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REPORT Mainz: Herzinfarkte nicht richtig behandelt
10.000 Menschenleben könnten gerettet werden
Montag, 29.01.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN

Mainz (ots) - Mehr als 10.000 Herzinfarktpatienten pro Jahr könnten gerettet werden, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Behandlung von Infarkten in deutschen Krankenhäusern umgesetzt würden. Das berichtet das ARD Politmagazin Report aus Mainz in seiner heutigen Ausgabe. Das Magazin beruft sich auf Erkenntnisse des Deutschen Herzzentrums München und des Herzzentrums Ludwigshafen. Dort geht man davon aus, dass Herzmuskelgewebe weitaus länger gerettet werden kann als bisher angenommen. So galt bislang, dass Herzmuskelgewebe 12 Stunden nach einem Infarkt abgestorben ist. Im Deutschen Herzzentrum München konnte aber sogar bei einem Patienten, der erst sieben Tage nach Infarktbeginn in die Klinik kam, das Herzmuskelgewebe fast vollständig gerettet werden. Prof. Dr. Albert Schömig vom Deutschen Herzzentrum München im REPORT Mainz Interview: "Das sind keine Einzelfälle. Das ist normal, dass wir auch nach 12 Stunden und mehr Herzmuskelgewebe retten können." Dann allerdings, so der Kardiologe, hilft nur noch ein Herzkathetereingriff. Diese Behandlung könne nur in Spezialkliniken, nicht aber in den meisten Krankenhäusern durchgeführt werden, weil die nicht entsprechend ausgestattet seien. "Zwei Drittel der Patienten können folglich in Kreiskrankenhäusern nicht nach den heutigen Standards behandelt werden. Sie werden im Grunde nicht richtig behandelt. Sie müssten sofort weiterverlegt werden in kardiologische Zentren", so Schömig im REPORT Mainz Interview weiter. Trotzdem werden die meisten dieser Herzinfarktpatienten nicht in kardiologische Zentren überwiesen, denn Lehrbücher und unverbindliche Richtlinien gehen immer noch von der alten 12 Stunden Regel aus. Prof. Dr. Jochen Senges vom Herzzentrum Ludwigshafen äußert sich im REPORT Mainz Interview aber optimistisch: "Meines Erachtens wird die Tendenz der nächsten Monate dahingehen, diese Richtlinien zu ändern." Bis dahin stehen viele Menschenleben auf dem Spiel. Prof. Schömig schätzt: "Wir könnten auf diese Weise in Deutschland pro Jahr mehr als 10.000 Patienten retten." In Deutschland erleiden jährlich 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Mehr als die Hälfte aller Patienten sterben. Neben Krebs sind Herzinfarkte die häufigste Todesursache in der Bundesrepublik. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Report Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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