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REPORT Mainz, Montag, 19.03.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN
REPORT MAINZ: Telekom muss Immobilienvermögen womöglich noch weiter abwerten

Baden-Baden (ots) - Neues Gutachten auf Verlangen der Staatsanwaltschaft / Ex-DeTe-Immobilien-Geschäftsführer Görts geht von bis zu 6 Milliarden zusätzlicher Wertberichtigung aus Mainz. In der Affäre um die Bewertung des Telekom-Immobilienvermögens wächst der Druck auf die Konzernspitze. Wie das ARD-Politmagazin REPORT Mainz am Montag, 19.03.2001, 21.00 Uhr, berichtet, schließt Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick weitere Wertberichtigungen nicht aus. Verlässliche Aussagen über den tatsächlichen Immobilienwert erwartet Eick im dritten Quartal 2001 von einem neuerlichen Gutachten der Wirtschaftsprofessoren und Bilanzexperten Karlheinz Küting und Claus-Peter Weber. Die am 21. Februar erfolgte Abwertung um 3,9 Milliarden DM (2 Milliarden Euro) könnte sich dann als nicht ausreichend erweisen. Eick sagte im Interview mit REPORT Mainz: "Wenn wir dieses Gutachten vorliegen haben, wissen wir, wie hoch der Abwertungsbedarf dann ist. Ich kann Ihnen also heute noch nicht sagen, ob die 3,9 Milliarden die hundertprozentig richtige Zahl ist." Und weiter: "ob es letztlich ausreicht, kann ich heute nicht definitiv sagen". Noch Ende Februar hatte Eick erklärt, weitere Abwertungen werde es nicht geben. Der ehemalige Geschäftsführer der Telekom-Immobilientochter (De-Te-Immobilien GmbH), Frerich Görts, rechnet im Gespräch mit REPORT Mainz damit, dass der Abwertungsbedarf noch wesentlich höher ausfällt. Görts hatte 1998 mit Unterstützung von Experten eigene Berechnungen angestellt und den damaligen Finanzvorstand Joachim Kröske am 20. April 1998 informiert. Aufgrund der seinerzeitigen Datenlage geht er heute davon aus, dass die Telekom "nochmals mindestens die gleiche Menge abbewerten" muss. Görts rechnet mit vier bis sechs Milliarden Mark zusätzlichem Wertberichtigungsbedarf. Der Streit um die Immobilienbewertung belastet die Telekom AG seit Ihrer Gründung am 1. Januar 1995. Damals war das Liegenschaftsvermögen in der Eröffnungsbilanz mit 35,7 Milliarden Mark beziffert worden. Einen Tag zuvor, noch in der "Behörden"-Bilanz der Telekom stand die Zahl von 22,9 Milliarden. Über diese "wundersame Geldvermehrung" von knapp 13 Milliarden DM, gab es innerhalb der Telekom über Jahre heftige Auseinandersetzungen, in die auch Konzernchef Ron Sommer spätestens seit 8. September 1998 einbezogen war. REPORT Mainz liegt eine Reihe von Dokumenten vor, die belegen, dass die Konzernspitze seit 1995 bis heute mehrfach auf die Ungereimtheiten aufmerksam gemacht wurde, unter anderem ein Schreiben der Konzernrevision von 1995. Darin heißt es: "Erschwerend kommt hinzu, dass (...) die Neubewertung erhebliche Mängel in den ermittelten Verkehrswerten aufweist, die unsere späteren Jahresabschlussergebnisse belasten können." Gegen die Verantwortlichen der Telekom, unter anderem den Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer, den früheren Finanzvorstand Joachim Kröske und weitere Mitarbeiter aus dem Bereich Finanzen ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn. Die Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber REPORT Mainz, dass sie das Verfahren auch gegen frühere Immobilienbewerter und Bilanzprüfer ausgedehnt hat. Diesen Text zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.swr.de/presse/news/index.html ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen rufen Sie bitte REPORT Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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