SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): Freitag, 19. Januar 2001 (Woche 3)/18.01.2001

    Baden-Baden (ots) -  
  
    21.45    Nachtcafé
                 Gäste bei Wieland Backes
                 Glückskinder und Pechvögel
                 Aufzeichnung vom 18.01.2001, Schloss Favorite in
                 Ludwigsburg
    
    Manchen scheint das Glück in die Wiege gelegt zu sein, anderen
klebt das Pech ein Leben lang an den Sohlen. Steht das in den Sternen
geschrieben? Oder ist Glück vielleicht nicht nur Glücksache, sondern
auch eine Frage der Einstellung? Letzteres predigen die
Glücksforscher in Amerika, wo das Recht auf Glücksuche durch die
Verfassung garantiert ist, jeder also seines eigenen Glückes Schmied
sein darf. Manchmal aber geht schief, was schief gehen kann - und das
so richtig. Gibt es da ein Gesetz der Serie? Oder redet man sich nur
selbst immer tiefer ins Unglück hinein? Gibt es eine Anleitung zum
Glücklichsein? Sicher ist, erzwingen lässt sich nichts. Das weiß
jeder, der ein Leben lang auf den Sechser im Lotto hofft. Der ist
laut Wahrscheinlichkeitsrechnung erst nach 26.892 Jahren drin. Und
wenn man dann vergessen hat, den Schein abzugeben ... Dumm gelaufen!
Pech gehabt! Selber Schuld? Darüber diskutiert Wieland Backes mit
seinen Gästen:
    
    Eckhard Freise hatte das Glück, als bislang einziger Kandidat bei
Günther Jauch die Million zu holen. Der Geschichtsprofessor sieht den
Lauf der Dinge eher nüchtern. Schicksalsprognosen sind für ihn nichts
anderes als "Taschenspielertricks."
    
    Penny McLean hingegen glaubt, dass unser Schicksal schon in der
Quersumme des Geburtsdatums festgeschrieben steht. Als Disco-Queen
und "Lady Bump" sorgte sie in den 70er Jahren für aufsehen. Heute ist
sie nicht minder erfolgreich als Lebensberaterin und Autorin
esoterischer Bücher. Größtes Glück ist für sie, in der eigenen
Bestimmung aufzugehen.
    
    Gottfried Johns Kindheit war geprägt durch den Lebenstraum seiner
Mutter "Rudi". Ihre Berufung als Künstlerin bedeutete für den
Charakterdarsteller ein abenteuerliches Vagabundendasein: zeitweise
im Heim, per Anhalter durch halb Europa, ohne zu wissen, was der
nächste Tag bringt. Doch er war keineswegs unglücklich in dieser
Zeit, sondern fügte sich mit blindem Gottvertrauen in sein Schicksal.

    
    Jens Schlegel ist jeglicher Glaube an das Glück im Leben abhanden
gekommen. Er wurde als schwer erziehbar ins Heim abgeschoben, landete
in einer Drückerkolonne und fand als zeitweise Obdachloser
Unterschlupf bei der Heilsarmee. Dann folgte der größte Streich, den
ihm das Leben spielte: Wegen eines Justizirrtums landete der
Pechvogel für eineinhalb Jahre unschuldig im Gefängnis.
    
    Für das "Hochsprung-Model" Amewu Mensah ist klar: "Wenn man an
allem zweifelt, dann muss es auch schief gehen." Die Olympia-Achte
von Sydney kann auch den Pechsträhnen ihrer Karriere etwas Positives
abgewinnen. Wegweisend war für sie ihre Adoption, die ihr ein Leben
in Deutschland ermöglichte. Im Jahr 2000 stellte sich für das
Glückskind auch das Glück in der Liebe ein: Amewu Mensah und
Olympiasieger Nils Schumann gelten in der Presse als das Traumpaar
des deutschen Sportverbands.
        
    Auch die Sozialpsychologin und Schriftstellerin Herrad Schenk sah
sich lange Zeit als Glückskind, dem alles gelang, was es anpackte.
Doch durch den plötzlichen Verlust ihres Lebensgefährten änderte sich
ihre Einstellung zum Schicksal grundlegend.  Heute sagt sie: "Unser
Gestaltungsspielraum bei der Glückssuche wird überschätzt. Wir
unterliegen einem Machbarkeitswahn."

    An der Bar: Rolf Babiel. Er wurde nach zwei Fluchtversuchen aus
der DDR ausgebürgert und versucht sein Glück in New York. Mit seinen
deutschen Bratwürsten mischt er dort das Fast-Food-Geschäft auf:
"Trabant", "Wartburg" und "Opel" heißen die kulinarischen
Köstlichkeiten, die das amerikanische Herz begehrt. Trotz einer
Pechsträhne mit mehreren Pleiten und Überfällen kann ihn nichts so
leicht erschüttern. Sein mobiler "Pushcart" bringt den modernen Hans
im Glück immer wieder auf die richtige Bahn.
    
    
    Freitag, 19. Januar 2001  (Woche 3)/18.01.2001
    
    23.15    Nachtkultur
                 Moderation: Markus Brock
    
    Der "sprechende Knochen" - die Kulturgeschichte des Telefons:
    Als Johann Philipp Reiss vor 140 Jahren zum Hörer greift, hat das
für die Geschichte ungeahnte Folgen. Der hessische Dorfschullehrer
will Töne und Klänge mittels Elektrizität übertragen und überzieht
dafür ein aus Eichenholz geschnitztes Ohr mit einer dünnen
Schweinsdarm-Membran. 1861 führt er seine Erfindung in Frankfurt vor.
Das Patent wird schließlich 1876 von einem anderen angemeldet. Der
Amerikaner Graham Bell kommt zwar später darauf, schaltet aber
schneller. Er hat die Mittel und Kontakte, das Telefon zu dem Medium
zu machen, das die ganze Welt miteinander verbindet. Allen voran
waren es damals wie heute die Banken und Börsen, die den Vorteil des
heißen Drahts nutzten. Stefan Münker und Alexander Roesler haben in
ihrem "Telefonbuch" Beiträge zur Kulturgeschichte des Telefons
gesammelt - das Telefon in Literatur, Kunst, Film und Philosophie.
    
    "Poem" - Der Regisseur Ralf Schmerberg verfilmt 24 Gedichte für's
Kino:
    Was bislang geschah? Ralf Schmerberg aus Stuttgart hat sich in den
80er Jahren einen Namen als Fotograf und Party-Gestalter gemacht, in
den 90ern mauserte er sich zum gefragten Videoclip-Regisseur (Die
Fantastischen Vier, Freundeskreis) und zum international
ausgezeichneten Werbefilmer. Jetzt verwirklicht der Wahl-Berliner ein
anspruchsvolles Projekt - einen Kinofilm, in dem 24 Gedichte von
namhaften Autoren aus dem 20.Jahrhundert visuell umgesetzt werden und
eine Geschichte erzählen. Schmerberg greift dabei tief in die
Promi-Kiste - auf mehreren Ebenen. Die Texte stammen von Dichtern wie
Hesse, Celan und Heiner Müller. In Szene gesetzt werden sie mit
Schauspielern wie David Bennent, William Dafoe, Merit und Ben Becker,
Klaus-Maria Brandauer und Hanna Schygulla. "Nachtkultur" war bei den
Dreharbeiten dabei und berichtet über die Hintergründe des
ungewöhnlichen Kino-Projekts.
    
    Happy Birthday - Placido Domingo zum 60. Geburtstag:
    Placido Domingo, 1941 in Madrid geboren, hat eine steile Karriere
hinter sich. 1961: Debüt als Tenor an der Oper in Mexico City, 1968:
endgültiger Durchburch an der Metropolitan Opera in New York, 1973:
Debüt als Dirigent an der New Yorker City Opera, 1996: Erste Tournee
zusammen mit Luciano Pavarotti und José Carreras als "Die drei
Tenöre". Seit 30 Jahren ist Placido Domingo mit über 50 Opern auf
allen großen Bühnen der Welt zu Hause und einer der gefragtesten
Tenöre unserer Zeit. Am 21. Januar feiert er seinen 60. Geburtstag.
"Nachtkultur" gratuliert.    
    
ots Originaltext: SWR
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