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REPORT Mainz, Montag, 9.10.2000, 21.00 Uhr im ERSTEN

    Baden-Baden (ots) -
    
    REPORT MAINZ:
    Bahn will sich im Güterverkehr aus der Fläche zurückziehen
    Bahnchef Mehdorn: unwirtschaftliche Gleise abkappen, stattdessen
Konzentration auf Langstrecke
    
    Mainz. Die Deutsche Bahn AG will sich nach einem Bericht des
ARD-Magazins "REPORT Mainz" in Zukunft beim Güterverkehr aus der
Fläche zurückziehen und sich auf profitable Langstrecken
konzentrieren. Die neue Unternehmensstrategie setze verstärkt auf
Kooperationen mit Speditionen, die die Güterverteilung auf dem
Kurzstrecken per LKW übernehmen sollen. Bahnchef Hartmut Mehdorn
sagte in einem am Montag ausgestrahlten Interview mit REPORT Mainz:
"Wir glauben, dass wir auf der Langstrecke Anteile gewinnen können
und werden. Unter 150 Kilometer ist ein LKW besser als die Bahn. Wir
mögen das nicht, ich sage das auch nicht gerne, aber ich muss das
sagen, weil es so ist, weil es keinen Sinn macht, sich da die Augen
zuzumachen und an etwas zu glauben, was nicht existiert."
    
    Nach dem REPORT-Bericht wurden bereits Gleisanschlüsse zum 31.
Januar kommenden Jahres gekündigt. Betroffen davon sind vor allem
mittelständischen Unternehmen, die ihre Waren bisher auf Bahnwaggons
ausgeliefert haben. Dieser Geschäftsbereich ist nach Angaben Mehdorns
defizitär. "Im Umfeld eines Güterverkehrszentrums von 60 oder 80 oder
100 Kilometern wo dann ein Unternehmer pro Woche sich einen Zugwaggon
abholen lassen will, das rechnet sich dann eben nur sehr schwer, und
wenn das nicht mit anderen Verkehren kombinierbar ist. Das muss man
in Frage stellen, weil es eben sehr viel teurer ist, als wenn man es
mit einem LKW zum nächsten Schienenverkehrsknoten bringen würde."
    
    Die Bahn wird nach Expertenmeinungen im Güterverkehr weiter
gegenüber dem LKW verlieren, heißt es in dem Magazin weiter.
Professor Hans-Jürgen Ewers von der technischen Universität Berlin
sagte dem Magazin: " Der Glaube, wir kriegten die Autobahn sozusagen
von LKW frei, wenn wir die Bahn weiter subventionieren oder höher
subventionieren, dieser Glaube ist blanke Illusion. Das Problem ist,
dass die Bahn im Güterverkehr zu teuer ist und zu schlecht ist, um es
direkt zu sagen." Auch der frühere Verkehrsminister Matthias
Wissmann, der noch 1997 davon gesprochen hatte, dass es möglich sei,
mehr Güter von der Straße auf die Bahn zu verlagern, äußerte sich
jetzt skeptisch: "Es ist besser, man sagt es den Leuten, als die
Illusion zu nähren, die Bahn alleine kann das Problem lösen. Die
Gefahr besteht, dass man die Bahn, die in einem mühsamen
Reformprozess ist, mit Ansprüchen überfordert, die beste Bahn nicht
erfüllen kann."
    
    Fortsetzung Report Mainz: Bahn will sich im Güterverkehr aus der
Fläche zurückziehen
    
    
    Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Johannes
Ludewig, erklärte, die Bahn sei heute von dem, was sie leisten könne,
"Lichtjahre entfernt": "Und auch der Neuanfang der rot-grünen
Bundesregierung ist ja nicht dazu benutzt wurden, in der
Verkehrspolitik nun klar andere Konzeprte auf den Weg zu bringen." Im
Gegenteil, sei "genau weitergemacht worden wie vorher", so Ludewig
weiter. Der Vorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, Fritz Kuhn,
forderte REPORT Mainz gegenüber eine "Revolution": Wenn wir bei der
Bahn keine Revolution für mehr Güter auf die Schiene hinkriegen, dann
werden wir im Verkehr ersaufen in einem Ausmaß, das wir uns heute
nicht vorstellen können", so Kuhn weiter. Eine Schreckensvision, die
auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterverkehr,
Logistik und Entsorgung, Karlheinz Schmidt, teilt: Das Problem auf
der Straße bleibt nicht nur bestehen, es wird sich drastisch
verschärfen."
        
    
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