SWR - Südwestrundfunk

SWR-Programmhinweis/ Sonntag, 19. November
17.30 - 18.00 Uhr Kanadas verlorene Kinder - Die Opfer der Missionsschulen
Ein Film von Ute Heers und Klaus Hempel

    Baden-Baden (ots) - Sie galten als Wilde und sollten lernen, wie Weiße zu denken und zu leben. Sie wurden ihren Eltern entrissen, wurden in Internate eingewiesen, dort misshandelt, missbraucht, tausendfach. Jetzt fordern Kanadas Indianer Wiedergutmachung.          1874 beschloss die kanadische Regierung, Indianerkinder in kirchliche Missionsschulen einzuweisen, um sie dort umzuerziehen. Die Internate, die von der kanadischen Regierung finanziert und von den Kirchen als Missionsschulen verwaltet wurden, dienten alle dem gleichen Ziel: Die Indianer sollten assimiliert, deshalb die indianische Kultur ausgerottet werden. Die Verantwortlichen wussten: Wenn die Sprache stirbt, stirbt auch die Kultur. Deshalb war es den Kindern strengstens verboten, ihre Stammessprache zu sprechen. Wer sich nicht daran hielt, wurde hart bestraft. Schläge mit dem Lederriemen waren alltäglich und als Züchtigungsmittel von der Regierung offiziell abgesegnet. Es gab Kinder, denen Nadeln in die Zunge gestochen wurden, nur weil sie ihre Stammesprache gesprochen hatten.

    Vor allem in der Anfangszeit waren die Schulen in einem katastrophalen Zustand, weil die Regierung nicht genug Geld bereit stellte. Viele Kinder erkrankten an Tuberkulose und starben. In manchen Schulen starb zeitweise fast jedes zweite Kind.

    Über 100 Jahre lang, bis in die jüngste Vergangenheit, hielt sich
dieses unmenschliche, rassistische System. In Kanada leben heute rund
eine Million Indianerinnen und Indianer. Schätzungsweise 250.000
waren in einem der Internate, die es in ähnlicher Form auch in den
USA und in Australien gegeben hat. Erst vor wenigen Jahren wurde in
Kanada das letzte Internat geschlossen.
    
    Das ganze Ausmaß des Missbrauchs zeigt sich erst jetzt. Mehr als
10.000 Opfer der Missionsschulen haben die kanadische Regierung und
die Kirchen auf Schadenersatz  verklagt - die größte Prozesslawine in
der kanadischen Rechtsgeschichte. Viele der Kläger wurden von ihren
Aufsehern sexuell missbraucht. Die eingeklagten Summen gehen in die
Milliarden. Die protestantische United Church und die anglikanische
Kirche fürchten bereits den Bankrott.
    
    Neben Kirchenvertretern kommen in der Dokumentation "Kanadas
verlorene Kinder - Die Opfer der Missionsschulen" vor allem die
Überlebenden der Indianerinternate zu Wort. Sie erzählen, was sie in
den Schulen haben, welche Auswirkungen sie auf ihr späteres Leben
hatten, wie sie versucht haben, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Alle
Befragten waren alkohol- oder drogenabhängig.
    
    In einem Drogentherapiezentrum, das Indianer selbst eingerichtet
haben, versucht man heute den Teufelskreis von Missbrauch und Gewalt
zu durchbrechen. Betroffene werden therapiert - mit Hilfe
traditioneller Heilungsmethoden. Zum Beispiel der Schwitzhütte.
Obwohl bei religiösen Zeremonien normalerweise absolutes Drehverbot
herrscht, durften die Autoren an einer
Schwitzhütten-Heilungszeremonie, einer uralten indianischen
Heilmethode, teilnehmen und deren Vorbereitung filmen.  
    
    In Kanada schlägt das Thema "Missionsschulen" derzeit hohe Wellen.
In Deutschland ist die Dokumentation der erste Film, der sich mit
diesem Thema beschäftigt. Er entstand in Koproduktion mit dem
Schweizer Fernsehen DRS.
    
    Biografien der Autoren:
    
    Ute Heers, Jahrgang 1961, hat Germanistik und
Politikwissenschaften studiert und arbeitet seit 7 Jahren beim
Südwestrundfunk als Fernseh-Autorin, vor allem im Bereich Religion,
Kirche und Gesellschaft.
    
    Klaus Hempel, Jahrgang 1964, ist Jurist und arbeitet vorwiegend
als Wirtschaftsredakteur beim Südwestrundfunk. Im vergangenen Jahr
hat er ein Hörfunk-Feature über die Geschichte der kanadischen
Missionsschulen produziert.
    
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