SWR - Südwestrundfunk

Das Erste: Der Liebling der Deutschen - Heinz Rühmann, Mittwoch, 27. Februar 2002, 21.45 - 22.30 Uhr

    Baden-Baden (ots) -      
    
    Mittwoch, 27. Februar 2002

    21.45 - 22.30 Uhr Der Liebling der Deutschen - Heinz Rühmann
                
                          Von Ulrike Kahle
    
    Am 7. März 2002 wäre Heinz Rühmann 100 Jahre alt geworden. Noch
heute, acht Jahre nach seinem Tod, nennen die weitaus meisten
Deutschen auf die Frage, wer ihr Lieblingsschauspieler sei, seinen
Namen. In unzähligen Rollen spielte Rühmann den kleinen Mann mit dem
verschmitzten Charme, den unbeholfenen Liebhaber, den vom Schicksal
Benachteiligten - einen "reaktionären Revolutionär" nannte ihn Helmut
Käutner, Regisseur des "Hauptmann von Köpenick". Privat war
Erzkomiker Rühmann eher humorlos, pedantisch und wenig gesellig - und
der kleine Mann lebte auf großem Fuß, hatte viele Affären, liebte
schnelle Autos - und vor allem das Fliegen. Schon 1931, von seinem
ersten Geld als Filmschauspieler - er hatte in "Die Drei von der
Tankstelle" gespielt - , kaufte er sich ein Privatflugzeug. Mit dem
Kunst-und Kampfflieger Ernst Udet war er befreundet.
    
    Rühmann stammt aus dem Ruhrgebiet, aus kleinen Verhältnissen -
seine Eltern betrieben die Bahnhofswirtschaft in Wanne, dem heutigen
Wanne-Eickel. Sein Vater beging Selbstmord, nachdem er sich
finanziell übernommen hatte. Im Dritten Reich machte der junge
Theaterschauspieler Rühmann schnell als Filmschauspieler Karriere -
die komisch-sympathischen Figuren, die er in zahllosen
Erbauungsfilmen spielte, besorgten genau jene Art "unsichtbarer
Propaganda", die Joseph Goebbels dem Massenmedium Film abverlangte.
Noch 1943, mitten im bombardierten Berlin, drehte Rühmann im
schalldichten Studio den längst zum Kultfilm avancierten Klassiker
"Die Feuerzangenbowle".
    
    Rühmann war nicht Mitglied der NSDAP, doch gab er sich vereinzelt
für Propagandaauftritte her. Und genoss die Privilegien, die ihm als
Star zustanden. Nach dem Krieg wollte ihn das Publikum zunächst nicht
mehr sehen. Eine Filmfirma, die er gründete, ging pleite. Es war
ausgerechnet der jüdische Produzent Gyula Trebitsch, der Rühmann
wieder eine Filmrolle gab. Heinz Rühmann wurde zum Prototyp des
"guten Deutschen", Identifikationsfigur für ein Millionenpublikum -
allein in den sechziger Jahren erhielt er sieben Bambis. Er starb
1994 im Alter von 92 Jahren.
    
    Die Journalistin und Filmemacherin Ulrike Kahle beschäftigt sich
schon seit Jahren mit Heinz Rühmann - zuletzt war sie Autorin eines
60-minütigen Rühmann-Portraits aus der SWR-Reihe "Deutsche
Lebensläufe". Durch ihre Arbeit erwarb sich Ulrike Kahle auch das
Vertrauen von Hertha Rühmann, der Witwe Heinz Rühmanns, die sich nach
langem Zögern nun erstmals vor der Kamera über ihr Leben mit dem
Schauspieler äußert. Familie Rühmann stellte Privatfilme zur
Verfügung, die noch nie zu sehen waren. Von ihren Begegnungen mit
Rühmann erzählen u.a. die Schauspielerinnen Bruni Löbel und Gisela
Uhlen und die Regisseure Michael Verhoeven und Wim Wenders. Wenders
holte den Altstar noch 1993 für den Film "In weiter Ferne so nah" -es
wurde Heinz Rühmanns letzte Rolle. "Er hat das von sich aus
angeschnitten, dass er das Eine oder Andere im Nachhinein anders
gemacht hätten", sagt Wenders. "Ich fand, dass ich ihm nichts
vorzuwerfen hatte. Für mich war er, als wir zusammengearbeitet haben,
einer, der damals in Deutschland geblieben ist."
    
    Immer wieder ist Heinz Rühmann vorgeworfen worden, er habe sich im
Dritten Reich opportunistisch und ignorant verhalten und sich auch
nach dem Krieg nie kritisch mit der eigenen Vergangenheit als NS-Star
auseinandergesetzt. Auch dass er sich 1938 von seiner jüdischen Frau
Maria Bernheim scheiden ließ, wurde ihm angekreidet. In ihrem Film
kommt Ulrike Kahle zu einem differenzierteren Bild: Obwohl
privilegierter Spitzenschauspieler, setzte sich Rühmann doch für
Kollegen ein - z.B. für Hans Moser, der wie Rühmann eine jüdische
Frau hatte und deshalb gefährdet war. Durch einen Besuch Besuch bei
Göring erreichte Rühmann, dass Maria Bernheim nach ihrer Scheidung
eine Scheinehe mit einem Schweden eingehen konnte und so geschützt
war. In den letzten Kriegstagen täuschte Rühmann Dreharbeiten vor, um
Schauspieler und Filmcrew vor einem Fronteinsatz zu schützen.

    Diesen Text zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.swr.de/presse/programm-infos/index.html

ots Originaltext: SWR
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Gabi Schlattmann,
Tel.: 07221/929-3273.

Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: SWR - Südwestrundfunk

Das könnte Sie auch interessieren: