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REPORT Mainz, Montag, 30.10.2000, 21.00 Uhr im Ersten

Baden-Baden (ots) - REPORT MAINZ: Mittelstand blockiert Stiftungsinitiative zur Zwangsarbeiterentschädigung Bundesverband mittelständische Wirtschaft: "Benötigte Summe wird vom Mittelstand nicht kommen" Hans-Jochen Vogel: Gründungsmitglieder stehen im Wort Der Streit um den fehlenden Betrag von 1,7 Milliarden DM im Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern spitzt sich zu. Nach einem Bericht des ARD-Magazins REPORT Mainz sperren sich zahlreiche namhafte Mittelständler weiterhin gegen eine Zahlung. Der Hamburger Schuhhändler Ludwig Görtz kritisierte gegenüber dem Magazin die Verhandlungsführung von Otto Graf Lambsdorff. Dieser habe nur im Interesse der Konzerne eine Lösung gefunden, die in den USA Geschäfte machen. "Er hat dann für die deutsche Wirtschaft gesprochen," so Görtz, "ohne von dieser deutschen Wirtschaft einen Auftrag bekommen zu haben." Dies sei eine Vorgehensweise, die man nicht akzeptieren könne. Die Aufsichtsratspräsidentin der Underberg AG, Hubertine Underberg-Ruder, erklärte gegenüber REPORT, es sei richtiger, dass diejenigen zunächst beitrügen, die auch Zwangsarbeiter beschäftigt hätten. Der Inhaber des schwäbischen Textilherstellers TRIGEMA, Wolfgang Grupp, sagte REPORT, TRIGEMA sei der Stiftungsinitiative nicht beigetreten, weil das Unternehmen sich keiner Schuld bewusst sei und nie Zwangsarbeiter beschäftigt habe. Nach REPORT-Informationen unterstützen große Teile des Mittelstandes diese ablehnende Haltung. So sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Dieter Härthe, gegenüber REPORT, "dass die noch zu erwartenden Appelle an die mittelständische Wirtschaft nicht fruchten werden." Er sei überzeugt, "dass die noch benötigte Summe im Stiftungsfonds durch diese Appelle aus der mittelständischen Wirtschaft nicht kommen wird." Er beruft sich dabei auf zahlreiche Gespräche mit mittelständischen Unternehmern in ganz Deutschland. Sie würden grundsätzlich für sich den Sinn der Stiftungsinitiative nicht einsehen. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft in Berlin ist die Vertretung von 150.000 mittelständischen Unternehmen. Hauptgeschäftsführer Dieter Härthe wirft der Stiftungsinitiative grundsätzliche Versäumnisse vor: Die Mittelstandsvertretung sei bei den Verhandlungen nicht gefragt worden. Diesen Fehler könne man nun, da Geld fehle, nicht mehr gut machen. Angesichts der Blockadehaltung des deutschen Mittelstandes sieht der ehemalige SPD-Vorsitzende Dr. Hans-Jochen Vogel die Gründungsmitglieder der Stiftungsinitiative in der Pflicht. "Die Stiftungsinitiative selbst, und das sind die Gründungsfirmen, stehen im Wort. Und ohne dass ich das jetzt zu sehr in den Vordergrund schieben will, weil andere sich dann wieder darauf berufen, die müssen letzten Endes dann für die fehlenden Beträge geradestehen.," so Vogel gegenüber REPORT. Diese Lösung hält der Vorstandssprecher der Stiftungsinitiative und Finanzvorstand der Daimler-Chrysler AG, Dr. Manfred Gentz, für schwer durchsetzbar. Man müsse sich klarmachen, "dass auch die Gründungsunternehmen alle finanzielle Verpflichtungen diesen Ausmaßes ohne Rücksicht auf ihre Aktionäre nicht eingehen können." ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an REPORT Mainz, Tel.: 06131/929-3351. Der Text als RTF-Datei unter: http://www.swr-online.de/report zur Verfügung. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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