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Südwestrundfunk (SWR): Ehemaliger Kirchentagspräsident Martin Dolde für aktive Sterbehilfe

    Baden-Baden (ots) - Für aktive Sterbehilfe, wie in den
Niederlanden gesetzlich geregelt, hat sich der ehemalige Präsident
des Frankfurter Deutschen Evangelischen Kirchentages, Martin Dolde,
im Südwestrundfunk (SWR) ausgesprochen. In der religiös orientierten
Sendereihe "Um Elf" befürwortet Dolde die Tötung auf Verlangen in
Ausnahmefällen. Dolde, der auch Mitglied der Synode der
Württembergischen Evangelischen Landeskirche ist, sagte in dem
Beitrag des Südwestfernsehens: "Wo der Schmerz und die Qual so groß
wird, wo die Ausweglosigkeit gegeben ist, kann ich mir vorstellen,
dass man den niederländischen Weg geht. Das heißt, der Patient bittet
den Arzt, und der Arzt entscheidet mit dem Patienten; also nicht über
jemand anderes, sondern über mich." Im Gegensatz zu den Niederlanden
steht die aktive Sterbehilfe in Deutschland nach Paragraph 216 des
Strafgesetzbuches unter Strafe. Zuwiderhandlungen werden mit einem
Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren bedroht.
    
    Mit seiner Auffassung über die aktive Sterbehilfe steht Dolde im
Gegensatz zu den offiziellen Positionen der Katholischen und
Evangelischen Kirche. In dem Beitrag des Südwestfernsehens begründen
der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart Gebhard Fürst sowie
die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannover Margot Käßmann,
die lange Jahre Generalsekretärin der Deutschen Evangelischen
Kirchentages war, die Position der beiden großen Kirchen. Dolde
dagegen stützt seine Position als einzelner Christ auf Kernaussagen
der Bibel: "Ich bin zunächst meinem Gewissen und meinem Glauben
verantwortlich. Von daher nehme ich mir das Recht, in die Bibel zu
schauen und zu fragen, was die Bibel dazu sagt. Und da sehe ich nur
zwei Grenzen. Das ‚Du sollst nicht töten' des Alten Testaments und
‚Liebe deinen nächsten wie dich selbst' aus dem Neuen Testament."
    
    Mit dem in Deutschland derzeit kontrovers diskutierten Thema
befasst sich der Film "Du sollst nicht sterben wollen", den das
Südwestfernsehen in der Reihe "Um Elf" am Dienstag, 30. Oktober 2001
um 23.00 Uhr sendet. Die Dokumentation des Autors Tilman Jens zeigt
gegensätzliche theologische Positionen. Darunter stellt der Filmautor
auch die Position seines 78-jährigen Vaters Walter Jens vor. Der
emeritierte Tübinger Rhetorikprofessor ist seit Jahren ein
Befürworter der aktiven Sterbehilfe und beruft sich wie Dolde
ebenfalls auf ein christliches Grundverständnis.
    
    
ots Originaltext: SWR
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