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Das Erste: REPORT Mainz, heute, 28.5.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN

Baden-Baden (ots) - REPORT MAINZ: Bundesregierung ließ Strahlung in Sellafield und La Hague ermitteln REPORT Mainz enthüllt bislang unveröffentlichte Ergebnisse Deutsche Grenzwerte in Sellafield um das zwanzigfache überschritten Das ARD-Politmagazin REPORT MAINZ enthüllt in seiner heutigen Ausgabe Ergebnisse einer von Bundesumweltminister Jürgen Trittin in Auftrag gegebenen Studie zur Strahlenbelastung bei der atomaren Wiederaufarbeitung in Frankreich und in England. Der Untersuchung zufolge werden die deutschen Immissionsgrenzwerte in La Hague um den Faktor sieben überschritten, in Sellafield um den Faktor 20. Die Studie trägt den Titel "Ermittlung der möglichen Strahlenexpositionen der Bevölkerung aufgrund der Emissionen der Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield und La Hague". Sie wurde von den Autoren Antje Benischke und Christian Küppers vom Öko-Institut in Darmstadt dem Umweltministerium nachgeordneten Bundesamt für Strahlenschutz bereits im Februar 2000 vorgelegt. Die Studie wurde bis heute nicht veröffentlicht. Eine kurz kommentierte Zusammenfassung hat das Bundesamt für Strahlenschutz als pdf-Datei auf seine Homepage eingestellt (www.bfs.de/publika/index.htm). Wolfgang Köhnlein, Strahlenbiologe an der Universität Münster und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Strahlenschutzkommission sagte in REPORT MAINZ, er halte die in der Studie ermittelte Strahlenbelastung für "nicht zumutbar, denn sie bedeutet, dass es Menschen geben wird, die dort wohnen, die infolge dieser Emissionen aus den kerntechnischen Anlagen krank werden, beziehungsweise ihre Kinder erkranken werden, und das würden sie nicht, wenn es diese Anlagen nicht gäbe." Prof. Alexander Roßnagel, Atomrechtsexperte an der Universität Kassel, hält die Studie für juristisch relevant: "Die Brisanz dieser Studie besteht darin", so Roßnagel, "dass - die Richtigkeit unterstellt - die deutschen Betreiber gegen § 9 a Atomgesetz verstoßen, in dem sie verpflichtet werden, die Entsorgung 'schadlos' durchzuführen. Und die Studie scheint nachzuweisen, dass die Entsorgung in La Hague und Sellafield nicht schadlos erfolgt." Die Fraktionsvorsitzende der niedersächsische Grünen, Rebecca Harms, die auch Mitglied im Parteirat der Grünen ist, fordert vor dem Hintergrund der Studie in REPORT MAINZ die schnellstmögliche Kündigung der Wiederaufarbeitungsverträge: "Wenn das stimmt, was in der Studie steht, und davon gehe ich mal aus - weil das Öko-Institut langjährige Erfahrung hat - dann werden die Werte der deutschen Strahlenschutzverordnung in keiner der beiden Anlagen eingehalten, sondern weit überschritten und das ist meiner Meinung nach ein Grund, der zur Kündigung der Verträge herbeigezogen werden kann." Auch das Europäische Parlament lässt derzeit die Strahlenbelastung durch die Wiederaufarbeitung in Sellafield und La Hague wissenschaftlich untersuche n. Der Abschlußbericht wird in den nächsten Wochen erwartet. Der Zwischenbericht liegt REPORT MAINZ bereits vor. Daraus geht hervor, dass die Strahlenbelastung aus beiden Anlagen gegen das internationale Umweltabkommen OSPAR verstößt. Claude Turmes, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, fordert aufgrund der Ergebnisse beider Studien einen sofortigen Stopp der Wiederaufbereitung in La Hague und in Sellafield: "Die Daten aus diesem Zwischenbericht, die Daten der Studie des Öko-Institutes belegen, dass der Stand der Technik nicht eingehalten ist, so dass wir ein sofortiges Moratorium fordern. Diese Forderung müßte aufgrund dieser Datenlage auch eine Mehrheit im Europaparlament finden." Veit Bürger von Greenpeace wirft der Bundesregierung in REPORT MAINZ "Betrug am Wähler" vor: "Das ist sehr verwunderlich", so Bürger "dass die gesamte Bundesregierung jetzt auf einmal sagt, diese Transporte müssen sein, obwohl beide Parteien in der Vergangenheit immer wieder gesagt haben, diese Transporte müssen überhaupt nicht sein, diese Transporte dürfen vor allem nicht sein, weil sie illegal sind. Die Wiederaufarbeitung im Ausland ist illegal, weil sie in Anlagen betrieben wird, die in Deutschland nie genehmigt werden dürften und von dem her wundert es uns sehr, dass auf einmal in der Regierungsverantwortung solche Transporte geduldet werden." Die Bundesregierung will noch bis 1. Juli 2005 1.250 Tonnen deutschen Atommüll nach La Hague und 640 Tonnen nach Sellafield transportieren lassen. Drei Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Atomkraftwerken Stade in Niedersachsen und Brunsbüttel in Schleswig Holstein sollen per Bahn nach La Hague gebracht werden. Noch im Koalitionsvertrag hatte sich die Bundesregierung vorgenommen, die Wiederaufarbeitung im Ausland innerhalb der ersten 100 Regierungstage per Gesetz zu verbieten. Der Text steht als RTF-Datei unter: http://www.swr.de/report zur Verfügung. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an REPORT Mainz, Tel.: 06131/929-3351. 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