SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): Programmhinweise von Freitag, 6. April 2001 (Woche 14)

    Baden-Baden (ots) -

    Freitag, 6. April 2001  (Woche 14)
    
    21.45    (VPS 21.44)
                 Nachtcafé
                 Deutsch - die verhunzte Sprache?
    
    Der moderne Deutsche hoppt von Meeting zu Meeting, unterbricht
kurz für den Lunch, surft im Internet, geht auf Afterwork-Parties
oder diversen Outdoor-Activities nach und relaxt im Wellness-Bereich
oder zu Hause im Home-Dress als couch-potato beim Zappen. "Denglisch"
heißen die Wort-Neuschöpfungen, die englisch klingen, ein Mischmasch
aus deutscher Grammatik und englischen Wörtern sind und sich in der
letzten Zeit inflationär vermehrt haben. Sehr zum Leidwesen einer
wachsenden Zahl von Sprachschützern, die inzwischen gar gesetzliche
Regelungen zum Schutz der deutschen Sprache fordern. Steuern wir
scheinbar unaufhaltsam und mit bedrohlich wachsender Geschwindigkeit
auf den Untergang der deutschen Sprache zu? Oder bereichern und
beleben Anglizismen und andere Entlehnungen den Sprachschatz und
beweisen, dass die Sprache lebendig ist?
    
    Über diese und andere Fragen diskutiert Wieland Backes mit seinen
Gästen:
    
    Dr. Hellmuth Karasek hält einen gesetzlichen Sprachschutz für
blanken Unsinn. Für den bekannten Literaturkritiker, Schriftsteller
und Herausgeber des Berliner "Tagesspiegel" sind Anglizismen und die
Aufregung darüber eine Modeerscheinung, vergleichbar denen über
lateinische und französische Einflüsse in vergangenen Jahrhunderten.
Dass das Deutsche offen ist für internationale Einflüsse, hält er
nicht für verkehrt und vertraut ansonsten auf die Selbstregulierung
der Sprache.

    Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik hat den "Verein deutsche Sprache" gegründet und es sich zur Aufgabe gemacht, gegen die Flut von Anglizismen anzukämpfen. Krämer und seine Mitstreiter fordern Bußgelder für das "pseudokosmopolitische Imponiergefasel der modernen Sprachverhunzer".

    Gisela Klann-Delius, Professorin für Linguistik, ruft zu mehr
Gelassenheit in der Debatte auf. Sprache als lebendiger Organismus
ist für sie eine immer neu getroffene Übereinkunft verschiedenster
Kommunikationspartner. "Die Sprache rein halten" erinnert sie stark
an Deutschtümelei.
        
    Tom Fabris ist einer der "creative heads" der Kult-Werbeagentur
"Zum goldenen Hirsch". Seine Kundschaft fordert, ganz anders als
Krämers Vereinsmitglieder, eine peppige Werbung. Und die ist in ihren
Augen am peppigsten, wenn sie möglichst Englisch klingt.

    Barbara Hartmann ist "Head-Hunterin" und Management-Beraterin in München und redet beruflich überwiegend in englischer Sprache. Das ist in internationalen Unternehmen wie ihrem üblich. Auch in ihre Alltagssprache fließen mittlerweile immer mehr englische Ausdrücke ein. Sie findet das im Zeitalter der Globalisierung ganz normal.

    Michel Mercier sieht als Franzose, Direktor des Institut Francais in Freiburg und Liebhaber des Deutschen mit Schmerzen dem Verfall der deutschen Sprache entgegen. Die Anglizismenflut verdrängt seinem Empfinden nach die reiche Sprache der Philosophie und der großen Literatur. Er schlägt einen Sprachschutz per Gesetz vor.

    Laurenz Meyer, CDU-Generalsekretär, findet, man solle erst einmal richtig Deutsch sprechen, bevor man mit Anglizismen um sich wirft. Trotzdem ist er kein Befürworter eines Sprachschutzgesetzes. Allerdings kann er sich eine Stärkung des Verbraucherschutz gut vorstellen, so dass alle Bedienungsanleitungen und Verbraucherinformationen auf Deutsch geschrieben sein müssen.

    Jessica Schwarz interviewt für "Viva" und die Internet-Ausgabe von
"Wetten dass" die internationalen Stars und wechselt mühe- und
ansatzlos wieder ins Deutsche. Seit einem Jahr moderiert die
23-Jährige. Dass sie auch in ihren deutschen Moderationen viele
englische Wörter und Redewendungen benutzt, findet sie "echt okay".
    
    
    23.15    Nachtkultur
                 Moderation: Markus Brock
    
    Die Themen:
    
    "Voll in den Mann" - Ein Fußballreporter mit Kultstatus:
    Seit 25 Jahren fiebert der Rundfunkreporter Günther Koch bei
seinen Fussball-Live-Reportagen mit den Fans und sorgt mit seinen
Formulierungen für die nötige Stimmung. Längst ist er zur Kultfigur
geworden und hat mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderem den
"Herbert-Zimmermann-Preis" der ARD. Nach zwei CD's mit ausgewählten
Radioreportagen ist jetzt die Doppel-CD "Revisited - Voll in den
Mann" erschienen, die vom Bayerischen Rundfunk produziert wurde.
Günther Kochs Kommentare wurden von Autoren und Musikern neu verpackt
in Rap, Punk oder Pop: Das Ergebnis ist eine "Symphonie in 22
Partien".
    
    "Vom Klang der Welt" - Wie der Mensch zur Musik kam:
    Ein junger tibetischer Mönch mit seiner "dung-dkar"-Muschel, ein
Aboriginee, der auf seinem Didgeridoo spielt, Zulu-Mädchen aus
Südafrika mit ihren Bambusstangen oder der Sarangi-Spieler aus dem
indischen Jodhpur. Das sind nur vier von 236 wunderschönen
Farbaufnahmen aus dem Bildband "Vom Klang der Welt", der den Leser in
die faszinierende Welt der Musik entführt. In der Urzeit sind die
Menschen in ihren Höhlen zum ersten Mal den Phänomenen Klang und
Resonanz begegnet und haben versucht, diese Erfahrung durch das Bauen
von Musikinstrumenten nachzuvollziehen und weiter zu entwickeln. Die
französische Ethnologin Lucie Rault beschreibt anschaulich und
einfühlsam die Beziehung der Menschen zu ihren Musikinstrumenten.

    "Geisterzug in den Tod" - Die Geschichte eines der letzten Deportationszüge nach Dachau:

    Juni 1944: kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, landeten die
Alliierten in der Normandie, um die Deutschen zur Kapitulation zu
zwingen. Trotzdem ließen die Nazis weiterhin Deportationszüge in die
Konzentrationslager rollen. In dem Buch "Geisterzug in den Tod"
beschreibt der FAZ-Redakteur Jürg Altwegg eine fast zwei Monate
dauernde Fahrt in einem Deportationszug durch die Hitze
Südfrankreichs bis nach Dachau. Am 1. Juli 1944 wurden 900 Gefangene
aus dem Lager Le Vernet und dem Gefängnis Saint-Michel zum
Güterbahnhof von Toulouse gebracht. Von dort aus startete die
Irrfahrt mitten durch die Befreiungsschlacht. Mehrfach wurde der Zug
von den Alliierten beschossen. Einigen Häftlingen gelang die Flucht,
andere wurden bei Fluchtversuchen erschossen. Nach fast zwei Monaten
erreichte der Geisterzug am 28. August 1944 die deutsche Grenze, und
die Menschen wurden in die Konzentrationslager Dachau und Ravensbrück
transportiert.
    
    Winnetous Vorfahren - Historische Indianerfotos:
    In die Welt der Indianer entführt die Ausstellung "Sacred Legacy":
Ende des 19. Jahrhunderts machte der Amerikaner Edward Sheriff Curtis
(1868 - 1952) die ersten Fotos von den Indianern Nordamerikas. Tief
beeindruckt von seinen ersten Expeditionen nach Alaska und Montana,
beschäftigte er sich fortan intensiv mit dem Thema und beschloss, ein
umfassendes Werk über die Indianerstämme Nordamerikas zu erstellen.
Zahlreiche Forschungsreisen folgten. Nach 30 Jahren umfasste seine
Sammlung rund 50.000 Motive über die indianischen Lebens- und
Arbeitsformen und er veröffentlichte die 20 Bände umfassende
Enzyklopädie "The North American Indian". Die Ausstellung wurde von
dem amerikanischen Sammler Christoph G. Cardozo konzipiert und ist
nach Paris nun in der Photographischen Sammlung der Kölner SK
Stiftung Kultur zu sehen.
    
    
ots Originaltext: SWR
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