SWR - Südwestrundfunk

Das Erste: Presseinformation REPORT Mainz
Montag, 07.05.2001 / 21.00 Uhr im ERSTEN

    Baden-Baden (ots) -     REPORT MAINZ: Neue Details zum Leben von Ulrike Meinhof

    - Auch Ulrike Meinhof wollte in die DDR übersiedeln.
    - Ex-Stammheim-Richter Dr. Prinzing zur Annahme, Ulrike Meinhof
sei ermordet worden: "Üble Verleumdungskampagne gegen den Staat".
    - Bü 90/Grünen-Abgeordneter Ströbele zweifelt noch heute am
Selbstmord der RAF-Gefangenen
    
    Report Mainz: In einem Bericht über das Leben von Ulrike Meinhof
berichtet das ARD-Politmagazin REPORT Mainz über neue Details ihrer
Biografie. Danach plante die Ex-Terroristin, die am 9. Mai 1976 in
der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim Selbstmord verübte, kurz nach
ihrem Abtauchen in die Illegalität 1970 die Flucht in die DDR. Als
Zeuge dafür präsentiert das ARD-Magazin einen heute in
Nordrhein-Westfalen lebenden Ex-Funktionär diverser kommunistischer
Gruppen, Manfred Kapluck. Kapluck war in den 50er, 60er und 70er
Jahren als Mitglied der illegalen KPD und später der DKP in der
Bundesrepublik Deutschland aktiv. Nach eigenen Angaben lebte er mehr
als 14 Jahre lang davon mit gefälschten Pässen von der
DDR-Staatssicherheit im Bundesgebiet und hielt den Kontakt zu
nahestehenden politischen Gruppen im Westen. Kapluck lernte Ulrike
Meinhof über ihre Tätigkeit als Redakteurin der Zeitschrift "konkret"
kennen. Im Jahr 1970, so berichtet er im REPORT-Interview, hätten die
DDR-Behörden eine Übersiedlung von Ulrike Meinhof vorbereitet und ihr
ein entsprechendes Angebot gemacht. Kapluck wörtlich: "Sie hat
angenommen. Wir haben das organisiert. Sie musste das aber dem Baader
begreiflich machen (...) Und da hat Baader gesagt: 'Du nicht!' Und
hat dann, das weiß ich genau von Zeugen, die ich aber nicht nennen
möchte, die Pistole gezogen und gesagt: 'Du bleibst hier!'"
    
    Kapluck erzählt in REPORT weiter, wie er in den 60er Jahren der
Zeitschrift "konkret" regelmäßig Geld aus dem Osten vermittelt hat.
DM 40.000 sind so nach seinen Angaben zeitweise monatlich an die
Redaktion geflossen.
    
    Report Mainz: Neue Details zum Leben von Ulrike Meinhof
    
    Gegenüber REPORT aus Mainz äußerte sich auch zum ersten Mal in der
Öffentlichkeit der Richter im Stammheim-Prozess, Dr. Theodor
Prinzing, zum teilweise bis heute erhobenen Vorwurf, die
RAF-Gefangenen seien in der Haft ermordet worden. Prinzing wörtlich:
"Die Fortdauer der Behauptung, es habe sich möglicherweise um Mord
gehandelt, betrachte ich als eine üble Verleumdung der mit den
Ermittlungen befassten Behörden". Prinzing bezieht sich dabei auf die
Mitte der 70er Jahre geführte Diskussion etlicher Wahlverteidiger der
RAF-Gefangenen, wonach der Staat verantwortlich sei für die Tode von
Holger Meins, Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan
Carl Raspe. In REPORT Mainz bleibt dagegen einer der Wahlverteidiger
von damals, der heutige Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian
Ströbele bei seinen Zweifeln an den Selbstmorden. Ströbele wörtlich:
"Ich hab' schon darauf hingewiesen, nicht nur bei Ulrike Meinhof,
sondern auch bei denen, die im Herbst 1977 in Stuttgart-Stammheim in
den Gefängnissen gestorben sind (Baader, Ensslin und Raspe), habe ich
meine Zweifel, ob es sich so zugetragen hat, wie die offizielle
Version nachher gewesen ist."
    
    Der heutige Bundesinnenminister Otto Schily, SPD, auch er damals
einer der Wahlverteidiger, die einen Mord für möglich hielten, wollte
sich zu den Vorgängen von damals gegenüber REPORT Mainz nicht äußern.
Eine Sprecherin des BMI erklärte der Redaktion telefonisch, der
Minister wünsche keine Diskussion über seine damalige Rolle.
    
ots Originaltext: SWR
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