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Südwestrundfunk (SWR): REPORT Mainz, heute, 19.02.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN

Mainz (ots) - REPORT MAINZ: - Anti-Minen-Initiative: Bundeswehr verstößt gegen "Ottawa-Vertrag" - Leiter des Minendokumentationszentrums der Bundeswehr sieht keinen Unterschied zwischen Anti-Personen-Minen und Anti-Fahrzeug-Minen Der deutsche "Initiativkreis für das Verbot von Landminen" wirft der Bundesregierung vor, gegen den "Ottawa-Vertrag" von 1997 zu verstoßen. In einer REPORT Mainz vorliegenden Studie unter dem Titel "Tödliche Alternativen - Wie die verbotenen Anti-Personen-Minen ersetzt werden" weist die Anti-Minen-Kampagne nach, dass in deutschen Bundeswehrbeständen nach wie vor millionenfach Minen gelagert werden, die auch als Anti-Personen-Minen wirken. Im Vertrag von Ottawa hatte sich im Gegensatz dazu die Bundesregierung verpflichtet, auf die Herstellung, die Produktion und die Weitergabe solcher Minen zu verzichten. Erstmals erfahren die Anti-Minen-Initiativen in diesem Zusammenhang auch Unterstützung von Experten der Bundeswehr. Der Leiter des Minendokumentationszentrums der Bundeswehr, Oberstleutnant Bertram Hacker, sieht keinen Unterschied zwischen Anti-Personen und Anti-Fahrzeug-Minen. Damit steht er im Widerspruch zur offiziellen Position der Bundeswehr, die nach wie vor etwa 2 Millionen Anti-Fahrzeug-Minen des Typs AT-2 und DM-31 in ihren Lagern hat. Gegenüber dem ARD-Magazin REPORT Mainz sagte der Bundeswehr-Minenspezialist auf die Frage, ob man heute überhaupt noch zwischen Anti-Personen und Anti-Fahrzeug-Minen in der Praxis unterscheiden könne, "Ich persönlich glaube - Nein. Man kann nur insofern trennen, als bei den Anti-Panzerminen natürlich der Auslösedruck erheblich höher sein muss, wie bei Personen, allerdings können auch Personen durch unglückliche Zustände, solche Minen auslösen. Beispiel - in einem Fahrzeug fahrend. Natürlich wird dann eine Panzermine auch gegen Zivilisten wirken. Der einzige Unterschied, den ich sehe, ist tatsächlich die Größe und die Wirkung an sich und natürlich der Zweck warum diese Mine verlegt worden ist. Einmal gegen Fahrzeuge, einmal gegen Personen." Fortsetzung: Report Mainz - Anti-Minen-Initiative: Bundeswehr verstößt gegen "Ottawa-Vertrag" In der 80-seitigen Studie mit dem Titel "Tödliche Alternativen - wie die verbotenen Anti-Personen-Minen ersetzt werden" wird nachgewiesen, dass die Deutsche Bundeswehr nach wie vor über Minen verfügt, die im Vertrag von Ottawa geächtet worden sind. Die Studie, die am 1. März 2001 in Berlin und London vorgestellt werden soll, liegt REPORT Mainz exklusiv vor. Sie wurde unter anderem aus Mitteln der Europäischen Union und der Stiftung der verstorbenen britischen Prinzessin Diana finanziert. Zur deutschen Anti-Minen-Kampagne gehören unter anderen die christlichen Hilfsorganisationen Misereor, Pax Christi und Caritas, sowie Unicef, Terres des Hommes und Medico International. Der Sprecher des Deutschen Initiativkreises für das Verbot von Landminen, Hein Winnubst, von der Hilfsorganisation Misereor sagte gegenüber REPORT Mainz, "Es ist ein Skandal, dass dieses in Deutschland passiert." Die Studie weist, so REPORT Mainz, nach, dass der Magnetsensor der Deutschen Anti-Fahrzeug-Minen DM-31 durch Minendetektoren ausgelöst werden könne. Ebenfalls im Widerspruch zu den Bestimmungen des Ottawa-Vertrages steht die Muspa-Mine, deren Sensorsystem auf Geräusche oder Kontakt reagiere. Der NATO-Partner Italien hat diese Mine aus diesem Grund bereits ausgemustert und Bestände zerstört. Auch die Anti-Fahrzeugmine AT-2, von denen bei der Bundeswehr alleine 1,2 Millionen Stück lagern, wird in der Studie kritisiert. Der Minenexperte Thomas Küchenmeister von der "Initiative gegen Landminen" sagte gegenüber REPORT Mainz, dass es einen fließenden Übergang zwischen Anti-Fahrzeugminen und Anti-Personenminen gebe: "Die Mine ist mit einer sogenannten Aufhebesperre ausgerüstet, d.h. wird die Mine bewegt oder wird die Mine angehoben, führt dies zur Explosion der Mine. Das hat die Konsequenz, dass z. B. eine unbeabsichtigte Auslösung durch ein Person erfolgen kann. Italien hat die Konsequenz gezogen, die Minen zu zerstören, weil Italien sagt: Diese Mine kann von Personen ausgelöst werden". Diesen Text zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.swr.de/presse/programminfos/index.html ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Report Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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