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REPORT Mainz, Montag, 26.11.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN

    Baden-Baden (ots) -      
    
REPORT MAINZ: Parteienforscher Joachim Raschke sieht die Zukunft der
Grünen skeptisch: "Aus heutiger Sicht gibt es keine Zukunft für
Rot-Grün"
    
    Mainz. Nach Ansicht des Hamburger Parteienforschers und
Grünen-Experten Joachim Raschke sieht die Zukunft des Rot-Grünen
Regierungsbündnisses düster aus. In einem Interview mit dem
ARD-Magazin REPORT Mainz sagte Raschke: "Aus heutiger Sicht gibt es
keine Zukunft für Rot-Grün. 1998 war ein singuläres Wahlergebnis, vor
allem der Machtwechsel, die Ablösung von Kohl, was gewollt war, fehlt
heute. Insofern muss man aus heutiger Sicht damit rechnen, dass beide
Parteien das zwar wollen, aber die Wähler nicht in hinreichendem Maße
mitziehen."
    
    Bezogen auf die Auseinandersetzung zwischen Kriegsgegnern und
Kriegsbefürwortern sagte Raschke: "Die Grünen selbst überschätzen die
Bedeutung der Pazifismusfrage für die Wähler. Für die Grünen-Wähler
sind andere Fragen wichtiger. Die Frage der Ökologie, die Frage der
Bürgerrechte, der Minderheitenrechte - dafür stehen die Grünen und
dafür steht keine andere Partei."
    
    Die Grünen-Krise wird nach Ansicht von Raschke dadurch verstärkt,
da in der Parteispitze niemand "Prokura in den Verhandlungen mit der
SPD" habe. "Jede Partei braucht drei bis fünf Leute an der Spitze,
bei denen man ablesen kann, wofür die Partei steht. Die Grünen haben
12 davon. Das hindert die Orientierung bei den Wählern und macht
Schwierigkeiten für den Koalitionspartner, der wissen will, wer hat
Prokura bei der anderen Partei."
    
    Trotz der Strukturprobleme der Grünen glaubt Raschke, dass es
"keinen Ersatz für die Grünen" gibt. Gegenüber REPORT Mainz sagte er:
"Gerade auch ihre Thematisierungsfähigkeit von Atomenergie bis zu
Staatsbürgerschaftsrecht kann durch keine andere politische Kraft
wahrgenommen werden. Die SPD-Linke, die für eine solche Funktion in
Frage käme ist eigentlich nur ein Verstärker für grüne Forderungen.
Sie ist in dem Maße einflussreich, wie es einen grünen Druck von
außen auf die SPD-Linke gibt."
    
    Zitatangaben sind nur mit Verweis auf REPORT Mainz möglich.
    
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