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Das Erste: REPORT Mainz, heute, 09.04.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN

    Mainz (ots) -          

    REPORT MAINZ:

    Schuhproduktion vergiftet Trinkwasser in Indien

    Vorwürfe gegen Firma Deichmann          Nach Vor-Ort-Recherchen des ARD-Politmagazins REPORT MAINZ vergiftet die Produktion von Schuhen u.a. für den deutschen Markt große Mengen des Trinkwassers im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Hauptauftraggeber aus Deutschland ist die Firma Deichmann in Essen. Das Unternehmen importiert schon heute drei Millionen Paar Schuhe pro Jahr aus Indien. In Zukunft sollen es zehn Millionen Paar sein. Nach Informationen von REPORT MAINZ werden bei der Herstellung pro Kilo Schuhleder 500 Gramm giftige sowie ätzende Chemikalien eingesetzt, unter anderem 85 prozentige Ameisensäure sowie das aquatoxische Chrom III.

    Darüber hinaus belegen Aufnahmen aus einer großen Gerberei, die für die Firma Deichmann produziert,  dass die Arbeiter barfuß und völlig ungeschützt den Chemikalien ausgesetzt werden. Mit dem Videomaterial von REPORT MAINZ konfrontiert, erklärte Rüdiger Hillmann, Toxikologe an der Universitätsklinik Mainz: "Genaugenommen müsste dieser ganze Vorgang in eine geschlossene Anlage", so dass die Arbeiter mit den Chemikalien nicht in Berührung kommen können. Zumindest sei aber Schutzkleidung, Handschuhe und Atemschutz unerlässlich. Die Lagerung der Chemikalien hält Hillmann für "lebensgefährlich".

    Außenaufnahmen aus der Umgebung der Fabrik kommentierte Eckhard Willing, im Umweltbundesamt Experte für Gerbereiindustrie so: "Das was den Bildern insgesamt zu entnehmen ist, dass das Abwasser offensichtlich über Rohre direkt aus dem Betriebsgelände ausgetragen wird und unkontrolliert über Bäche und Teiche sich den Weg in den Untergrund sucht (ist) ein Zustand, der - wenn er in Deutschland zu filmen wäre - zu einem ganz großen Umweltskandal führen würde."

    Viele Dörfer in der Umgebung klagen über verseuchtes Trinkwasser. Nach Informationen von REPORT MAINZ leiden viele Menschen durch kontaminiertes Wasser an Magen-Darm-Krankheiten. Fische und andere Tiere sind bereits durch vergiftetes Wasser gestorben.

    Die Gerberei verbraucht im wasserarmen indischen Bundesstaat, 35.000 Liter Wasser pro Tonne Leder.

    Zu den Recherchen von Report Mainz befragt beruft sich Firmenchef Heinz-Horst Deichmann auf Zertifikate seiner Zulieferbetriebe und streitet die Vorwürfe im Interview kategorisch ab: "Sie würden sich wundern, wenn Sie sehen, welches Maß an Sauberkeit und Ordnung in solchen Fabriken herrscht."

    
ots Originaltext: SWR
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