SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): Thierse: Einige deutsche Unternehmen sind moralisch taub
Prominente aus Politik und Wirtschaft rufen im SWR zu Zahlungen in den Entschädigungsfonds auf

Baden-Baden (ots) - Zahlreiche Prominente aus Politik und Kultur appellieren im Südwestrundfunk (SWR) an die deutsche Wirtschaft, endlich den Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter auf fünf Milliarden Mark aufzufüllen. Aus Anlass des heutigen SWR-Aktionstages am Mittwoch, 13.12., "Gegen das Vergessen" sagte Ex-Außenminister Klaus Kinkel (FDP): "Es wirft kein gutes Bild auf Deutschland, dass noch 1,6 Milliarden Mark im Entschädigungsfonds fehlen." Kinkel wörtlich: "Das ist ein mieses Bild der deutschen Industrie." Bundestagspräsident Wolfgang Thierse erklärte gegenüber dem SWR: "Es ist ein moralischer Skandal für die deutsche Wirtschaft, dass sie sich mit fadenscheinigen Gründen verweigert, der Verpflichtung nachzukommen." "Einige Unternehmen sind moralisch schlicht taub", meinte der Bundestagspräsident. Thierse erinnerte daran, dass der deutsche Steuerzahler drei viertel der Spenden der Industrie zahle. "Kunden und Konsumenten müssen daran erinnert werden, welche Firmen hier unmoralisch handeln", meinte Thierse. Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, vertrat im SWR die Meinung, dass "sich niemand der historischen Verantwortung entziehen" könne. Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass sprach ebenso wie die Publizistin Carola Stern von einem Skandal, dass 55 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Zwangsarbeiter noch nicht entschädigt worden seien. Carola Stern appellierte an die Betriebsräte und Gewerkschaften, an die Unternehmensleitungen heranzutreten und sie zu Zahlungen in den Entschädigungsfonds zu motivieren. Nach Meinung von Günter Grass "fehlt der Druck der Öffentlichkeit" auf die Industrie. Die Entschädigung der noch lebenden ein bis zwei Millionen Entschädigungsberechtigten dürfe nicht - so wörtlich - "an der Hartherzigkeit und Taubheit der Industrie scheitern". Rocksänger Manfred Niedecken meinte im SWR: "Die Industrie kneift. Dabei hat sie doch lange an den Zwangsarbeitern verdient." Im Rahmen der von SWR-Hörfunkdirektor Bernhard Hermann angeregten Programminitiative "Gegen das Vergessen - SWR-Aktionstag Zwangsarbeiter" informieren heute (13. Dezember) alle SWR-Hörfunkprogramme mit insgesamt über 50 Beiträgen, Hintergrundberichten und Interviews über NS-Zwangsarbeiter und die Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft. Im Internet finden Sie unter www.swr.de/aktionstag weitere Informationen und Links zum Thema sowie eine Übersicht aller SWR-Hörfunksendungen. Auf der Internetseite sind auch ausgewählte Beiträge und Interviews als Audiofiles abgelegt sowie Textdateien der meisten Interviews zum Herunterladen. Außerdem werden die Beiträge über den ARD-Verteiler angeboten. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Georg Brandl, SWR Programmpresse Hörfunk, 76522 Baden-Baden, Tel. 07221/929-3216, E-Mail: georg.brandl@swr.de Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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