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Das Erste: REPORT Mainz, heute, 15.10.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN / REPORT MAINZ: Todesliste des Taliban-Regimes in Frankfurt/Main gefunden

    Baden-Baden (ots) Nach Recherchen des ARD-Magazins REPORT Mainz wurde das insgesamt vier Seiten umfassende Papier unter anderem an illegale Botschaften und Konsulate des Taliban-Regimes verschickt. Auf der in Paschtu, der Landessprache Afghanistans, verfassten Liste stehen die Namen von ingesamt 106 Oppositionellen, so zum Beispiel Anhänger des früheren Königs Zahir Shah, aber auch Sozialisten, Kommunisten sowie Angehörige der sogenannten Nordallianz. Des Weiteren sind Talibanabtrünnige genannt. Eine erste Überprüfung hat ergeben, dass sich von den 106 Personen vier derzeit in Deutschland aufhalten, 18 leben im Ausland - einige in Australien und Kanada. Hinter einigen Namen findet sich die Anmerkung "killed" (in Englisch). Recherchen von REPORT Mainz haben ergeben, dass in der Tat einige der aufgelisteten Menschen erst kürzlich Anschlägen zum Opfer gefallen sind. In einer Art Vorwort zur Namensliste heißt es unter anderem wörtlich: "Für diejenigen, die sich im Ausland aufhalten, muss auch eine Lösung gefunden werden. Bei der Entscheidung über diese Leute haben Sie freie Hand." Terrorismus-Experten erkennen darin einen Aufruf zum gezielten Mord. Das Schriftstück trägt die Unterschrift von Mollah Mohammad Omar, dem politisch-religiösen Führer der Taliban in Afghanistan. Es ist datiert auf den 30. Juli 2001.          REPORT Mainz hat die Liste zunächst namhaften Terrorismus- und Afghanistan-Experten zur Begutachtung vorgelegt. Darunter amnesty international sowie dem Münchner Terrorexperten Wilhelm Dietl. Die Befragten halten die Liste für echt; Form und Aufmachung entsprächen dem Stil der Taliban. Amnesty international verweist darauf, dass es sich um die Fortschreibung einer Liste handeln könne, die bereits vor zwei Jahren aufgetaucht sei.          Am gestrigen Sonntag hat REPORT Mainz eine Kopie des Schriftstücks und eine Übersetzung ins Deutsche dem Bundeskriminalamt übergeben. Ein Vertreter der neugebildeten Sonderkommission des BKA, der sogenannten "Besonderen Aufbauorganisation USA", hat die Liste in Empfang genommen. In einer ersten Reaktion hieß es, dass man das Taliban-Schreiben sehr ernst nähme, zunächst wolle man sich mit dem Bundesnachrichtendienst und dem Bundesamt für Verfassungsschutz abstimmen. Des Weiteren sollen umgehend die entsprechenden ausländischen Polizeidienststellen informiert werden. Oberste Priorität habe die Identifizierung und der Schutz der genannten Personen.          Die illegale Vertretung der Taliban in Frankfurt, aus deren Umfeld die Liste stammt, ist inzwischen geschlossen worden. Gegen die "Mitarbeiter" ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Mainz bisher nur wegen Amtsanmaßung.

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