SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): Programmhinweis Freitag, 9. Februar 2001 (Woche 6)
06.02.2001

    Baden-Baden (ots) -

    Nachgelieferte Gäste beachten!
    
    21.45    (VPS 21.44)
                 Nachtcafé
                 Gäste bei Wieland Backes
                 Schluss mit dem Leben gegen die Natur
                 Aus der Nahrungskrise in die Öko-Wende?
    
    Gedopte Schweine, BSE-verseuchte Rinder, Tiertötungen in
unvorstellbarem Ausmaß - geschockt, verunsichert und hilflos
reagieren wir auf die unappetitlichen und grausamen Entwicklungen der
letzten Wochen. Plötzlich werden auch andere Gefahren wieder
hochsensibel registriert. Der Klimagipfel scheiterte, wenig später
erfahren wir wieder einmal, dass sich das Klima noch rasanter
verändert als bisher angenommen. Die Katastrophen überschlagen sich.
Sind wir jetzt endgültig an einem Wendepunkt angekommen? Auf den GAU
beim Essen reagiert die Politik  prompt: Ministerköpfe rollen,
Ministerien werden neu geschaffen, ein ganzer Industriezweig soll
ökologisch umgebaut werden. Spricht hieraus tatsächlich ein Wille zur
Veränderung oder ist das Ganze eine schnelle Aktion zur Befriedung
der Verbraucher? Und warum muss die Gefahr erst auf den Tellern
landen, damit wir aufgerüttelt werden? Wollen wir Verbraucher denn
überhaupt die Öko-Wende oder sind uns kurze Wege und niedrige Preise
auf Dauer wichtiger als gesunde und artgerecht erzeugte Nahrung?
Werden auch diesmal die Bequemlichkeit und die scheinbar unbegrenzte
Kunst im Verdrängen von unangenehmen Wahrheiten siegen oder ändern
wir unser Denken und Verhalten nachhaltig? Wollen wir, können wir
wieder zurück zur Natur? Über diese Fragen diskutiert Wieland Backes
mit seinen Gästen:
    
    Carl Amery: Der streitbare Katholik setzt sich schreibend und
handelnd seit über 30 Jahren gegen Umweltzerstörung und für die
Bewahrung der Schöpfung ein. Er kandidierte unter anderem für die
"Grünen" und mischte sich auch als PEN-Vorsitzender stets in die
Politik ein. Die BSE-Krise wie die massenhafte Tötung von Rindern
sind für ihn Folge und Auswuchs eines ungehemmten Kapitalismus,
schaffen vielleicht aber auch eine Chance zum Umdenken und Neubeginn.
    
    Berhard Michael Huber: Für den Vorstands-Vorsitzenden von Kraft
Foods Deutschland/Österreich (besser bekannt unter dem alten Namen
Suchard, Kraft, Jacobs), gibt es keine Nahrungskrise und auch kein
Zurück zur Natur: Gerade weil so vieles heute industriell erzeugt
wird, glaubt er: "Wir haben gesündere Lebensmittel denn je, denn wir
wussten noch nie so viel über Nahrungsmittel wie heute."
    
    Johann Lafer: Dem Fernseh- und Sternekoch kommen industriell
gefertigte Lebensmittel nicht in den Kochtopf. Er bezieht alle
Zutaten für seine Genießerküche bei Bauern und Händlern seines
Vertrauens. Industrie und Handel sind in seinen Augen die
Hauptschuldigen im BSE-Skandal, aber auch der Verbraucher ist
verantwortlich: "Der muss erkennen, dass Qualität ihren Preis hat. In
Zukunft müssen die Leute mehr Geld ausgeben und die Ernährung
ändern."
    
    Hiltrud Schröder: Die Ex-Frau von Bundeskanzler Gerhard Schröder
macht es wütend, wenn der Verbraucher zum Hauptschuldigen in einem
Skandal gemacht wird, den die Politik zu verantworten hat. Als
Verbraucherin will die Mutter von zwei Töchtern sicher sein, dass die
Lebensmittel, die sie einkauft, unbelastet sind. Aus seiner ethischen
Verantwortung möchte sie jedoch den einzelnen nicht entlassen. Sie
selbst hat schon vor Jahren die Konsequenz aus ihrem Wissen um die
Massentierhaltung gezogen und ist Vegetarierin geworden.
    
    Wilhelm Niemeyer: Der niedersächsische Landvolk- und Vizepräsident
des deutschen Bauernverbands ist ein Massenproduzent von
Schweinefleisch. Er hat den elterlichen Hof zum Großmastbetrieb
rationalisiert, der von nur einem Mitarbeiter geführt wird. Sein
Credo als Verbandsfunktionär und als Bauer: "Es gibt keine
Alternative zur konventionellen Landwirtschaft, nur die
Qualitätskontrollen müssen besser werden."
    
    Josef Braun: Sein Weg vom aufstrebenden Junglandwirt mit
Rekord-Ernteergebnissen zum engagierten Öko-Bauern war lang und nicht
ohne Rückschläge. Heute aber ist er überzeugt: "Ökologische
Landwirtschaft hat nichts mit Nostalgie zu tun, es ist eine
Lebenseinstellung, die in jede Zeit gehört, und könnte ein Modell für
die gesamte Landwirtschaft sein."
    
    An der Bar: Doris Härle und ihr Mann haben über fünf Jahre lang
nach den strengen Richtlinien des Herkunfts-und Qualitätszeichens
Baden-Württemberg Fleisch und Getreide produziert.
Verantwortungsvolle Futterauswahl und unangemeldete Kontrollen waren
für sie selbstverständlich. Doch nun ist es passiert: Eines ihrer
Rinder war, trotz aller Wachsamkeit, an BSE erkrankt und der gesamte
Viehbestand von 270 Tieren wurde getötet. Nun stehen sie und ihr Mann
vor dem Nichts.
    
    
ots Originaltext: SWR
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an
Stephan Reich,
Tel.: 07221/929-4233 oder
Martin Ryan,
Tel.: 07221/929-2285.
Fax  07221 929-2013
Internet: pressestelle@swr-online.de

Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: SWR - Südwestrundfunk

Das könnte Sie auch interessieren: