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"Nachtcafé: Reiches Deutschland - aber wo bleibt die Mittelschicht?"
Darüber diskutiert Moderator Michael Steinbrecher u. a. mit Schauspieler Dietrich Mattausch und Sternekoch Ali Güngörmüs

Baden-Baden (ots) - Die deutsche Wirtschaft ist auf Erfolgskurs. Doch in der deutschen Mittelschicht grassiert die Angst vor dem sozialen Absturz. "Reiches Deutschland - aber wo bleibt die Mittelschicht?" ist Thema im "Nachtcafé". Moderator Michael Steinbrecher diskutiert mit seinen Gästen, darunter Schauspieler Dietrich Mattausch, Bestsellerautor Marc Friedrich und Sternekoch Ali Güngörmüs, am Freitag, 15. Juli um 22 Uhr im SWR Fernsehen.

Trotz Wirtschaftsboom: Angst der Mittelschicht vor dem Absturz Ein sicherer Job, zwei Mal im Jahr Familienurlaub und ein eigenes Häusle! Lange Zeit war es für die Mittelschicht selbstverständlich, vom eigenen Gehalt sorgenfrei leben zu können. Doch die goldenen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Und das, obwohl die deutsche Wirtschaft boomt. Die Sorgen um den eigenen Status sind groß. Befristete Jobs und Niedriglöhne lösen Existenzängste aus. Was muss sich verändern, damit die Mittelschicht wieder positiv in die Zukunft blicken kann?

Die Gäste im Nachtcafé:

Elena Ehlers, Krankenschwester Das Ehepaar Ehlers arbeitet in der Krankenpflege und lebt mit seinen Kindern in einem Eigenheim. Scheinbar eine klassische Mittelschichtsfamilie, doch Ängste und Sorgen sind zu täglichen Begleitern der vierfachen Mutter geworden: "Der soziale Abstieg fing bei uns mit dem dritten Kind an. Wer sich für eine Großfamilie entscheidet, zählt in Deutschland zu den Verlierern."

Schauspieler Dietrich Mattausch

"Deutschland bietet so viele Möglichkeiten, um sich ein gutes Leben aufzubauen. Die Haltung, der Staat müsse für alles die Verantwortung übernehmen, ist heute zu sehr verbreitet", so Schauspieler Dietrich Mattausch. Als Kriegskind geboren hat er hautnah erlebt, wie hart es war, sich aus Trümmern eine Existenz aufzubauen: "Die Leute sollten öfter überlegen, ob sie nicht auch mit weniger happy sein können, anstatt ständig zu vergleichen, was andere haben."

Wirtschaftsexperte und Bestsellerautor Marc Friedrich "Wir leben auf einer tickenden Zeitbombe", entgegnet Marc Friedrich. Der Wirtschaftsexperte schlägt Alarm: "Ob befristete Verträge, niedrige Löhne oder Altersarmut - immer mehr rutschen aus der Mittelschicht in die Unterschicht ab." Der Ökonom zweifelt an den Positiv-Statistiken, die die Bundesregierung vorlegt und hält die Entwicklung in unserem Land für brandgefährlich: "Es geht nur noch um Wirtschaftswachstum, auf der Strecke bleiben die Bürger."

Zeppelin-Chef Peter Gerstmann

Der deutschen Wirtschaft geht es so gut wie lange nicht, auch Peter Gerstmanns Konzern profitiert vom aktuellen Wirtschaftsboom. Immer wieder stellt der Chef des baden-württembergischen Traditionsunternehmens Zeppelin auf Auslandsreisen fest: "Verglichen mit anderen Ländern leben wir hier in Deutschland auf der Insel der Glückseligen. Wir beklagen uns auf relativ hohem Niveau, durch unsere soziale Absicherung kann man nicht tief fallen."

Soziologie-Professorin Nicole Burzan

Die Soziologie-Professorin Dr. Nicole Burzan hat sich mit der Frage beschäftigt: Wie groß ist die Zukunftsangst in der Mittelschicht wirklich, wie bedroht fühlt sich die Mitte der Gesellschaft tatsächlich? Ausgegangen war sie von Klagen über Arbeitslosigkeit und Verunsicherung durch befristete Jobs. Ihre Untersuchungen brachten aber überraschend positive Ergebnissen zutage: "Es gab erstaunlich wenig Panik vor der Zukunft, der Blick nach vorne war fast durchweg positiv."

Buchhändlerin Ulrike Geis, arbeitslos

Bis vor drei Jahren war die Welt von Ulrike Geis noch in Ordnung. Sie führte ein sorgloses Leben in der Mittelschicht - dann kam die Kündigung. Seitdem geht es bei der Buchhändlerin bergab: In den Urlaub fahren oder mal mit Freunden in ein Konzert gehen? Das war einmal. "Wer in meinem Alter arbeitslos wird, der hat keine Chancen mehr", so die 62-Jährige.

Sternekoch Ali Güngörmüs

Ali Güngörmüs' Startbedingungen waren auf den ersten Blick nicht optimal: Aufgewachsen mit sechs Geschwistern in Anatolien kam er mit zehn Jahren ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland. Nach seinem Hauptschulabschluss hat er eine beachtliche Karriere hingelegt und wurde vom Gastarbeiterkind zum Sternekoch und Restaurantbesitzer. "Wer will, kann es in Deutschland nach oben schaffen. Ich bin das beste Beispiel."

Busfahrer Sebastian Bierwald

Sebastian Bierwald kam in Hamburg mit seinem Busfahrergehalt nicht zurecht und hatte neben seiner Vollzeitstelle noch zwei Nebenjobs. Freizeit blieb ihm keine. Seit drei Jahren fährt er nun in Zürich Bus und ist überglücklicher Auswanderer: "Mir geht es finanziell fantastisch, mein Leben ist viel entspannter. Diese Entscheidung war wie ein Sechser im Lotto."

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Karen Schuller, Tel. 0711 929 13553 Fotos über www.ARD-Foto.de Pressekontakt: Bruno Geiler, Tel. 07221 929 23273, bruno.geiler@SWR.de

 
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