SWR - Südwestrundfunk

Großer Erfolg der Donaueschinger Musiktage 2000
Mehr als 12.000 Besucher, ausverkaufte Spielstätten und gelungene musikalische Experimente

Baden-Baden (ots) - Auch im 50. Jahr der Zusammenarbeit der Donaueschinger Musiktage mit dem Südwestrundfunk (SWR) war das international renommierteste Festival für Neue Musik wieder ein attraktiver Anziehungspunkt für Künstler und Fachpublikum aus dem In- und Ausland: Alle Veranstaltungen waren ausverkauft. Mit 20 Uraufführungen, sämtlich Auftragswerke des SWR, ca. 200 Künstlern und mehr als 12.000 Zuschauern an drei Tagen (20.10. - 22.10.) bezeichneten die Veranstalter die diesjährigen Musiktage als vollauf gelungen. Ein Lob, das in erster Linie dem hohen künstlerischen Niveau der Kompositionen, der Experimentierfreudigkeit der eingeladenen Komponisten und der souveränen Leistung der Interpreten gilt, wie Armin Köhler, verantwortlicher Redakteur des SWR für die Donaueschinger Musiktage, bei der Abschlusspressekonferenz am Sonntagnachmittag in Donaueschingen hervorhob. SWR Hörfunkdirektor Bernhard Hermann wies darauf hin, dass der SWR, bzw. sein Vorgängersender SWF seit 50 Jahren maßgeblicher finanzieller Förderer, künstlerischer Motor und damit Garant dieses Festivals sei, ohne das die Musikgeschichte des vergangenen Jahrhunderts anders, nämlich unter sehr viel kommerzielleren Zwängen verlaufen wäre. Dennoch sei es in den vergangenen Jahren notwendig gewesen, die Finanzierung der Musiktage durch weitere Partner zu sichern, wobei der SWR mit 900.000 DM direkter und indirekter Kosten nach wie vor den weitaus größten Anteil trage. In Bezug auf die künftige finanzielle Sicherung der Musiktage wurde erklärt, dass alle Förderer, die Kultur-Stiftung der Deutschen Bank, das Land Baden-Württemberg, das Bundesministerium des Inneren sowie der SWR, ab dem kommenden Jahr ihren finanziellen Beitrag paritätisch um jeweils 12,5 % erhöhen. Michael Münch von der Kultur-Stiftung der Deutschen Bank versicherte, dass die finanzielle Unterstützung von ihrer Seite aus bis 2003 gewährleistet sei. Dr. Bernhard Everke, Oberbürgermeister von Donaueschingen, sicherte zu, dass auch die Stadt, die erheblich von dem Imagegewinn durch die Musiktage profitiere, ihre Leistungen erhöhen werde. Obwohl die diesjährigen Musiktage unter keinem Motto standen, dominierten Raumklang-Kompositionen als künstlerisches Konzept: So etwa im Eröffnungskonzert am Freitagabend bei der Komposition "Modell" des Franzosen Mark André oder beim Abschlusskonzert "Der Engel der Geschichte" von Vinko Globokar, beide uraufgeführt vom SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter Leitung von Lothar Zagrosek bzw. Sylvain Cambreling. Cambreling, seit einem Jahr Chefdirigent des Orchesters, würdigte die außerordentliche Leistung aller Musiker und betonte, dass jeder einzelne durch seinen Einsatz die jeweilige besondere Ästhetik der in Donaueschingen uraufgeführten Werke befördere. "Da spielt jeder Einzelne sozusagen um sein Leben. Ich kenne viele renommierte Orchester dieser Welt, aber eine solche Arbeit kann ich nur mit diesem sehr engagierten Orchester machen, dem ich vollkommen vertraue." Orchestermanager Reinhard Oechsler unterstrich dies und lobte das Orchester für seine ganz besondere Professionalität und Flexibilität. Sein Profil sei durch Donaueschingen geprägt, was nicht zuletzt Grund für das internationales Renommee des Orchesters sei. Deshalb werde es auch regelmäßig zu internationalen Festivals für Neue Musik eingeladen. Dennoch betonte Oechsler, dass das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg trotz seiner eindeutigen Ausrichtung auf zeitgenössische Musik kein reines Spezialorchester sei. Vielmehr seien im Spielplan für die kommende Saison, den er bei der Pressekonferenz ebenfalls vorstellte, auch Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert vertreten. Dorothea Enderle, Leiterin des Ressorts Musik bei SWR2, unterstrich, dass die Aufführungen der Donaueschinger Musiktage eine wichtige Rolle im Programm von SWR2 spielen. SWR2 verbanne zeitgenössische Musik nicht auf einen nächtlichen Sendeplatz. Vielmehr könne man sie mit einem regelmäßigen Programmplatz am Dienstagabend um 19.00 Uhr als "Normalfall im Programm" bezeichnen. Das Kulturprogramm von SWR2 sei im besten Sinne konservativ: Man halte bewusst an der Tradition des Einschaltradios fest. Der Förderpreis Komposition der Donaueschinger Musiktage wurde in diesem Jahr nicht vergeben, da die Jury einstimmig der Auffassung war, dass die Qualität der insgesamt 89 Einreichungen aus 26 Nationen dem Anspruch des Festivals nicht genügten, erklärte Armin Köhler. Als Grund dafür nannte Sylvain Cambreling, in seiner Funktion als Mitglied der Jury des Förderpreises, unter anderem die Tatsache, dass kaum eines der eingereichten Werke als echtes Orchesterwerk bezeichnet werden könne. Vielmehr seien Werke mit Performancecharakter eingereicht worden oder solche, bei denen eher das intellektuelle als das kompositorische Konzept überzeugt habe. Als Konsequenz aus der Nichtvergabe umriss Armin Köhler ein neues Konzept für die künftige Vergabe des Nachwuchsförderpreises: Anstatt freier Einreichungen, soll eine unabhängige Jury in zweijährigem Turnus junge Künstler vorschlagen, die nicht älter sein dürfen als 40 Jahre. Einem dieser Künstler werde dann ein Budget in Höhe des bisherigen Preisgeldes zur Verfügung gestellt. Damit solle gewährleistet werden, dass dieser Künstler ein Jahr lang unabhängig arbeiten kann. Aus dieser Förderung, so Köhler weiter, ergebe sich jedoch weder eine Verpflichtung für den jeweiligen Künstler, im Anschluss an den Förderungszeitraum ein fertiges Orchesterwerk abzugeben, noch verpflichteten sich die Musiktage, die eingereichten Werke aufzuführen. Traditionsgemäß wurde im Rahmen der Donaueschinger Musiktage der "Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel als Radiokunst" verliehen. Mit Caroline Wilkins, deren Radiokomposition "Mecanica Natura" prämiert wurde, erhielt zum dritten Mal in der 45-jährigen Geschichte des Preises eine Frau die mit 25.000 DM dotierte Auszeichnung. Der mit 10.000 DM dotierte Karl-Sczuka-Förderpreis ging an Hanna Hartman für ihr Werk "Cikoria - Eine Reise. Ein Jahr". Erstmals wurden die Donaueschinger Musiktage in diesem Jahr im Internet mit Web-Reportagen und einem umfangreichen Online-Angebot begleitet. Zusätzlich entwickelten Musiker aus aller Welt in einem "SWR2 Spezial: Online nach Mitternacht" von ihren heimischen PCs aus via Internet in einem virtuellen Studio eine gemeinsame Komposition. Weitere Informationen zu den Donaueschinger Musiktagen im Internet unter www.swr.de/donaueschingen ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Georg Brandl, SWR Programmpresse/Hörfunk, Tel. 07221/929-3216, e-mail: georg.brandl@swr.de oder Eva Lauinger, SWR2 Programmpresse, Tel. 07221/929-3854, e-mail: eva.lauinger@swr.de Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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