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Das Erste: Presseinformation REPORT Mainz, Montag, 11.12.2000 , 21.00 Uhr im ERSTEN

Baden-Baden (ots) - REPORT MAINZ: Schering lässt neue Nebenwirkungen der Anti-Baby-Pille erforschen Fachmediziner befürchten negative Auswirkungen auf Knochenaufbau Besonders betroffen sind junge Mädchen Mainz. Der Berliner Pharmakonzern Schering, einer der großen Anbieter von Anti-Baby-Pillen weltweit, lässt seit 1996 in unterschiedlichen Studien mögliche neue Nebenwirkungen der Anti-Baby-Pille erforschen. Es dreht sich um die sogenannten Mikro-Pillen, im Fachterminus "niedrigdosierte orale Kontrazeptiva" genannt. Dies berichtet das ARD-Politmagazin REPORT Mainz (SWR) unter Berufung auf die der Redaktion vorliegende vertrauliche Studie (Nr: 98089) mit dem Titel "Effekte niedrig-dosierter oraler Kontrazeptiva auf Parameter von Knochenstoffwechsel und Knochendichte" des Schering-Konzerns. In dieser vertraulichen Studie ist der sogenannte Prüfplan für die laufenden Untersuchungen formuliert. Nach diesem Prüfplan arbeitet derzeit Professor Dieter Felsenberg vom Universitätsklinikum Berlin (Benjamin Franklin) mit sorgfältig ausgesuchten Probandinnen. Professor Felsenberg kann sich dabei nach REPORT-Recherchen auf erste Ergebnisse einer Studie stützen, die in München im Auftrag von Schering begonnen worden war. Die von REPORT interviewten Mediziner gehen allesamt von der Gefahr eines reduzierten Knochenaufbaus aus, ganz besonders dann, wenn die Mikro-Pille schon in jungen Jahren (14-18 Jahre) regelmäßig eingenommen wurde. Durch diesen reduzierten Knochenaufbau drohen den Frauen vermehrt Knochenbrüche und später ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Dr.med. Manfred Hartard von der TU-München sagte gegenüber REPORT Mainz: "Die Mädels, die in diesem Alter die Pille nehmen, müssen einfach damit rechnen, dass ihr Knochen beeinflusst wird... Der Knochen wird einfach nicht mehr so kräftig, und er wird eventuell sogar mehrfach brechen." Hartard bezieht sich bei seinen Aussagen auf eigene Untersuchungen sowie auf Untersuchungen aus England und Italien. Der Osteoporose-Experte Professor Dieter Felsenberg sagte gegenüber REPORT Mainz: "Hypothetisch muss man davon ausgehen, das in diesem Alter (bei jungen Mädchen) die Knochenentwicklung noch nicht abgeschlossen ist." Ich denke, "dass es eher negativ für die jungen Mädchen ist, zu früh Gestargen-Östrogen-Kombinationen zu nehmen." Die beiden Hormone sind die wesentlichen Bestandteile der Anti-Baby-Pille. Felsenberg hofft, seine Studie im Auftrag von Schering Ende 2001 abgeschlossen zu haben. Schering selbst äußerte sich gegenüber REPORT Mainz schriftlich. Danach geht das Unternehmen davon aus, dass ein "generelles Risiko eines negativen Einflusses auf den Knochenaufbau junger Frauen (bei Pilleneinahme) nach Auffassung von Schering und der meisten Fachleute ausgeschlossen werden kann." Nach dem REPORT vorliegenden Prüfplan von Schering räumt der Konzern gleichwohl ein, dass es kontroverse Meinungen in der Wissenschaft gebe. Deshalb wurde die Studie in Auftrag gegeben. Die Anti-Baby-Pille wird in Deutschland von ca. 6 Millionen Frauen benutzt. Nach REPORT vorliegenden Marktforschungen des Emnid-Instituts von 1998 werden die Benutzerinnen immer jünger. Derzeit liegt das Durchschnittsalter bei der Erstanwendung bei 15.5 Jahren. 1,3 % der Benutzerinnen sind sogar jünger als 14 Jahre. Im kommenden Jahr feiert die "Pille" ihren 40. Geburtstag. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen rufen Sie bitte REPORT Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Der Text steht als RTF-Datei unter: http://www.swr/report zur Verfügung. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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