SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR)
Freitag, 26. Oktober 2001 (Woche 43)
21.45 (VPS 21.43) Nachtcafé

    Baden-Baden (ots) -
    
    Freunde fürs Leben - Geht das noch?
    
    "Freundschaft ist weit tragischer als Liebe. Sie dauert länger",
wusste schon Oscar Wilde, ohne die heutigen Scheidungsraten zu
kennen. Es scheint so, dass in Zeiten, in denen traditionelle Bande
wie Ehe, Familie, Religion immer mehr Auflösungserscheinungen zeigen,
gerade die gute, alte Freundschaft wichtiger ist denn je. Aber
vielleicht ist es - umgeben von sozialer Kälte - auch schwieriger
denn je, sie aufrecht zu erhalten. Gesellschaftlicher Zwang zur
Mobilität und Allzeit-bereit-Anforderungen im Job machen es nicht
gerade leicht, Freundschaften zu schließen und zu pflegen. Um über
reine Zweckgemeinschaften hinauszukommen, fordern Beziehungen einen
persönlichen Einsatz, für den viele einfach nicht die notwendige Zeit
aufbringen können oder wollen. So besagen jüngste Erhebungen, dass 17
bis 20 Prozent der Deutschen keinen guten Freund haben. Oder ob das
auch an überhöhten Erwartungen liegt? Denn was wusste Oscar Wilde
noch zum Thema? "Man kann bei der Auswahl seiner Feinde nicht
sorgfältig genug sein". Welchen Anspruch muss man da erst an seine
Freunde stellen?! Was muss man tun, um Freunde fürs Leben zu
gewinnen? Wann braucht man Freunde? Und wie weit kann Freundschaft
gehen? Darüber diskutiert Wieland Backes mit seinen Gästen:
    
    Bernd Herzsprung geht mit dem Begriff Freundschaft sehr vorsichtig
um. Zu oft ist der Schauspieler aus der ZDF-Serie "Freunde fürs
Leben" von sogenannten Freunden enttäuscht worden. "Ich habe zwar
gute Bekannte", so sagt er, "aber wirkliche Freunde?" Noch wartet der
59-jährige Familienvater also auf die Freundschaft fürs Leben.
    
    Artur Brauner dagegen hat in den 83 Jahren seines bewegten Lebens
das rare Gut wahrer Freundschaft nicht vermissen müssen. Echte
Freunde, so der Filmproduzent, scheuen nicht davor zurück, auch in
der Not füreinander da zu sein. Aber genau diese Art der Freundschaft
sieht er heute nur noch selten blühen und rät der Jugend von heute
deshalb, vermeintlich wahre Freundschaften kleinen Belastungsproben
zu unterziehen.
    
    Egon Bahr musste seine Freundschaften keinen Tests unterziehen.
Der alte SPD-Stratege und Polit-Profi kennt den Neid, die Missgunst
und die Konkurrenz, die einem in der Politik das Leben schwer machen.
Trotzdem: Willy Brandt war für den gelernten Journalisten einer von
fünf Freunden fürs Leben. Sein Motto lautet dann auch: Freundschaft
endet nicht!
    
    Sylvia Leifheit bleibt als erfolgreiche Jung-Unternehmerin und
Schauspielerin nicht viel Zeit für Freunde. Darüber ist die
25-jährige Chefin einer Modelagentur aber gar nicht traurig. Im
Gegenteil: Sie ist gerne alleine und findet Leute, die ihre Zeit
beanspruchen, eher nervig. Freundschaften haben im Leben der
attraktiven Wahl-Münchnerin daher nicht so viel Platz.
    
    Ingeborg Schneider-Hänisch kennt als Psychotherapeutin die
Einsamen und Verlassenen, die in dieser immer schneller werdenden
Welt auf Freundschaft fürs Leben verzichten müssen. Dennoch hat sich
für sie Freundschaft nicht wirklich verändert. Die pubertierende
Jugend von heute habe die gleichen Probleme wie unsere Vorfahren.
    
    Martina Borger und Marie Elisabeth Straub, zwei beste Freundinnen,
die eine in München, die andere kurz vor der dänischen Grenze. Die
1000 Kilometer dazwischen stören die beiden Autorinnen aber kaum. Auf
der Buchmesse stellten sie jüngst ihr neues Buch vor: Katzenzungen
erzählt von der Sandkastenfreundschaft dreier Frauen, die durch einen
gemeinsamen Kurzurlaub an den Wurzeln ihrer Freundschaft graben.
    
    Constanze Bandowski und Christine Albrecht haben es nicht weit,
wenn sie sich sehen wollen. Die Freundinnen aus Kindertagen sind
zusammen mit ihren beiden Familien in ein Haus gezogen. Um diese
"Sandkastenfreundschaft" auseinander zu bringen, da sind sich die
beiden einig, müsste schon einiges passieren.
    
    
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