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Das Erste: REPORT Mainz, heute, den 15.4.2002, 21.00 Uhr im ERSTEN

    Mainz (ots) -          REPORT MAINZ: Überraschung im Frankfurter Al-Qaida-Prozess angekündigt

    Anschlagsziel womöglich nicht Straßburger Weihnachtsmarkt, sondern Synagoge / Mutmaßlicher Attentäter will umfassend aussagen          Einen Tag vor Beginn des Al-Qaida-Prozesses vor dem Frankfurter Oberlandesgericht ist nach Recherchen des ARD-Politikmagazins REPORT Mainz mit einer Überraschung zu rechnen. Nach vertraulichen Informationen aus Justizkreisen war nicht, wie von der Bundesanwaltschaft in der Anklage vertreten, der Straßburger Weihnachtsmarkt Ziel eines geplanten Bombenanschlags, sondern die Synagoge in Straßburg. Einer der fünf angeklagten mutmaßlichen Attentäter hat angekündigt, umfassend aussagen zu wollen. Vier der Angeklagten waren am 26. Dezember 2000 im Frankfurter Norden verhaftet wurden. Ein weiterer Angeklagter ging der Polizei im April 2001 ins Netz. Bei der Durchsuchung mehrerer Wohnungen fanden die Ermittler ein Arsenal von Waffen, Grundstoffe zur Sprengstoffherstellung, falsche Pässe und gefälschte Kreditkarten. Außerdem wurde ein Video beschlagnahmt, das die Anfahrt nach Straßburg und den dortigen Weihnachtsmarkt zeigt, unterlegt mit hasserfüllten, antiwestlichen Sprüchen.          Die Recherchen von REPORT Mainz ergaben, dass die potentiellen Attentäter algerischer Abstammung in einem Ausbildungslager der Al-Qaida-Organisation von Osama bin Laden in Afghanistan geschult wurden. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden unterhielt die Frankfurter Gruppe enge Kontakte zu ähnlichen Gruppierungen in London, Mailand und München. In der Vorweihnachtszeit des Jahres 2000 beschaffte die Gruppe insgesamt 29 Kilogramm des Oxidationsmittels Kaliumpermanganat, das jeweils in kleinen Mengen in diversen Apotheken, unter anderem in Köln, Frankfurt, Hamburg und Berlin unter Vorlage falscher Papiere gekauft wurde. Die Berliner Apothekerin Marina Rehbein erinnert sich an ein solches Verkaufsgespräch: "Der Kunde hat gesagt, er möchte es für ein Kinderkrankenhaus mit in seine Heimat nehmen, weil da ganz großer Bedarf besteht und es dort nicht lieferbar ist".          Der Sprengstoffexperte Prof. Thomas Klapötke von der Universität München hält die Chemikalie für einen geeigneten Ausgangsstoff zur Herstellung eines Sprengsatzes. Nach Klapötkes Einschätzung wäre bei einer Detonation mit zahlreichen Toten und Verletzten zu rechnen gewesen. Womöglich hatten die mutmaßlichen Attentäter noch größere Anschläge vor. So sollen sie bei der Darmsädter Firma Merck insgesamt 115 Kilogramm Kaliumpermanganat bestellt haben. Dies bestätigte die Firma gegenüber REPORT Mainz telefonisch. Zur Auslieferung der Chemikalie sei es aber nicht gekommen. Zu den Gründen will sich die Firma nicht äußern.

    
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