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REPORT Mainz, heute, 20.11.2000 , 21.00 Uhr im ERSTEN

Baden-Baden (ots) - REPORT MAINZ: Ermittler des Eisenbahn-Bundesamtes deckt auf: Sicherheitsmängel und Vertuschung bei der Deutschen Bahn AG Bahnchef Mehdorn lässt Regierungsbeamten für die Enthüllung abstrafen Mainz: Nach Recherchen von REPORT MAINZ hat Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, dafür gesorgt, dass ein Beamter des für die Einhaltung der Sicherheit bei der Bahn zuständigen Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) von seinen bisherigen Aufgaben entbunden wurde. Auslöser ist der Vortrag des Regierungsbeamten über gravierende Sicherheitsmängel und deren Vertuschung durch die Deutsche Bahn AG. Der Referent, Walter Kripgans, bisheriger Sachbereichsleiter in der EBA-Außenstelle Hamburg und einer der Chefermittler beim ICE-Unglück von Eschede, warf der Bahn AG in diesem Vortrag systematische Verfehlungen im Sicherheitsbereich vor. Im Rahmen eines Symposiums der Hamburger Landesfeuerwehrschule im Juli dieses Jahres erklärte er: "Täglich stellen wir Rechtsvertöße fest, täglich wird gegen Sicherheitsbestimmungen und gegen die anerkannten Regeln der Technik verstoßen." Im Redemanuskript, das REPORT MAINZ vorliegt, nennt Kripgans vier konkrete Beispiele für schwerwiegende Sicherheitsmängel. Die Bahn habe die Behebung dieser Mängel verschleppt und in der Öffentlichkeit vertuscht oder verharmlost. Kripgans beschrieb vor den Feuerwehrleuten skandalöse Zustände bei der Deutschen Bahn AG: "Es gibt Fälle, wo Führungskräfte der Bahn AG unter dem Mantel der Verschwiegenheit mich persönlich gebeten haben, verwaltungsrechtliche Maßnahmen auf Grund von Mängeln einzuleiten, die in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich liegen, weil sie nur so erreichen können, dass ihnen von ihren Vorgesetzten Geld zur Beseitigung von Mängeln bewilligt wird." Nach Recherchen von REPORT MAINZ forderte nach dem Vortrag der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, in einem REPORT Mainz vorliegenden Brief an Horst Stuchly, den Präsidenten des Eisenbahn-Bundesamtes, Walter Kripgans für diese Enthüllungen zu sanktionieren. Mehdorn schrieb: "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie Herrn Kripgans und wahrscheinlich viele andere Damen und Herren aus dem EBA, die so denken wie er, auf dieses Thema ansprechen, bzw. zur Rechenschaft ziehen würden." REPORT-Informationen zufolge wurde Walter Kripgans wenige Tage später aus seiner Dienststelle entfernt, seiner Aufgaben entbunden und in die Zentrale des EBA nach Bonn versetzt. EBA-Präsident Stuchly antwortete Mehdorn unverzüglich in einem REPORT MAINZ vorliegenden Schreiben: "Mich und die Leitung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) hat die Art und Weise des Vortrages genauso erschüttert wie Sie. Ich habe Herrn Kripgans vorläufig von seinen Aufgaben entbunden und weitere ablauforganisatorische Maßnahmen zum Auftreten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des EBA in der Öffentlichkeit eingeleitet." Im Interview mit REPORT MAINZ räumt der EBA-Präsident ein, dass der ehemalige Bundesverkehrsminister Klimmt über den Vorgang informiert war und die Staatssekräterin Elke Ferner in einem persönlichen Gespräch mit Horst Stuchly der Versetzung von Walter Kripgans zugestimmt hatte. Das Bundesverkehrsministerium war REPORT gegenüber zu keiner Stellungnahme bereit. Die Union fordert eine vollständige Aufklärung im Fall Kripgans durch den Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags. Dirk Fischer, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, erklärte gegenüber REPORT: "Man muss den Eindruck haben, so wie die zeitliche Abfolge ist - Beschwerdebrief Mehdorn, wenige Tage später eine Versetzung, dass dieses auch eine Folge des Briefes Mehdorn war, und wenn dieses vom Eisenbahn-Bundesamt und mit Billigung des Ministeriums geschehen ist, dann halte ich das für einen völlig unglaublichen Eingriff in die Kontrollfunktion des Eisenbahn-Bundesamtes." Die Eisenbahnergewerkschaft wertet den Vorgang genauso. Weiterführend bestätigte Norbert Hansen, der Präsident der Gewerkschaft Transnet in REPORT, dass die Tendenz des Kripgans-Vortrages auch den Erfahrungen der Eisenbahner-Gewerkschaft entspricht: "Das, was hier von Herrn Kripgans vorgetragen worden ist, kennen wir aus vielen anderen ähnlichen Beispielen anderer Mitarbeiter auch. Auch mir werden solche Berichte häufig gegeben und ich gebe sie weiter an die Verantwortlichen im Unternehmen. Das ist lange Zeit nicht ernst genug verfolgt worden, das hat zu erheblichen Problemen in der Zuverlässigkeit des Eisenbahnbetriebes schon geführt." Die Hamburger Landesfeuerwehr hat unterdessen Walter Kripgans für sein "Eintreten für die Sicherheitsbelange" für die Verleihung des Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuzes vorgeschlagen. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an REPORT Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Der Text steht als RTF-Datei unter: http://www.swr.de/report zur Verfügung. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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