserkrankung und der Amputation der Brust verzagt die Autorin nicht, sondern will mit ihrem Vorbild anderen betroffenen Frauen helfen. Heute sagt sie, dass ihr Leben jetzt besser ist als vor der Krebserkrankung.

    Till Bastian: Der Mediziner und Publizist will Patienten ermuntern, die Verantwortung für ihr Wohlbefinden nicht einfach an den Arzt zu deligieren, sondern aktiv mit ihnen zusammenzuarbeiten.

    Bettina Mücke: Sie wurde mit Spina bifida (offenem Rücken) geboren und ist seit einer Tumorerkrankung mit 22 Jahren querschnittgelähmt. Trotz ihrer Behinderung ist sie berufstätig, hat ein Kind adoptiert und führt ein normales und - wie sie findet - inzwischen glückliches Leben. Um ihren Weg zu finden, musste sie aber immer wieder seelische Einbrüche überwinden.

    Hansjörg Burger: Er hatte Prostatakrebs und erzählt von den
Veränderungen seiner Ehe durch seine Erkrankung, in der Sexualität
und in der Beziehung.
    
    Samstag, 1. Juni 2002 (Woche 23)
    
    11.10 Dr. Kildare: Unter Verdacht
          (Calling Dr. Kildare)
          Spielfilm USA 1939
    
    Dr. James Kildare wird auf Veranlassung seines Mentors Dr.
Gillespie in eine Außenstation des New Yorker Blair Hospitals
versetzt. Als er einem angeschossenen jungen Burschen hilft, kommt
Kildare in Schwierigkeiten, weil sein Patient in dringenden
Mordverdacht gerät.
    
    Sonntag, 2. Juni 2002 (Woche 23)
    18.15  Was die Großmutter noch wußte (279)
                Soja, das Fleisch vom Acker
    
    Soja spielt eine immer größere Rolle in der modernen Ernährung.
Kathrin und Werner haben sich mit Soja und Sojaprodukten beschäftigt
und stellen einige schmackhafte Rezepte vor. Dr. Nicolai Worm spricht
über den Gesundheitswert von Soja.
    
    Sonntag, 2. Juni 2002 (Woche 23)
    
    19.15 Die Fallers - eine Schwarzwaldfamilie
    Ton ab!
    Folge 320
    Buch: Lieselotte Kinskofer
    Regie: Jochen Nitsch
    Rollen und Darsteller:
    Hermann      Wolfgang Hepp
    Johanna      Ursula Cantieni
    Karl          Peter Schell
    Monique      Anne von Linstow
    Bea            Christiane Brammer
    Bernhard    Karsten Dörr
    Gießbert    Martin Born
    
    Johanna erhält einen Anruf. Sie hatte nicht mehr damit gerechnet,
dass sich Gießbert von SWR4 noch melden würde. Doch Martin Born, wie
Gießbert im richtigen Leben heißt, möchte Johanna in seiner
Radiosendung interviewen. Johanna sträubt sich, denn das Interview
soll schon am nächsten Tag sein. Bea meint, dass Kneifen nicht gilt.
Also sagt Johanna widerstrebend zu. Am Abend will Hermann seinem
"Blümle" gern noch gute Tipps geben. Da er als Bürgermeister öfter
mit der Presse zu tun hat, fühlt er sich ganz als Medienprofi. Doch
Johanna will sich nicht reinreden lassen.

    Am nächsten Tag hat Bernhard Kinder- und Küchendienst, denn Johanna kann sich wegen des Interviews nicht um Albert kümmern. Hermann ist nicht begeistert, dass Bernhard so viel Zeit im Leibgedinghaus statt in seiner Firma verbringt. Er meint zu seinem Sohn, dass er ihn nicht habe studieren lassen, damit er später Hausmann wird. Doch Bernhard will sich um seinen Sohn kümmern. Beim gemeinsamen Mittagessen mit Albert und dessen Schulfreund Sebastian wird er aber zu einem wichtigen Termin gerufen.

    Nachdem Johanna dem Besuch schon den ganzen Tag entgegengefiebert hat, ist der große Moment nun gekommen: Gießbert fährt vor. Als er das Aufnahmegerät einschaltet, ist Johanna sichtlich nervös. Doch sie schlägt sich tapfer und erzählt über Dünger, Blütentage und den Aussaatkalender. Als Gießbert und Johanna gemeinsam die mitgebrachten Dahlien einpflanzen, wird Hermann zum Wasserträger degradiert.             - Teil 2 folgt -

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