SWR - Südwestrundfunk

Dokumentation über das Schwäbisch-Hällische Schwein im Südwestfernsehen am 8. Mai
SWR zeigt Weg aus der Fleischkrise

Baden-Baden (ots) - Der Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden hat angesichts der derzeitigen europäischen Fleischkrise eine Fernsehdokumentation produziert, die einen Weg aus der bestehenden Fleischkrise aufzeigt. Dabei geht es um eine fast ausgestorbene Schweinerasse aus dem Hohenloher Land bei Schwäbisch-Hall, die in Züchterkreisen als Schwäbisch-Hällisches Schwein bekannt ist. Die wegweisende Geschichte dieser Schweinerasse zeigt das Südwestfernsehen in der Dokumentarreihe "Zeichen der Zeit" am Dienstag, 8. Mai um 22.15 Uhr unter dem Titel "Markenartikel Schwein. Das Hohenloher Agrarwunder". Der SWR greift damit die in der Bevölkerung durch die Krankheiten Rinderwahn und Maul- und Klauenseuche hervorgerufene Verunsicherung in konstruktiver Weise auf, da diese Schweinerasse nach Angaben der in Wolpertshausen bei Schwäbisch-Hall ansässigen Züchtervereinigung geeignet ist, neue Wege in der Fleischproduktion zu beschreiten. Der Vorteil der ursprünglich mit chinesischen Schweinen gekreuzten Rasse ist seine Robustheit und große Resistenz gegen Krankheiten. So lässt sich mit dem Schwäbisch-Hällischen Schwein eine artgerechte Tierhaltung ohne Antibiotika und leistungsfördernde Futtermittel verwirklichen. Als Retter dieser beinahe ausgestorbenen Schweinerasse gilt der in Wolpertshausen lebende Agraringenieur Rudolf Bühler, der mit seiner "Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH)" dieses Schwein zumindest in Fachkreisen zu einem Markenartikel einer ökologischen Landwirtschaft gemacht hat. Eigentümlich für diese alte Haustierrasse ist ihr Aussehen. Die Schweine haben am Kopf und am Hinterteil eine dunkelblaue bis schwarze Hautfarbe und sind nur im Mittelteil hellrosa gefärbt. Das Schwäbische- Hällische Schwein wird zwar bereits an 74 Orten vorwiegend im Südwesten Deutschlands und im Münchner Raum in Metzgereien oder Bauernmärkten verkauft, verdient aber in breiteren Bevölkerungskreisen auf Grund seiner Eigenschaften bekannt zu werden. Deshalb möchte der SWR als Medienunternehmen mit seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag angesichts der starken Verunsicherung der Fleischkonsumenten den Bekanntheitsgrad dieser Schweinerasse steigern. Für Wilhelm Reschl, Leiter der langjährigen SWR-Dokumentarreihe "Zeichen der Zeit", ist daher dieser tierische Berichtsgegenstand "derzeit ein genau in die Zeit fallendes Zeichen, dem sich diese dienstägliche Südwest-Reihe annehmen muss." Fast jedoch hätte es nie einen Verkauf oder einen Fernsehbericht über diese Schweinerasse gegeben. Nur noch sieben Schweine stellte Bauer Bühler zusammen mit seinem Kollegen Friedrich Horlacher am 11. Januar 1984 einer staatlichen Tierzuchtkommission vor, die dann als Grundlage für einen Wiederaufbau der Zucht dienten. Vier Jahre später wurde mit der "Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall" eine Interessengemeinschaft gegründet, die mit den geretteten Schweinen eine neue Zucht aufbaute und mit strengen Richtlinien einen neuen Markt für das natürlich schmeckende Fleisch dieser Rasse geschaffen hat. Nach diesen Richtlinien sind der Einsatz von gentechnischen Zuchtmethoden verboten. Lediglich die gesündesten Schweine mit bester Fleischqualität dürfen ihre Erbanlagen weitergeben. Ferner müssen die Tiere artgerecht gehaltenwerden: Zuchtsauen müssen Auslauf im Freien haben, Mastschweine müssen sich auf Stroh legen können. Gruppenhaltung unter Tageslicht ist selbstverständlich. Bei der Fütterung dürfen nur pflanzliche Mittel verwendet werden, die zu 80 Prozent aus Baden-Württemberg kommen. Tiertransporte sind nur zum Schlachthof in Schwäbisch-Hall erlaubt. Der Einsatz gewerblicher Tiertransporte ist ausdrücklich verboten. Auch das Verfüttern von Tiermehl war immer verboten wie der Einsatz von Dopingmitteln, um die Fleischproduktion zu erhöhen. Deshalb benötigen die Bauern dieses ökologisch produzierten Schweines mehr Geduld als Produzenten der industrialisierten Schweinemast. Das Konzept Bühlers, der lange im Entwicklungsdienst tätig war, lautet nach eigenen Angaben "Entwicklungshilfe im eignen Land zu betreiben". Und das Konzept lässt sich auch auf andere Länder übertragen. Seine Erzeugergemeinschaft hat deshalb die Patenschaft für eine bäuerliche Erzeugergemeinschaft in Rumänien übernommen, die ebenfalls eine alte Landrasse, das sogenannte Basner Schwein, als Grundstock für ihre neue Landwirtschaft nimmt. Wissenschaftliche Schützenhilfe erhält Bühler dabei von Hans Hinrich Sambraus. Der Münchner Zoologe und Tierarzt hat in Weihenstephan einen Lehrstuhl für Tierhaltung und Verhaltensforschung inne und ist Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen. "Aus Forschungssicht wäre ein Siegeszug des Schwäbisch-Hällischen Schweines in Deutschland und dem Ausland wünschenswert, weil es wegen seiner Genügsamkeit fast überhall heimisch werden kann. Und neben seiner gesunden Konstitution gebiert eine Schwäbisch-Hällische Sau im Durchschnitt pro Wurf ein Ferkel mehr als Mütter anderer Rassen". Die etwa zwölf Nachkommen eines Wurfes dieses Zukunftschweines werden außerdem von der Muttersau besser betreut und verteidigt, so Sambraus weiter. Wegen des besseren Geschmacks haben auch Sterneköche wie Vincent Klink von der Stuttgarter Wielandshöhe das Schwein aus dem Hohenloher Land mittlerweile auf den Einkaufszettel gesetzt. "Naturschutz geht bei mir beruflich bedingt über den Kochtopf, aber das Fleisch dieser Rasse schrumpft in der Pfanne nicht dahin", urteilt Klink. Den Gästen seines Restaurants will er einen echten Genuss von Schweinefleisch nicht schuldig bleiben. Und da biete sich das im Gegensatz zu industriell gemästeten Schweinen deutlich rötlichere Fleisch mit seinem besseren Aroma an, so Klink weiter. Der Gemackszugewinn basiert jedoch auf einem höheren Fettanteil dieser Rasse. "Ein Schwein mit möglichst wenig Fett ist zwar ein modernes Züchtungsziel der Massenmast, geht aber zu Lasten des Geschmacks", stellt Verhaltensforscher Sambraus fest. Die Folge dieser rigiden, aber derzeit nachgefragten Tierproduktion ist allerdings ein Schwein zum höheren Fleischpreis. Jedoch erfüllt das Schwäbisch-Hallische Schwein die inzwischen besonders von Bundesumweltministerin Renate Künast (Grüne) geforderten ethischen und gesünderen Kritierien einer künftigen Fleischproduktion auf vorbildliche und wegweisende Art, so dass dieser Rasse aus dem Herzen des SWR-Sendegebiets eine grosse Zukunft zu wünschen ist. Diesen Text zum Herunterladen finden Sie im Internet unter www.swr.de/presse/news/index.html. Ein Foto des Schwäbisch-Hällischen Schweines zusammen mit seinem Retter Rudolf Bühler abrufbar bei der SWR-Fotoredaktion, Telefon 07221/929-2287. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.: 07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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