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Das Erste: REPORT Mainz, Montag, 6. Mai , 21.00 Uhr im ERSTEN

    Baden-Baden (ots) -          REPORT MAINZ: Plutonium vor der Haustür: Hanauer Wohngebiete   radioaktiv belastet

    Wissenschaftler der Universität Gießen bestätigt rätselhafte Funde
    Staatsanwaltschaft ermittelt
    
    Mainz, 6. 5. 2002 - Die Umgebung der ehemaligen Hanauer
Nuklearbetriebe ist nach einem Bericht des ARD-Politikmagazins REPORT
Mainz offenbar weiträumig radioaktiv belastet. Wissenschaftler der
Universität Gießen haben nach REPORT-Recherchen im Auftrag der
Staatsanwaltschaft Hanau Bodenproben untersucht und dabei radioaktive
Partikel gefunden. Die etwa einen Millimeter großen Kügelchen
enthalten unter anderem giftiges Plutonium, angereichertes Uran,
ferner strahlende Elemente wie Curium und Americium. Sie fanden sich
in etwa 5 bis 15 Zentimeter Tiefe und sind mit dem Geigerzähler
auffindbar. Arthur Scharmann, Vorsitzender der Schutzkommission des
Bundesinnenministeriums, bestätigte die Funde gegenüber REPORT Mainz
und erklärt: "Diese Kügelchen sind nicht natürlichen Ursprungs,
sondern mit denen ist irgendwie experimentiert worden."
    
    Die Staatsanwaltschaft geht bisher nicht von einer akuten
Gefährdung der Bevölkerung durch erhöhte Strahlenbelastung aus.
Jedoch erklärt der Strahlenbiologe Frederick Stevenson von der
Universitätsklinik Kiel die Gefährlichkeit der strahlenden Partikel
gegenüber REPORT Mainz: "Wenn derartige Teile in den Körper gelangen
und diese Teile dann aufgelöst werden, dann ist das Teufelszeug
freigesetzt und wenn dieses dann im Gewebe aufgenommen wird, dann ist
es extrem toxisch."
    
    Wie das Material in die Umwelt gelangen konnte, ist bislang
unklar. Die Betreiberfirma der früheren Hanauer Brennelementefabrik,
NUKEM Hanau GmbH, bestätigte gegenüber REPORT Mainz, die Herstellung
von Brennstoffkügelchen für den stillgelegten Hochtemperaturreaktor
des Kernforschungszentrums Jülich. Eine Freisetzung in die Umwelt
weist die Firma jedoch zurück.
    
    Auch im Umfeld des Kernkraftwerks Krümmel und der benachbarten
Kernforschungseinrichtung GKSS verdichten sich die Anzeichen, dass
hier ebenfalls strahlendes Material in die Umwelt gelangt ist. Dies
war in der Vergangenheit von der Kieler Landesregierung dementiert
worden.  Nun will die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für
die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) nachgewiesen haben, "dass in der
Elbmarsch und Elbgeest Kernbrennstoffpartikel gefunden wurden, die
nicht natürlichen Ursprungs sind". Eine neues Gutachten der IPPNW
soll am Montag, 6. Mai, in Berlin vorgestellt werden. Die Lübecker
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Betreiber des Kernkraftwerks
Krümmel und die der benachbarten Forschungseinrichtung GKSS.
    
    Die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Hessen, sowie das
Bundesumweltministerium erklärten gegenüber REPORT Mainz, dass
bisherige Untersuchungen keine Auffälligkeiten in Bodenproben
festgestellt hätten.
    
ots Originaltext: SWR
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