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"Nachtcafé: Die Macht der Erinnerung"

SÜDWESTRUNDFUNK Nachtcafé - Die SWR Talkshow - Gäste bei Michael Steinbrecher jeweils freitags um 22:00 Uhr im SWR Fernsehen. Michael Steinbrecher. © SWR/Alexander Kluge, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung und bei Nennung "Bild: SWR/Alexander Kluge" (S2). ...

Baden-Baden (ots) - Michael Steinbrecher spricht u. a. mit Rechtspsychologin Julia Shaw / Freitag, 7.10.16, 22 Uhr, SWR Fernsehen

Welche Rolle spielen Erinnerungen in unserem Leben, wie sehr prägen sie unser Verhalten? Und was, wenn einen die Vergangenheit nicht mehr loslässt? Die Rechtspsychologin Julia Shaw und weitere Gäste sprechen über "Die Macht der Erinnerung" mit Moderator Michael Steinbrecher, am Freitag, 7. Oktober, 22 Uhr im "Nachtcafé" im SWR Fernsehen.

Erinnerungen - verborgene Drahtzieher in unserem Leben Die Freiheit unserer Kindheitstage, kleine Abenteuer auf Urlaubsreisen oder schmerzhafte Erfahrungen mit einer gebrochenen Liebe - Erlebnisse und Erfahrungen, die sich ein Leben lang einprägen. Ab dem Alter von drei Jahren ist der Mensch in der Lage, autobiographische Erinnerungen im sogenannten Episodischen Gedächtnis abzulegen und diese jederzeit wieder abzurufen. Doch es gibt Erlebnisse, an die wir uns nicht mehr erinnern oder vielleicht gar nicht erinnern wollen. Erinnerungen, die zwar nur in Bruchstücken vorhanden sind, die uns aber nicht mehr loslassen. Die Macht über uns haben und uns unbewusst steuern - mit Folgen für die Gesundheit und den Alltag. Im schlimmsten Fall sind die Erinnerungen so belastend, dass ein normales Leben unmöglich wird.

Die Gäste im "Nachtcafé":

Bodo Janssen, ehemaliges Entführungsopfer 24 Jahre alt war Bodo Janssen, als er von Kidnappern entführt und acht Tage lang gefangen gehalten wurde. Die Entführer quälten ihn mit Scheinhinrichtungen und seelischer Folter. "Heute habe ich die Macht über meine Erinnerung zurück gewonnen", sagt Janssen, der dieses Erlebnis mithilfe eines Traumatologen verarbeitete.

Ille Ochs - der Kampf mit Kindheitserinnerungen Bei Ille Ochs setzten sich die Bruchstücke der Kindheitserinnerungen erst im späten Erwachsenenalter zu einem Ganzen zusammen. Die schockierende Erkenntnis: Sie wurde als Kind missbraucht - vom eigenen Vater. Heute weiß sie: "Es war wohl eine Schutzfunktion, dass die Erinnerungen an mein traumatisches Leben verschüttet waren."

Wibke Bruhns - Familiengeschichte im Zweiten Weltkrieg Wibke Bruhns Erinnerungen setzen erst mit der Nachkriegszeit ein. Im April 1945 war sie bereits ein siebenjähriges Kind und ihr Vater tot - von den Nazis als Mitwisser des Stauffenberg-Attentats gehängt. "Das Totschweigen der Vergangenheit war bei uns wie in vielen Familien", erinnert sich Bruhns. Erst nach dem Tod der Mutter befasste die Journalistin sich mit dem Leben des Vaters und hat versucht, ein Bild der linientreuen Nazifamilie zu zeichnen.

Jens Orback - das Trauma seiner Mutter

Auch bei Jens Orback waren es Kriegserinnerungen, die sein Leben prägten - allerdings nicht seine eigenen. Das verdrängte Kriegstrauma seiner Mutter hatte sich Jahrzehnte später wortlos auf ihn übertragen: Panikattacken und Todesängste waren die Folge. "Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass sie im Krieg vergewaltigt wurde", sagt Orback, dem es schließlich gelang, sich gemeinsam mit seiner Mutter auf Spurensuche zu machen.

Prof. Dr. Carl Eduard Scheidt - wie er als Arzt und Psychiater helfen kann Für Prof. Dr. Carl Eduard Scheidt ist die gemeinsame Aufarbeitung das zentrale Instrument in der Bewältigung von Traumata: "Erinnerungen sind nicht einfach nur Bilder in einem Speicher, die abgerufen werden, sondern stehen immer in Abhängigkeit von persönlichen Beziehungen", sagt der Psychosomatiker. In gemeinsamen Erzählungen zwischen Menschen kann so aus Bruchstücken von Erinnerungen wieder ein ganzes Bild entstehen.

Stefan Arzberger - Erinnerungslücke und Schuld Für Stefan Arzberger steht das in weiter Ferne. Mehr als 16 Monate lang kämpfte der renommierte Kammermusiker um seine Unschuld. "Versuchter Mord" lautete der Tatvorwurf, doch eine Erinnerung an die verhängnisvolle Nacht in New York hat Arzberger bis heute nicht. K.O.-Tropfen hatten ihm jegliches Erinnerungsvermögen geraubt. "Das ist, wie wenn man versucht, im Dunkeln einen Lichtschein zu erhaschen - und man sieht doch nichts", sagt Arzberger.

Julia Shaw - die Macht der falschen Erinnerungen Dass wir uns auf unsere Erinnerungen nicht verlassen können, hat die Rechtspsychologin Julia Shaw nachgewiesen. "Wir müssen uns von der Idee verabschieden, unser Gedächtnis funktioniere wie eine innere Kamera", sagt Shaw, der es in einer aufsehenerregenden Studie gelungen ist, ihren Studienteilnehmern falsche Erinnerungen einzupflanzen. Am Ende waren die davon überzeugt, sich an ein Erlebnis zu erinnern, das so nie stattgefunden hat.

"Nachtcafé: Die Macht der Erinnerung" am Freitag, 7. Oktober, 22 Uhr im SWR Fernsehen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Georg Bruder, Tel. 0711 929 13701 Fotos über www.ARD-Foto.de Pressekontakt: Bruno Geiler, Tel. 07221 929 23273, bruno.geiler@SWR.de

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