SWR - Südwestrundfunk

Journalistische Aushängeschilder
SWR-Hörfunkdirektor Bernhard Hermann im Gespräch

Baden-Baden (ots) - Seit vergangenem Dezember profiliert sich der Südwestrundfunk (SWR) durch wellenübergreifende Programmschwerpunkte. Nach den Projekten "Gegen das Vergessen - SWR-Aktionstag Zwangsarbeiter" und "Kinderarmes Deutschland" findet am 26. September ein Aktionstag mit dem Titel "Mythos Gen" statt. An diesem Tag greifen sämtliche Hörfunkprogramme den Themenkomplex von Genforschung und Gentechnik auf, um ihn in unterschiedlichen journalistischen Formen umzusetzen. Initiator dieser Schwerpunkte ist SWR-Hörfunkdirektor Bernhard Hermann, der in dem folgenden Interview eine positive Zwischenbilanz zieht und weitere Projekte ankündigt. Herr Hermann, mit "Mythos Gen" stoßen Sie bereits die dritte wellenübergreifende Initiative des SWR an. Was verbindet die Themen, denen Sie im Hörfunk so viel Platz einräumen? Was diese Themen miteinander verbindet, ist vor allem ein allgemeines gesellschaftliches Interesse und eine breite Debatte in den Medien sowie im politischen Raum. Aus diesem gesellschaftlichen Interesse leiten wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk eine Verpflichtung ab. Mit der Idee der wellenübergreifenden Programmschwerpunkte wollten meine Kollegen und ich dem Trend der modernen tagesbegleitenden Programme entgegenwirken, alle Themen kurz und leider dadurch oft nur oberflächlich zu behandeln. Wir wollten den Hörerinnen und Hörern die Chance geben, sich einem Thema an einem Tag von ganz unterschiedlichen Seiten zu nähern. So ermöglichen wir jedem einzelnen eine umfassende Meinungsbildung. Wenn Sie so wollen, machen wir auch diese Thementage zu unseren journalistischen Aushängeschildern. Wie haben Sie vor diesem Hintergrund den inhaltlichen Rahmen der beiden bisherigen Aktionen abgesteckt? Beim Zwangsarbeiter-Tag ging es in erster Linie darum, die Menschen für die Hintergründe einer Entschädigung für das erlittene Unrecht zu interessieren. Wir haben mit Befürwortern und Gegnern der Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft gesprochen. Mit der Aktion sind wir auf ein unerwartet breites Interesse gestoßen, auch von Seiten der Politik, die unsere Plattform genutzt hat, um die Wirtschaft erneut zur Einzahlung in den Entschädigungsfonds aufzufordern. Es liegt in der besonderen Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, immer wieder ausführlich über die NS-Zeit zu informieren. Dabei denke ich vor allem an die Hörerinnen und Hörer unserer jüngeren Programme, deren Kenntnisse über den Nationalsozialismus sich zwangsläufig auf das Schulwissen beschränken. Bei der Aktion "Kinderarmes Deutschland" ging es um die Konsequenzen des sogenannten Pflegeurteils des Bundesverfassungsgerichts, das für Familien eine Entlastung bei der Pflegeversicherung fordert. Es ging um die politischen und gesellschaftspolitischen Folgen. Wir haben versucht, unseren Blick in die Zukunft zu richten: Was geschieht in unserem Land, wenn sich die demografische Entwicklung nicht umkehrt? Nun ist es nicht unsere Aufgabe, die Leute aufzufordern, mehr Kinder zu zeugen. Aber als verantwortliche publizistische Organisation müssen wir den Menschen deutlich machen, wie die Perspektive aussieht, wenn Politik und Gesellschaft nicht auf diese Entwicklungen reagieren. Über die Ziele der Initiativen haben Sie schon gesprochen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der SWR mit diesen Themenschwerpunkten den öffentlich-rechtlichen Auftrag in idealer Weise umsetzt ... Ja, das ist in der Tat eine ideale Umsetzung. Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen: Die fünf Hörfunkprogramme des SWR sind ja Teilnehmer an einem Markt mit etwa 60 öffentlich-rechtlichen Programmen und 180 privaten Radioveranstaltern. Um in diesem Wettbewerb zu bestehen, müssen wir unserer Stimme besonderes Gewicht verleihen. Das ist mit solchen Aktionen sehr viel besser möglich als mit den üblichen tagesaktuell begleitenden Programmformaten. Wenn wir unsere Themen in intensiver Form an die Leute herantragen wollen, dann ist so ein Schwerpunkttag ein geeignetes Instrument. Ich sage aber gleich dazu, dass wir diese Initiativen sehr restriktiv handhaben wollen: Mehr als zwei bis drei Aktionstage pro Jahr wird es nicht geben, denn wir wollen die Wirkung durch zu häufigen Einsatz dieser Themenschwerpunkte nicht entwerten. Wie hat die Öffentlichkeit auf die bisherigen Projekte reagiert? Die Resonanz war bei den ersten beiden Initiativen außerordentlich positiv. Natürlich kann keiner den ganzen Tag Radio hören. Aber dass man mit einem Thema unter verschiedenen Blickwinkeln immer wieder neu konfrontiert wird, das haben uns viele Hörerinnen und Hörer gedankt. Das Interesse der Medien war auch relativ groß - schon weil es eine neue Initiative war. Und schließlich haben uns auch aus der Politik Reaktionen erreicht, die uns bestätigen. In einigen Fällen konnten wir sogar die Diskussion in politischen Zirkeln befruchten. Das ist natürlich ein sehr wünschenswerter Effekt, den man aber nicht garantieren kann. Bisher haben Sie die Aktionstage auf den Hörfunk beschränkt. Beim Thema "Todesstrafe" am Karfreitag 2002 ist zum ersten Mal von einer Ausweitung auf das Fernsehen die Rede ... Der Themenvorschlag "Todesstrafe" ist nicht von der Hörfunkdirektion ausgegangen, sondern von der Fernsehdirektion, genauer gesagt von der bimedialen Redaktion Religion, Kirche und Gesellschaft. Für diese Aktion werden sich Hörfunk und Fernsehen zusammenschließen. Außerdem werden wir über die Grenzen unseres Sendegebiets hinausgehen. Die Schweiz hat schon fest zugesagt hat; der Bayerische und der Hessische Rundfunk denken noch über eine Beteiligung an diesem Schwerpunkttag nach - der Funke scheint also vom SWR überzuspringen. Ich finde es übrigens sehr spannend, diesen Aktionstag ausgerechnet auf Karfreitag zu legen, einen Tag also, an dem ein Todesurteil im Zentrum des Interesses steht. Wie üblich planen wir keinen Programmtag, an dem alles andere verdrängt wird. Selbstverständlich wird im zweiten Programm die Johannespassion laufen, selbstverständlich wird es eine Karfreitagspredigt geben. Aber gerade für die Programme, die sich um diesen Tag sonst ganz gerne herummogeln, wird es neue Themenstellungen geben. Ich denke, dass dieser Termin sehr gut gewählt ist, denn in allen Gesprächen, die ich bisher geführt habe, unter anderem mit Kirchenvertretern, ist einem kurzen nachdenklichen Moment dann doch immer eine sehr interessierte Zustimmung gefolgt. Um den Bogen zu "Mythos Gen" zu schlagen: Was erwarten Sie von dem jetzt anstehenden Aktionstag? Es geht sicher vielen Menschen wie mir: Man wird in den Medien mit einer Fülle von Informationen und Positionen konfrontiert, die einem die Orientierung nicht gerade leicht macht. Was ich mir von dem Aktionstag "Mythos Gen" erhoffe, ist, dass meine Kolleginnen und Kollegen die wesentlichen Aspekte der Debatte gut verständlich und gut durchdacht darstellen. Die Hörerinnen und Hörer sollen an diesem Tag die Chance haben, sich einen Überblick über die einander zum Teil widersprechenden Meinungen zu verschaffen, um sich eine möglichst gut begründete eigene Meinung bilden zu können. Und wenn wir gleichzeitig dem einen oder anderen, der der Gendebatte noch interesselos gegenübersteht, einen Anstoß geben können, sich doch damit auseinander zusetzen, dann wäre das für mich eine erfolgreiche Programmaktion. Dabei denke vor allem an die Jüngeren, also an die Hörerinnen und Hörer von SWR3 oder DASDING, für deren Zukunft die Genforschung ganz einschneidende Veränderungen mit sich bringen kann. 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