SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): Montag, 2. Juli 2001 (Woche 27)

    Baden-Baden (ots) -    

    Geänderte Themen beachten!
    
    20.15    Infomarkt - Marktinfo
                 Moderation: Sabine Hampel und Stephan Schlentrich
    
    Die Themen:
    
    Altersvorsorge - Run auf die Riester-Rente?
    Fertighäuser - Pfusch am Bau?
    Biodiesel - Betrug an der Zapfsäule?
    
    
    Samstag, 7. Juli 2001  (Woche 28)/12.06.2001
    
    21.00    Liebe im Vernichtungskrieg
              
                 Die Frauen im Osten und die deutschen Besatzungssoldaten
    
    Am 22. Juni 1941 beginnt der deutsche Überfall auf die
Sowjetunion. Das Ziel der Invasion ist, das Land zu besetzen,
Bodenschätze und Energiequellen auszubeuten, die Kornkammern
auszurauben und die dort lebenden Menschen zu vernichten. Aber die
deutschen Soldaten kommen nicht nur als Krieger, die bomben,
vernichten, töten, sondern auch als Männer und Liebhaber. Als sie in
die baltischen Staaten, Weißrussland und die Ukraine einfallen,
werden sie mit Brot und Salz empfangen. Schnell entstehen
Freundschaften zwischen den jungen Männern und Frauen.
    
    Liebschaften oder gar Ehen mit den Mädchen sind den deutschen
Soldaten zwar verboten, aber kaum einer schert sich darum. Genaue
Zahlen gibt es bis heute nicht, aber Schätzungen gehen davon aus, daß
fast jeder zweite deutsche Soldat  ein  Verhältnis mit einer Frau aus
dem Osten hatte. Ende 1942 meldet das Reichskommissariat  Ostland
nach Berlin, dass der außereheliche Verkehr nicht mehr zu
kontrollieren sei. Für die jungen Mädchen und Frauen gibt es ganz
pragmatische Gründe, mit einem Deutschen anzubändeln: die anfänglich
gute Versorgung der Soldaten hilft ihnen in diesen Notzeiten ein
wenig besser zu leben, ein einflussreicher deutscher Freund kann auch
vor der

    Deportation zur Zwangsarbeit bewahren. Viele finden hier aber auch ihre große Liebe und wollen heiraten.m Alle Dokumente, die sich mit der Liebe zwischen deutschen Besatzungssoldaten und den Frauen im Osten beschäftigen, tragen den Stempel GEHEIM, VERTRAULICH oder NICHT ZUR VERÖFFENTLICHUNG BESTIMMT! Ein Grund für die Geheimhaltung ist wohl - neben der allgemeinen Tabuisierung des Themas Sexualität im Krieg. Der schon kurz nach Beginn des Rußlandfeldzugs einsetzende Streit, wie mit solchen "Liebschaften" mit "Angehörigen fremden Volkstums" und den zu erwartenden Kindern zu verfahren sei. Vielen Ideologen in Berlin, allen voran Himmler, sind diese Beziehungen ein Dorn im Auge. Für ihn, als Verfechter der "reinen Rasse" muß jeder Verkehr mit den von den Nationalsozialisten bezeichneten "Untermenschen" verhindert werden. Die Kinder aus solchen Beziehungen sind ihm als "Mischlinge deutschen und fremden Volkstums" unerwünscht.          Anders das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, das solche Eheschließungen befürwortet, -wenn auch nach strenger Prüfung, ob Frau und Kind "eindeutschungsfähig" seien. Schließlich könnten die Kinder aus solchen Ehen ein "wertvoller Ersatz für die kriegsbedingt ausfallenden Geburten" sein. Bis zum Kriegsende gelingt es dennoch nicht, die verschiedenen ideologischen und machtpolitischen Interessen unter einen Hut zu bringen. Diese Diskussion hält noch an, als die Rote Armee in die Baltischen Staaten, nach Weißrussland und in die Ukraine einmarschiert und die deutsche Besatzung beendet. Für die Frauen ist die Liebschaft zu einem Deutschen jetzt lebensgefährlich geworden. In brutalen Säuberungsaktionen werden sie für ihre Liebe zum Feind bestraft, hingerichtet oder nach Sibirien deportiert. Die Kinder aus diesen Beziehungen werden von ihren Müttern getrennt und in Kinderheimen untergebracht. hr Leben lang müssen sie mit dem Makel leben, das Kind eines Deutschen zu sein. Nur wenigen gelingt es, durch Fälschung der Geburtsdaten, durch  Adoption oder die List der Mutter ein einigermaßen normales Leben zu führen. Manche erfahren erst Jahre später, dass sie das Kind eines deutschen Wehrmachtssoldaten sind, manche erfahren es nie.

    Samstag, 7. Juli 2001  (Woche 28)          22.20    Kabarettisten feiern das Bundesverfassungsgericht          Das fünfzigjährige Bestehen des Bundesverfassungsgerichts wird in dieser Sendung mit Kabarett und Gesprächen gefeiert. Feiern haben einen üblichen, eben feierlichen Ablauf. Man redet, beglückwünscht sich gegenseitig, lässt sich hochleben. Die Bevölkerung bleibt meist dabei draußen vor. Das will das Bundesverfassungsgericht in Karlruhe nicht. Das höchste deutsche Gericht, dass eine große Rolle in der Öffentlichkeit und für die Öffentlichkeit spielt, hat sich eine andere Art der Feier ausgedacht. In Zusamenarbeit mit dem SWR will man dafür sorgen, dass in jenem Saal, in dem normalerweise Recht gesprochen wird, auch einmal gelacht werden soll.          "Kabarettisten im Bundesverfassungsgericht" könnte die Überschrift dessen lauten, was man sich in Karlsruhe gewünscht hat. Mattias Beltz aus Frankfurt wird eigene Erfahrungen mit dem Recht anbringen können, ist er doch studierter Jurist. Werner Koczwara hat zwar kein Jurastudium anzubieten, ist aber süchtig nach der NJW, der "Neuen Juristischen Wochenschrift", deren Sprache und deren Art, sich juristisch mit der Realität auseinanderzusetzen. Lisa Fitz schließlich, die dritte im Bunde, wird einen schrillen Kontrapunkt zur Seriosität setzen, die normalerweise hier herrscht. Apropos Seriosität: BVG-Präsidentin Jutta Limbach und ihre Vorgänger Herzog und Benda werden sich nicht nur unter die Zuschauer mischen, sondern sich auch ernsthaften Gesprächen stellen, die aber dennoch unterhaltend sein dürfen. Dazu gibt es das "Rennquintett", dessen Mitglieder Bach auf dem Gartenschlauch spielen können. Durch die Sendung führen wird Bernhard Hermann, der Hörfunkdirektor des SWR.

    Sonntag, 8. Juli 2001  (Woche 28)
    
    Nachgelieferten Gesprächsteilnehmer beachten!
    
    22.30    Wortwechsel
                 Thomas Reimer im Gespräch mit Frank Lehmann
                 (Wirtschaftsjournalist)

    Sonntag, 8. Juli 2001  (Woche 28)/13.06.2001
    
    Nachgelieferten Gesprächsteilnehmer beachten!
    
    04.45    Wortwechsel (WH)
                 Thomas Reimer im Gespräch mit Frank Lehmann
                 (Wirtschaftsjournalist)

    Montag, 9. Juli 2001  (Woche 28)/13.06.2001
    
    Nachgelieferten Beitrag für BW beachten!
    
    18.50    Treffpunkt (BW)
                 bei ... Christoph Kistner, Straußenfarmer

    Montag, 9. Juli 2001  (Woche 28)/13.06.2001
    
    Nachgelieferten Beitrag für BW beachten!
    
    00.55    Treffpunkt (WH) (BW)
                 bei ... Christoph Kistner, Straußenfarmer

    Dienstag, 10. Juli 2001  (Woche 28)
    
    Nachgelieferten Beitrag für BW beachten!
    
    11.00    Treffpunkt (WH von MO) (BW)
                 bei ... Christoph Kistner, Straußenfarmer

    Samstag, 14. Juli 2001  (Woche 29)
    
    21.00    Geliebter Feind
              
                 Französische Frauen und ihre Liebe zu deutschen
                 Besatzungssoldaten
    
    "Sie kamen am 20. August 1944. Es waren acht Männer. Sie nahmen
mich mit. Sie hatten schon zwei andere Mädchen gefaßt. Auf dem
Marktplatz haben sie uns die Haare abgeschnitten. Ich habe geschrien.
Dann haben sie uns auf einen offenen Wagen  gestellt, und die Menge
ist hinter uns her durch die Stadt gezogen." Das  erzählt  die
76jährige Französin Elise in der Dokumentation "Geliebter Feind  -
Französinnen und ihre Liebe zu deutschen Soldaten". Den 20. August
1944  wird sie nie vergessen. Mehr als 10.000 französische Frauen
wurden wie Elise im Sommer 1944, im Fieber der Befreiung,
kahlgeschoren. Nach vier Jahren Besetzung  durch  die  Deutschen
entluden sich Rachegelüste, und trafen die Frauen, die  ein
Verhältnis mit einem Deutschen gehabt hatten. Elise hatte noch Glück
im Unglück. Ihr wurden "nur" die Haare abgeschnitten. Andere wurden
nackt durch die Straßen getrieben, vergewaltigt, eingesperrt, manche
sogar ermordet.
    
    Begonnen hatte es mit der deutschen Invasion in Frankreich im Mai
1940. Es hatte  einen Exodus der Franzosen in den zunächst nicht
besetzten Süden gegeben. Doch als man sah, dass die deutschen
Soldaten sich "anständig" aufführten, gingen viele zurück in ihre
Ortschaften und lebten neben den Besatzern. Elise wusch  Wäsche für
die Soldaten,  und bald freundete sie sich mit einem von ihnen näher
an. Sie war von ihm schwanger, als er 1942 an die Ostfront versetzt
wurde. Danach hat sie nie wieder etwas von ihm gehört. Die gemeinsame
Tochter sucht den Vater seit vielen Jahren, aber ohne Erfolg.
Vielleicht ist er ja von der Ostfront nie zurückgekommen.
    
    Die Dokumentation erzählt die Geschichten von Elise und einer
weiteren Frau, er erzählt die Kriegszeit, aber auch die
Nachkriegszeit, in der diesen Frauen auch nach der ersten Rage der
Bevölkerung ihr "Verbrechen" weiter vorgeworfen wurde, während die
meisten der großen Kollaborateure unbehelligt blieben. Noch heute
sagt Elise: "Immer wenn jemand neu in die Nachbarschaft zieht,
erfährt er gleich von den Leuten, was ich getan habe. Aber ich habe
mir nichts vorzuwerfen, außer daß ich einen Mann geliebt habe."

ots Originaltext: SWR
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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich,
Tel.: 07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285.

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