SWR - Südwestrundfunk

SWR-Dokumentation von Helga Reidemeister erfolgreich
"Gotteszell" auf Dokumentarfilm-Festival in Paris ausgezeichnet

    Baden-Baden (ots) - Der SWR-Dokumentarfilm "Gotteszell" von Helga
Reidemeister über ein Frauengefängnis in Schwäbisch-Gmünd wurde auf
dem 23. Internationalen Festival des ethnografischen und
soziologischen Films "Cinéma du Réel" in Paris mit dem Grand Prix
ausgezeichnet. Die Dokumentation über den Alltag von sechs
inhaftierten Frauen ist eine Koproduktion des Südwestrundfunks mit
dem Bayerischen Rundfunk. Für das deutsche Publikum war der Film
bereits auf der Berlinale in der Reihe "Panorama" zu sehen. Ein
Ausstrahlungstermin im Ersten ist für den Herbst geplant.
    
    Die Dokumentarfilmerin porträtiert in "Gotteszell" Frauen, die
Gewaltverbrechen begangen haben. In ruhigen Bildern und mit dem ihr
eigenen Verständnis von Intimität und Offenheit lässt Reidemeister
die Porträtierten ausführlich zu Wort kommen und ihren Weg in das
Verbrechen schildern. Mit den gegengeschnittenen Interviews von den
"Bewacherinnen", Sozialpädagogen oder der Gefängnisleiterin fordert
der Film dazu heraus, über Recht und Unrecht, Strafe oder Schuld
erneut nachzudenken.
    
    Die Jury würdigte ausdrücklich die filmische Qualität, die formale
Strenge in der Umsetzung sowie den intellektuellen Anspruch des
Dokumentarfilms. "Über die Einzelschicksale der porträtierten Frauen
und die Geschichte der Gefängnisinstitution hinaus gibt der Film
Einblick in individuelle und kollektive Gewissensfragen", so die Jury
in ihrer Begründung. "Damit halte der Film uns und der Gesellschaft
den Spiegel vor." Der Preis ist mit 50 000 Francs (15 000 Mark)
dotiert. Programmschwerpunkt des Festivals vom 9. bis 18. März im
Centre Georges Pompidou in Paris waren Dokumentarfilme aus
Zentralasien. Das Internationale Festival des ethnografischen und
soziologischen Films "Cinéma du Réel" hat sich der Förderung des
Dokumentarfilms verschrieben.
    
    Helga Reidemeister (1940) ist eine überzeugte Dokumentarfilmerin.
Nach einem Studium der freien Malerei an der Hochschule für bildende
Künste Berlin (HfbK), war sie viele Jahre als Sozialarbeiterin im
Märkischen Viertel tätig und hat danach an der Deutschen Film- und
Fernsehakademie Berlin studiert. In ihren Arbeiten wie "Von wegen
Schicksal" (1978-1979), "Rodina heißt Heimat" (1992) oder "Lichter
aus dem Hintergrund (1998) spielten immer gesellschaftspolitische
Themen eine Rolle. Für ihre engagierten Filme erhielt sie
verschiedene Preise: den Deutschen Filmpreis 1979, einen
Adolf-Grimme-Preis 1980, den Deutschen Filmpreis 1983 und den
Friedensfilmpreis 1992.
    
    
ots Originaltext: SWR
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