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Report Mainz

    Baden-Baden (ots) -     REPORT MAINZ:     Gefährdung durch Gasleitungen: Schwere Bedenken gegen geplanten     Großflughafen in Berlin-Schönefeld

    Experten und Pilotenvereinigung "Cockpit" warnen

    Zuständiger Verkehrsminister: "Kein Handlungsbedarf"          Gegen den geplanten Standort Berlin-Schönefeld als neuen Großflughafen gibt es nach Recherchen des ARD-Magazins REPORT Mainz schwere Bedenken. In einem dreiseitigen Schreiben des Berliner Energieversorgers GASAG, das der Redaktion vorliegt, wird auf die potentielle Gefährdung durch diverse, ungeschützte Gashochdruckleitungen in unmittelbarer Nähe des Flughafens hingewiesen.          Der Würzburger Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Dr. Lutz Eiding, hat deshalb einen Antrag beim brandenburgischen Verkehrsministerium auf sofortigen Widerruf der heute gültigen Betriebsgenehmigung des Flughafens gestellt. Der Antrag datiert auf den 15.1.2001. Eiding vertritt betroffene Anwohner sowie den Bürgerverein Brandenburg - Berlin e.V., (BVBB), eine Bürgerinitiative gegen das Großprojekt "Schönefeld" mit rund 5.000 Mitgliedern. Aufgrund des enormen Gefährdungspotentials der Gasleitungen hält Eiding den laufenden Flugverkehr schon jetzt nicht länger für vertretbar. Die Akteneinsicht des Anwaltes im brandenburgischen Verkehrsministerium bestärkt ihn außerdem in seiner Auffassung: "Es sind keine Lagepläne beim Verkehrsministerium vorhanden, wo die Leitungen überhaupt laufen. D.h.: Man tappt im Dunkeln!"          Der von Report Mainz befragte zuständige Verkehrsminister Hartmut Meyer (SPD) sieht jedoch derzeit "keinen akuten Handlungsbedarf". Er versprach aber zugleich "eine umfangreiche Prüfung durchführen zu lassen".          Report Mainz ist bei seinen Recherchen auf 4 weitere Gashochdruckleitungen und zwei Gasdruckregelstationen nur wenige hundert Meter entfernt von der südlichen Start- und Landebahn des Flughafens gestoßen. Es sind Versorgungseinrichtungen der Energieunternehmen EMB (Erdgas Mark Brandenburg GmbH/Potsdam) und EWE (Energieversorgung Weser-Elbe/Oldenburg) zwischen Selchow und Waßmannsdorf.

    Gegenüber Report Mainz erklärt der Pressesprecher der
Pilotenvereinigung "Cockpit", Georg Fongern: "Aufgrund der
Statistiken, die schon seit Jahren geführt werden, kann man sagen,
dass die Landeunfälle und die Startunfälle innerhalb der 1-Meilen
-Zone vor bzw. hinter dem Bahnende stattfinden. Ich erinnere an den
Beinahe-Unfall in Frankfurt vor einiger Zeit (20.1.1999), als da ein
AIR-India-Jumbo etwa 800 Meter vor Bahnbeginn in Frankfurt aufgesetzt
ist und die ganze Anflugbefeuerung abgeräumt hat. Wenn dies hier in
Schönefeld passiert wäre, wäre es wahrscheinlich zu einer
Riesenkatastrophe gekommen."
    
    Am 17. Juni 1989 ereignete sich an der kritischen Stelle in
Schönefeld bereits ein schwerer Unfall: Eine Maschine der
DDR-Interflug raste in ein Maisfeld zwischen Selchow und
Waßmannsdorf. 17 Menschen starben und 54 wurden zum Teil schwer
verletzt. Damals lag hier, so die Recherchen von Report Mainz, nur
eine Gashochdruckleitung, die anderen drei sind erst in den
Neunzigern in nur einem Meter Tiefe verlegt worden: "Ich denke 1
Meter Tiefe ungeschützt, ist nicht akzeptabel und ich wundere mich
auch, das muss ich ganz offen sagen, dass die Behörden, die für die
Sicherheit der Luftfahrt zuständig sind, sich überhaupt nicht daran
gestoßen haben. Aber auch die Fluggesellschaften haben bisher dieses
Gefahrenpotential wahrscheinlich nicht gesehen; sonst hätten sie
wahrscheinlich schon protestiert.", sagt Georg Fongern von "Cockpit".
    
    Der renommierte Gastechniker Prof. Dr. K. Ulrich Kramm von der
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, Leipzig kommt deshalb
zu dem grundsätzlichen Fazit: "Man sollte es tunlichst vermeiden, in
einem solchen Gebiet einen Großflughafen zu bauen." Ansonsten
beziffert er die nötigen Umbaukosten auf "mindestens hundert
Millionen Mark".

    
ots Originaltext: SWR
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