SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR)
Freitag, 23. März 2001 (Woche 12) - Montag, 2. April 2001 (Woche 14)

    Baden-Baden (ots) -
    Freitag, 23. März 2001 (Woche 12)      
    23.15  Nachtkultur
                Moderation: Markus Brock
    
    Die Themen:
    
    Lausbub der Nation oder humorloser Pedant? - Die zwei Seiten des
Heinz Rühmann:

    Er spielte den Verschmitzten, den charmanten Liebhaber, den guten Freund und den kleinen Mann, der aufmuckt. Heinz Rühmann (1902-1994) zählt bis heute zu den populärsten deutschen Schauspielern. Unvergesslich seine Rollen als Quax der Bruchpilot, als Pfeiffer mit drei "f", als Charley's Tante oder als Hauptmann von Köpenick. Privat war Heinz Rühmann eher humorlos, pedantisch und wenig gesellig. Umstritten war auch seine Schauspielkarriere im Dritten Reich. Er hat in Nazifilmen mitgespielt und sich 1938 auf nationalsozialistischen Druck hin von seiner ersten Frau, der jüdischen Schauspielerin Maria Bernheim, scheiden lassen.          Mit Heinz Rühmann startet das Südwestfernsehen am 26. März die sechsteilige Reihe "Deutsche Lebensläufe", in der unter anderem auch Wilhelm Furtwängler, Joseph Beuys und Heiner Müller porträtiert werden.          Stunde Null - Der ehemalige Armee-Fotograf Tony Vaccaro und seine Bilder:

    6. Juni 1944: Die Alliierten landen in der Normandie. Der 22-jährige G.I. Tony Vaccaro ist mit Sturmgewehr und einem unverwüstlichen Leica-Nachbau dabei. Er kämpft erst, dann fotografiert er, und manchmal ist die Reihenfolge auch umgekehrt. Er fotografiert die vorrückenden Truppen auf dem Weg zum Sieg, dokumentiert zerstörte Städte und beschreibt ergreifende Einzelschicksale. Auch nach Kriegsende blieb Vaccaro in Deutschland. Er fotografierte erste Lebensspuren nach dem Zusammenbruch, erste Ansätze des Alltags mitten in den Ruinen. Seine Bilder sind nicht pathetisch oder propagandistisch, sie sind "instinktive" Foto-Dokumentationen, die von einem Stück deutscher Normalität zwischen den Trümmern erzählen. "Nachtkultur" hat Tony Vaccaro bei der Buchpräsentation in Berlin getroffen.          Visionen einer Stararchitektin - Zaha Hadid im Kunstmuseum Wolfsburg:

    Mit der Entscheidung zum Bau eines "Science Centers" hat die Stadt
Wolfsburg einen auch äußerlich sichtbaren Gegenpol zu ihrem Ruf als
"Autostadt" geschaffen. Einen ersten Eindruck des extravaganten,
bislang nur in Modellen und Computeranimationen existierenden Neubaus
vermittelt die so genannte Lounge im Wolfsburger Kunstmuseum. Sie
wurde, wie das zukünftige Center, von der in London lebenden
Star-Architektin Zaha M. Hadid gestaltet, die unangefochten als
'"Weltmeisterin der dekonstruktivistischen Architektur" gilt. Die
Lounge ist damit nicht allein Ausstellungsraum, sondern selbst
Architektur, die zugleich zu den spektakulärsten Kulturbauten der
Stadt Wolfsburg zählt.
    
    
    Zugabe: Afrika zwischen Tradition und Moderne - Der Filmemacher
Jean-Marie Téno macht "Ferien in der  Heimat": Bislang war "Ferien in
der Heimat" nur auf Filmfestivals oder auf Sonderveranstaltungen zu
sehen. Jetzt kommt der Film über die Erfahrungen und den Umgang der
Afrikaner mit dem Thema "Fortschritt" bundesweit in die
Programmkinos.
    
    "Alles Europäische ist modern, alles Afrikanische hingegen
vorsintflutlich", so lautet die nicht gerade optimistische
Beschreibung des Begriffs "Fortschritt" in Afrika. Jean-Marie Téno,
46, wiederholt nach 30 Jahren die gleiche Fahrt durch Kamerun, die er
als Schüler zu Beginn der Ferien gemacht hat: von der großen Stadt
Yaoundé, wo er das Gymnasium besuchte, nach Bandjoun, seinem
Heimatdorf. Téno befragt dabei Stadt- und Dorfbewohner nach ihren
Hoffnungen und Enttäuschungen, die ihnen die Veränderungen der
vergangenen 30 Jahre gebracht haben, und reflektiert auf persönliche
Weise die afrikanische Vorstellung von Modernität.
    
    Sonntag, 25. März 2001  (Woche 13)/21.03.2001
    
    09.15  Tele-Akademie
                Prof. Dr. Joachim Kersten:
                "Starke Typen" - Kultursoziologische Betrachtungen
                jugendlicher Männlichkeitsbilder
    
    Zu allen Zeiten rebellierte die junge Generation gegen die
etablierte Erwachsenenwelt.  Werte und Lebensstil der Alten müssen
hinterfragt werden; man muss sich profilieren, Unsicherheiten
kompensieren, den eigenen Standort finden. Jugend will sich über
ihren Stil abgrenzen: über ihre Kleidung, Sprache und Musik, aber
auch über ihre Ideologie. Dabei tritt in den vergangenen Jahrzehnten
eine zunehmende Gewaltbereitschaft vor allem männlicher Jugendlicher
in den Vordergrund. Chaostage und Auswüchse der rechten Gewaltszene
machen die Gesellschaft hilflos. Joachim Kersten, Professor für
Soziologie an der Fachhochschule für Polizei Baden-Württemberg,
beleuchtet die Geschichte deutscher Jugendszenen, insbesondere
diejenige der Skinheads.
    
    
    Sonntag, 1. April 2001  (Woche 14)/21.03.2001
    
    22.35 Wortwechsel
              Gabriele von Arnim im Gespräch mit Lord Ralf Dahrendorf
    
    Ob als Schüler, Professor, als Berater der Landesregierung
Baden-Württemberg in Bildungsfragen, als FDP-Vordenker oder als
Mitglied der Europäischen Kommission  -  Lord Ralf Dahrendorf hat
immer eine ganz eigene Position, die er konsequent vertritt. 1983
forderte er in einem Grundsatzreferat auf dem Dreikönigstreffen der
FDP eine programmatische Erneuerung der Partei. Ganz früh kritisierte
er scharf die Europäischen Institutionen und deren Arbeitsweise. Der
"skeptische Europäer" sitzt inzwischen als "Baron of Clare Market in
the City of Westminster" im britischen Oberhaus und meldet sich auch
von dort aus kritisch zu Wort.
    
    Ralf Dahrendorf wurde 1929 in Hamburg geboren. Er besuchte die
Schule in Berlin und Hamburg. Früh politisch engagiert, wurde er 1944
wegen Beteiligung an einer illegalen Schülervereinigung inhaftiert.
Nach dem Krieg studierte er in Hamburg Philosophie und klassische
Philologie und promovierte dort. Nach der Habilitation und
verschiedenen Auslandsaufenthalten lehrte er in den folgenden Jahren
an mehreren deutschen Universitäten. Neben und nach der akademischen
Laufbahn ist Dahrendorf als Politiker,  Journalist Ökonom und
Vordenker der Liberalen tätig. Seit 1987 lebt Lord Dahrendorf in
England und ist seit 1988 britischer Staatsbürger.
    
    
    Montag, 2. April 2001  (Woche 14)/21.03.2001
    
    21.45 Teleglobus
              Die Kindersklaven der Elfenbeinküste
    
    Sklaverei existiert. In Westafrika zum Beispiel. Dort werden
tausende von Kind ern als Sklaven gehalten.  "Geberländer", also
Kinder-Exporteure, sind Mali, Burkina Faso, Benin und Togo.
"Nehmerländer", also Importeure, sind die Elfenbeinküste, Nigeria,
Ghana und Gabun, vergleichsweise reiche Länder im armen Westafrika.
Der "Teleglobus" hat die malischen Kindersklaven bei den Kakao- und
Kaffeepflanzern der Elfenbeinküste aufgespürt. Dies war kein leichtes
Unterfangen in einer Region, die von der Illegalität des
Kinderhandels weiß und die Kinder versteckt. Richard Klug und sein
Team waren als erstes deutsches Fernsehteam bei den Kindersklaven
Westafrikas.
    
    Montag, 2. April 2001  (Woche 14)/21.03.2001
    
    22.15  Saldo
                Das Wirtschaftsmagazin
                Moderation: Tilman Achtnich
    
    u.a. mit folgenden Themen:
    
    Verschwender in Weiß - Wie Ärzte das Abrechnungssystem ausnutzen:
    Es gibt zu viele Ärzte in Deutschland. Es wird zu viel geröntgt
und operiert. Die  Gebührenordnung  belohnt teure Apparatemedizin
statt "sprechender" Medizin,  bevorzugt Fachärzte gegenüber
Hausärzten. Das Honorargefügre führt zu immer mehr Kosten. Es lädt
ein zu Schnellabfertigung, Trickserien und Betrug.
    
    Ärzte-TÜV - Wie Holland die Hausärzte wiederbelebt:
    In den Niederlanden nimmt der Hausarzt eine zentrale Stellung ein.
Das teure "Doktor-Hopping" von einem Arzt zum nächsten gibt es
praktisch nicht. In über 90 Prozent der Krankheitsfälle wird der
Patient vom Hausarzt behandelt. Allerdings ist der Qualitätsstandard
der Allgemeinmediziner auch ungleich höher als bei uns, so müssen sie
sich alle fünf Jahre einem Ärzte-TÜV unterziehen.
    
ots Originaltext: SWR
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