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Das Erste: REPORT Mainz, Montag, 29.01.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN

Mainz (ots) - REPORT MAINZ: "Mescalero" hat offenen Brief an Michael Buback geschrieben REPORT Mainz veröffentlicht Text in Auszügen REPORT Mainz liegt ein "offener Brief" an Michael Buback, Sohn des 1977 ermordeten Generalstaatsanwalts Siegfried Buback, vor. Verfasst wurde er von Klaus Hülbrock, der 1977 unter dem Pseudonym "Mescalero" nach der Ermordung Bubacks in Göttingen einen Text unter der Überschrift "Buback - Ein Nachruf" veröffentlicht hatte. Unter anderem hieß es damals: "ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen." In seinem jetzigen Schreiben, das auf den 24.01.2001 datiert, verweist Hülbrock darauf, dass er gegenüber Bubacks Sohn Michael bereits vor 2 Jahren sein Bedauern über die damalige Wortwahl ausgedrückt habe. Wörtlich heißt es: "Ich habe Ihnen (Michael Buback) im Frühjahr 1999 mitgeteilt, dass mir die damals persönlich auf Ihren Vater gemünzten Wort heute weh tun." Allerdings schränkt Hülbrock ein, "dass zu einer Distanzierung von der politischen Performanz des Artikels kein Anlass besteht." 1977 hatte Hülbrock unter anderem auch formuliert, in der politischen Auseinandersetzung heilige der Zweck nicht jedes Mittel. "Unser Weg zum Sozialismus (...) kann nicht mit Leichen gepflastert werden." Die aktuelle Debatte kommentiert Hülbrock wie folgt: "Es sind dieselben Banausen und Wahrheitsverdreher am Werk. Erneut ungerechtfertigt bietet sich dasselbe erbärmliche Schauspiel von Masse und Macht." Zur Haltung des Bundesumweltministers Jürgen Trittin zum "Mescalero-Nachruf" und zum Treffen zwischen Bubacks Sohn Michael und dem Minister schreibt Hülbrock: "Zu Ihrer Begegnung mit Trittin möchte ich Ihnen mein aufrichtiges Mitgefühl ausdrücken. Aber der hat nun wirklich nichts damit zu tun." An der Echtheit des Schreibens besteht kein Zweifel. Es wurde der REPORT Redaktion am 27.01.2001 über die Mutter von Klaus Hülbrock zugeleitet. Der eine DIN-A4 Seite umfassende Text wird Gegenstand der heutigen REPORT-Sendung sein und im Verlauf des Montags im Internet-Angebot unter www.swr.de/report in voller Länge veröffentlicht. REPORT MAINZ: Bundeswehrpersonal radioaktiv verstrahlt Grenzwert von 1964 bis 1983 um das 22ig-fache überschritten Mainz. Nach Rechechen des ARD-Politmagazins REPORT MAINZ wurden Techniker der Luftwaffe bei Instandsetzungsarbeiten an der Bordelektronik des Starfighters (F-104 G) radioaktiv verstrahlt. Die Elektronikspezialisten der Luftwaffenwerft 31 im bayerischen Landsberg am Lech waren bei Reparaturarbeiten in den Jahren 1964 bis 1983 täglich einer Kernstrahlung ausgesetzt, die den Grenzwert der Strahlenschutzverordnung (damals 500 Millirem pro Jahr) um das 22ig-fache überschritt. Eine so hohe Überschreitung der Grenzwerte ist in der Geschichte der Bundesrepublik nur bei wenigen Unfällen mit radioaktivem Material bekannt geworden. Josef Wollitzer, Hauptmann a.D. und ehemaliger Strahlenschutzverantwortlicher der Luftwaffenwerft 31, erklärte in REPORT MAINZ, es sei zwar zu jedem Zeitpunkt bekannt gewesen, dass bestimmte Bauteile der Starfighter-Elektronik radioaktiv waren, nicht aber, wie stark die Strahlung war, die von ihnen ausging. Er selbst und andere Strahlenschutzverantwortliche der Bundeswehr hätten deshalb Meßgeräte angefordert, um herauszufinden, welcher Strahlenbelastung die Techniker ausgesetzt waren. Doch die Bundeswehr habe "aus welchen Gründen auch immer" (Wollitzer) keine geeigneten Geräte zur Verfügung gestellt. Erst 1983 habe man dann zum ersten Mal das Überschreiten der Grenzwerte festgestellt. In einem internen Schreiben der Luftwaffenwerft 31, das REPORT MAINZ aus Bundeswehrkreisen zugespielt wurde, meldete ein Offizier seinen Vorgesetzten am 3. Februar 1983: "Die im o.a. Arbeitsbereich erreichten Personendosen überschreiten erheblich die im VMBL (Verteidigungsministeriumsblatt) vorgegebenen Grenzwerte." Auf die Messung und das Schreiben hin wurden dann im Jahr 1983 Schutzmaßnahmen getroffen, um die Strahlung zu reduzieren, der das Personal ausgesetzt war. Prof. Wolfgang Köhnlein, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Strahlenschutzkommission kritisiert in REPORT MAINZ den Umgang der Bundeswehr mit der Strahlenschutzverordnung: "Mir ist das neu, dass solche chaotischen (..) Arbeitsplätze vorhanden waren, dass Arbeitnehmer, Bundeswehrangehörige solchen Dosen ausgesetzt waren, die weit über dem liegen, was die Strahlenschutzverordnung einem, der mit Strahlung umgeht, jährlich zumutet." Wolfgang Köhnlein weiter: "Offenbar ist vieles unter den Teppich gekehrt worden oder vieles nicht an die Öffentlichkeit gedrungen, was letztlich sehr viel früher wäre abgestellt worden, hätte die Öffentlichkeit davon Kenntnis gehabt." Das Bundesverteidigungsministerium lehnte REPORT MAINZ gegenüber bisher jede Stellungnahme ab. Die Frage, wieviel Bundeswehrpersonal überhöhter radioaktiver Strahlung ausgesetzt wurde oder wird, beantwortet das Ministerium bislang nicht. Alleine vom ehemaligen Personal der Luftwaffenwerft 31 fordern 15 frühere Techniker Entschädigungen von der Bundeswehr für Gesundheitsschäden, die sie sich, nach eigenen Angaben, durch Strahlung am Arbeitsplatz zugezogen haben. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Report Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Fax 07221 929-2013 Internet: pressestelle@swr-online.de Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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