SWR - Südwestrundfunk

Das Erste: Fallbeispiel: EM.TV
Das Evangelium des Geldes
SWR-Feature "Wo das Geld wächst" wirft Blick auf die Börseneuphorie

Baden-Baden (ots) - Der Neue Markt, die New Economy ist in aller Munde. Längst sind die Zeiten vorbei, dass Oma ihre Ersparnisse in den Sparstrumpf steckt oder unter der Matraze aufbewahrt. Es wird spekuliert und in Aktien investiert. In der Bundesrepublik hat eine Börseneuphorie um sich gegriffen, die in diesen Unmaßen bisher unbekannt war. In Zeiten, in denen das Milieu und die Wertehaltung über den Lebensstil entscheiden, sind auch die konventionellen Anlageformen für Finanzen ins Wanken geraten. Man kann sich zu Recht fragen: Ändert sich die Geldkultur? Risikobereit sind keineswegs nur junge aufstrebende Leute oder solche aus dem Banken- und Börsenmilieu, sondern breite Bevölkerungskreise. Die bunte Zusammensetzung der Spekulanten sprengt alle Vorstellungen über ihr Alter, ihr Geschlecht oder ihre Herkunft. Der Südwestrundfunk (SWR) strahlt am Mittwoch, 15. November 2000, um 21.45 Uhr im Ersten das Feature "Wo das Geld wächst - Die EM.TV-Story" aus, das am Fallbeispiel des rasanten Kurs-einbruches des bayerischen Medienunternehmens die neuen EM.TV-Aktionäre und ihre Geld-Mentalität in Augenschein nimmt. Gedreht hat den Beitrag der mehrfach preisgekrönte SWR-Redakteur Marcus Vetter ("Der Tunnel", "Daytrader"). EM.TV ist eine jener deutschen Firmen, die zur New Economy gezählt werden. Sie hat in wenigen Jahren einen Höhenflug an der Börse hingelegt. Zeigt sich die deutsche Kino-Industrie im internationalen Vergleich eher angeschlagen, haben die beiden Brüder Florian und Thomas Haffa aus Pfaffenhofen mit der Vermarktung von Medienrechten, insbesondere Trick- und Animationsfilmen, Milliarden gemacht: Mit Biene Maja, Pinocchio, Heidi, Sindbad, Fred Feuerstein oder Tom & Jerry legten sie den Grundstein zum internationalen Filmgeschäft, und mit dem Börsengang stiegen die beiden Haffas in die Riege der "Global Player" auf. Die Firmenkapitalisierung stieg in der Spitze auf über 40 Milliarden Mark, der Aktienkurs stieg um 34.000 Prozent. Die Anfänge der Firma liegen im bayerischen Pfaffenhofen, wo die Brüder Haffa aufgewachsen und zur Schule gegangen sind. Dort kennen sich Sparkassenvorstand, Firmenchef und Aktionäre noch persönlich. Und dort sitzen auch heute noch, nach dem zwischenzeitlich rasanten Fall der EM.TV-Aktien, die treuesten Aktionäre: Hopfenbauern, Handwerker, Landwirte und Bankangestellte. Wer beim Börsenstart von EM.TV 3.000 Mark gesetzt hatte, ist Millionär geworden - wenigstens auf dem Papier. Um diesen Siegeszug auch gebührend zu feiern, macht sich jedes Jahr ein kleiner Reisebus mit Pfaffenhofenern auf den Weg zur Hauptversammlung von EM.TV. Marcus Vetter hat einige von ihnen in den Tagen vor und nach der Hauptversammlung von EM.TV besucht und mit ihnen über zerplatzte Träume, schnelles Geld und harte Arbeit gesprochen. So unterschiedlich die Motivationen der Kleinaktionäre auch sein mögen, eines verbindet sie alle - der Traum, mit wenig Arbeit viel Geld zu verdienen. Zwar sind sie weit davon entfernt, ihr Leben umzukrempeln und sich nur noch dem Lebensgenuss hinzugeben, aber sie gehören sozusagen noch zur ersten Generation der neuen Aktienbesitzer. Hopfenbauern, von denen es in der Hallertau noch immer eine ganze Menge gibt, sind schon immer im internationalen Geschäft tätig, denn der Hopfenpreis wird in Dollar berechnet. Von der Hopfen-Ernte, das wissen auch Schorsch Fuchs und Sohn, hängt ihr Wohlergehen viel mehr ab als vom Aufstieg und Fall der Aktienkurse. Für seinen Schutz gibt es immerhin einen landwirtschaftlichen Warndienst, der den Einfall von Schädlingen ankündigt und ihre rechtzeitige Abwehr ermöglicht. Bei den Aktiengeschäften ist man auf sich selbst gestellt. "Es ist wie mit einer Schafherde, einer läuft, die anderen laufen nach", sagt Schorsch, "man muss halt wissen, wann die Schafherde mit dem Laufen aufhört." Der SWR-Autor Marcus Vetter ist mit engagierten Fernsehporträts, Magazinbeiträgen, Reportagen und Dokumentarfilmen hervorgetreten und hat für sein erstes Dokudrama "Der Tunnel", das 1999 erstmals im Südwest-Fernsehen ausgestrahlt wurde und am 1. Februar 2001 um 23.00 Uhr im Ersten gesendet wird, gleich vier Preise erhalten: den Grimme Preis 2000, den Deutschen Fernsehpreis 2000 sowie eine lobende Erwähnung beim Deutschen Kamerapreis Schnitt und dem Prix Europa 2000. Auch seine Wirtschaftsreportage "Ein Schweinegeld" über sogenannte Daytrader wurde zweimal ausgezeichnet: mit dem Axel Springer Preis 2000 und dem Ludwig Erhard Preis für Wirtschaftspublizistik 2000. Marcus Vetter wurde 1967 in Stuttgart geboren. Nach einem Sprachstudium in Buenos Aires (Agentinien) und Wirtschaftsstudium in Worms absolvierte er bei der Bavaria ein Volontariat. Daran schloss sich ein Aufbaustudium der Medienwissenschaften an. 1994 begann er beim damaligen Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart seine erfolgreich Arbeit für den SWR. Zu seinem neuen Feature sagt Vetter: "Das Börsenfieber macht uns zu Verführten, die Performance des Geldes innerhalb der New Economy ist so perfekt, dass wir Illusion und Wirklichkeit verwechseln. Ich wollte einen Film machen, der daran erinnert, dass Geld nicht alles ist, und wir das schnell Gewonnene genauso schnell wieder verlieren können." Ausgestrahlt wird der SWR-Beitrag "Wo das Geld wächst - die EM.TV-Story" am Mittwoch, 15. November 2000, um 21.45 Uhr im Ersten. Wichtiger Hinweis: Um neueste Entwicklungen zu berücksichtigen, sind bis zur Ausstrahlung der Sendung Aktualisierungen des Inhaltes durch die Redaktion möglich. Diesen Text zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.swr.de/presse/news/index.html ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen bitte an Gabi Schlattmann, SWR Programmpresse, unter Telefon 07221/929-3283. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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