SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR)
Freitag, 16. November 2001 (Woche 46)

Baden-Baden (ots) - 21.45 Nachtcafé Gäste bei Wieland Backes Die Schwaben - beneidet und belächelt? Liebenswert, humorvoll und erfolgreich, so sehen manche die Schwaben. Andere halten sie für engstirnig, spießig und kleinkariert. Während die einen stolz auf die Wiege des Liberalismus verweisen, denken die anderen eher an Dialekt und Sparsamkeit. Zwischen Mercedesstern und Kehrwoche, zwischen Erfindertum und Maultaschen-Connection - was ist dran an den Schwaben-Klischees? Stimmt die Legende von den Denkern und Dichtern, oder sind die Schwaben eine Lachnummer in London, Paris und vor allem in Berlin? Ist Arbeiten, Geldverdienen und Häuslebauen tatsächlich das Wichtigste im Leben eines Schwaben? Ist es möglich als Schwabe eine Karriere in Hamburg zu machen? Darüber diskutiert Wieland Backes mit seinen Gästen: Dietz-Werner Steck verkörpert nicht nur als "Tatort"-Kommissar Bienzle den typischen Schwaben, sondern bekennt sich dazu auch im wahren Leben. Er kann sich nicht vorstellen, die Schwabenmetropole Stuttgart zu verlassen, denn dort finde er alles: schöne Landschaft, wirtschaftlichen Erfolg und Kultur. Prof. Herta Däubler-Gmelin ist eine "aushäusige Schwäbin". Als Bundesjustizministerin ist sie eine der wichtigsten Figuren auf der politischen Bühne und selbstverständlich ein Global-Player. Dabei steht sie voll zu ihrer schwäbischen Herkunft und ist stolz darauf. Prof. Hermann Bausinger ist nicht nur selbst Schwabe, sondern kennt sich als bedeutender deutscher Kulturwissenschaftler bestens mit ihrer Geschichte und Mentalität aus. Auch er versteckt seinen Dialekt nicht, da es einem Schwaben ohnehin nicht möglich sei, seine Herkunft zu verleugnen. Fred Breinersdorfer findet allein schon den Dialekt entsetzlich. Der gebürtige Kurpfälzer lebte fast genau zwanzig Jahre im Schwäbischen, bis er dieser Region überdrüssig wurde. Die Schwabenliebe des Autors und Juristen erlosch ungefähr zeitgleich mit Ende der Ära Späth und Rommel. Mittlerweile bezeichnet er die Schwaben als primitive Gesellen, die immer und überall kleingeistig sind. Maren Kroymann, die mittlerweile in Berlin lebt, hat durch ihre Schulzeit in Tübingen eine enge Verbindung zum "Ländle". Seine Bewohner schätzt die Schauspielerin und Kabarettistin als Querdenker, geistige Größen und konsequente Kämpfer. Hans-Peter Schütz, "Stern"-Redakteur, macht den Pietismus für die schwäbische Geisteshaltung verantwortlich. Im Gegensatz zu den lebensfrohen und liberalen Badenern seien die Schwaben nicht in der Lage, offene Gespräche zu führen. Marcia Haydée lebt seit 40 Jahren im "Ländle" und möchte nicht mehr weg. Nach 35 Jahren als Primaballerina und später als Diretorin am Stuttgarter Ballett sagt die Brasilianerin begeistert: "Das schwäbische Publikum ist das beste Publikum der Welt". Miriam Buhr ist ihrer Sprache nach eine waschechte Schwäbin. Die Schwarzafrikanerin kam als Waisenkind aus Guinea und wurde schon kurz nach der Geburt von einem Ehepaar aus Schwaben adoptiert. Goethes Faust kennt sie ebenso gut wie die Stuttgarter Zeitung. Friedhelm Steiff ist der erfolgreichste "Schwabenpapa" der Welt. Der Großneffe von Margarete Steiff kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Steiffteddy ein Globetrotter ist, der mittlerweile sogar in Tunesien produziert wird. Freitag, 16. November 2001 (Woche 46)/14.11.2001 23.15 Nachtkultur Moderation: Markus Brock Die Themen u.a.: Mit Leib und Seele - Marianne Sägebrecht erhält den "Kulturpreis Friedrich S." Als Wirtin und Entertainerin des Münchner Künstlerlokals "Mutti Bräu" avancierte Marianne Sägebrecht in den 70er Jahren zur "Mutter der Subkultur". 1977 folgte die Gründung der "Oper Curiosa", ein kabarettistisches Revuetheater, mit dem sie auch in Berlin und Hamburg bekannt wurde. Dann entdeckte sie der Filmemacher Percy Adlon und machte sie 1984 mit "Zuckerbaby" zum Star. Als dickliche, unscheinbare Leichenwäscherin Marianne verliebt sie sich in den hageren U-Bahnfahrer Huber. Die skurrile Komödie wurde zum Kult. Mit "Out of Rosenheim" (1987) knüpfte sie an den Erfolg an, auch dieser Streifen wurde mehrfach prämiert. In den letzten Jahren verkörperte die heute 56-Jährige meist die Rolle der aufopferungsvollen hilfsbereiten Frau: als gestresste Haushälterin in Danny de Vitos "Rosenkrieg", als häusliche Gutemine in "Asterix" oder als Kuchen backende Mama in "Kalmans Geheimnis". Am 10. November wurde sie mit dem "Kulturpreis Friedrich S." ausgezeichnet, der alle zwei Jahre vom KulturNetz Mannheim-Ludwigshafen an Persönlichkeiten verliehen wird, die in den Bereichen Musik, Schauspiel oder Literatur eine bemerkenswerte künstlerische Entwicklung gemacht haben. Nikolai Vialkowitsch hat Marianne Sägebrecht getroffen. Luxus und Intrigen - Die Geschichte des Modeimperiums Gucci Das Buchcover ist so edel wie die Marke selbst - Bei Eichborn ist jetzt die Gucci-Story erschienen, und die liest sich wie ein Thriller. In goldenen Lettern kündigt der Titel an, um was es in dem 450 Seiten dicken Schmöker geht: um Mode, Mord und Business. Und das ist um so spannender, als es sich um eine wahre Geschichte handelt, nämlich um die des Familienunternehmens Gucci, das 1921 in Florenz als Lederwarenwerkstatt gegründet wurde und seit den 60er Jahren als Synonym für den luxuriösen Lebensstil der Reichen und Schönen gilt. Das Familien-Label kam aber nicht nur mit seinen wirtschaftlichen Erfolgen in die Schlagzeilen, sondern auch mit Intrigen und Machtspielchen, die 1995 in dem Mord an Maurizio Gucci, dem Erben des Modeimperiums, gipfelten. Auftraggeberin war seine Exfrau. Sara Gay Forden erzählt die Geschichte der Familie, Ute Hoffarth hat sie besucht. Die etwas anderen Pornobilder - Thomas Ruff Retrospektive in der Kunsthalle Baden-Baden Thomas Ruff ist einer der weltweit bedeutendsten Fotokünstler. Gemeinsam mit Thomas Struth, Andreas Gursky, Cindy Sherman und Jeff Wall zählt er zur oberen Liga dieses Genres. Mit seiner großformatigen "Porträt"-Serie, die an Passfotos erinnert, gelang ihm 1987/88 der Durchbruch. 1989 wurde er für diese Fotoserie mit dem damals erstmals verliehenen Deutschen Fotopreis Stuttgart ausgezeichnet. Bis heute besticht der mittlerweile 43-jährige Düsseldorfer mit seinen Fotografien, fertigt Serien wie "Nudes (Nackte)", "Sterne", "Zeitungsfotos" oder "Häuser". Seit 1979 hat er insgesamt 15 Werkserien geschaffen, die ab Samstag erstmals in einer Übersichtsausstellung in der Baden-Badener Kunsthalle zu sehen sein werden. Sabine Willkop hat Thomas Ruff in Baden-Baden getroffen. Ideen mit Biss - Die besten Werbekampagnen in diesem Jahr Die "Idee hinter der Idee" oder Originalität lässt sich doch messen. Zumindest kann das der Art-Directors Club Deutschland, der wie jedes Jahr die besten deutschen Werbekampagnen auszeichnet: Plakate, Werbespots, Fotografien mit Sinn für Humor und Optik. Deutschland war nie berühmt für gute Werbung, doch seit ein paar Jahren tut sich etwas: mit Echtheit und Witz will man gegen die dröge deutsche Werbung vorgehen. Man muss, denn in Zeiten der optischen Überfülle sind Ideen gefragt, um die Konsumenten zum Hingucken zu bewegen. Ob das gelungen ist, davon kann man sich jetzt im neuen "ADC Buch 2001", dem "who is who" der deutschen Werbung, überzeugen. ots Originaltext: Südwestrundfunk (SWR) Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.: 07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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