SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): SWR-Wissensmagazin "Sonde" testet Fotosatelliten
US-Satellit bietet bei Sonnenschein Fotos in Spionage-Qualität an

    Baden-Baden (ots) -
    
    Das SWR-Wissenschaftsmagazin "Sonde" des Südwestfernsehens hat mit
einem einmaligen Experiment in Karlsruhe die Leistungsfähigkeit von
kommerziellen Foto-Satelliten getestet. Zwei Satelliten, Ikonos 2 von
der amerikanischen Firma "Space Imaging" und der indische
Fotosatellit IRS-1C, haben im September im Auftrag des
Südwestrundfunks (SWR) ein 30 mal 10 Meter großes SWR-Logo aus Stoff
aus dem All fotografiert, das vor dem Karlsruher Schloss ausgelegt
wurde. In der Sonde-Sendung am Donnerstag, 5. Oktober um 21.45 Uhr im
Südwestfernsehen wird gezeigt, dass der amerikanische Satellit in der
Lage ist, hochauflösende Fotos in Spionage-Qualität an private
Auftraggeber zu verkaufen. Das jedoch nur bei schönem Wetter, wenn
Wolken die Sicht des Adlerauges aus dem All nicht behindern. Im
Karlsruher Testfall flog Ikonos jedoch bislang mehrmals über die
Fächerstadt, ohne von der badischen Sonne verwöhnt worden zu sein.
Der indische Satellit hingegen konnte Bilder liefern, die Gegenstände
ab einer Größe von fünf Metern zeigen.
    
    Anlass des Testes war die vielversprechende Werbung der
Ikonos-Betreiberfirma, jeden Punkt der Erde binnen weniger Tage
fotografieren zu können. "Wir können ganze Kontinente und einzelne
Autos aufnehmen", wirbt John Copple, Chef von "Space Imaging" für
seinen Satelliten. Die Mitarbeiter der Sonde-Redaktion in Baden-Baden
wollten dieses Werbeversprechen eingelöst sehen und bestellten
sogenannte hochauflösende Bilder vom Ikonos-Satelliten und dem
indischen Pendant. Dabei mussten die Aufnahmen Dinge am Boden
unterscheiden, die kleiner als ein Meter sind, um als hochauflösend
gelten zu können. Die Inder versprachen bei der Bildbestellung
lediglich eine Auslösungsqualität ab fünf Metern Größe, die sie auch
einhielten. Seit Dezember 1995 arbeitet der Satellit IRS-1C in
indischen Diensten und zieht seine Bahn um die Erde. Mit einer
Geschwindigkeit von 27 Kilometern pro Sekunde (97.200 km/h) braucht
er für den Weg vom Nordkap zum Mittelmeer gerade einmal 12 Minuten.
Sein Bild, ein Ausschnitt von 23 Kilometern Länge und 23 Kilometern
Breite um das Karlsruher Schloss herum, lag zwei Tage später auf dem
Tisch der Baden-Badener Fernsehredaktion. Auf den indischen Fotos
sind vom SWR-Logo hinter dem Karlsruher Schloss immerhin weiße
Flecken zu sehen.
    
    Der mit teurer Technik vollgestopfte amerikanische Ikonos-Satellit
brach zwar sein Werbeversprechen nicht, hoffte aber bislang
vergeblich auf gutes Wetter über Baden. Geschäftrisiko dabei ist,
dass ab einer Bewölkung von 20 Prozent Kunde und Auftragnehmer leer
ausgehen. Fotos bleiben aus und Honorare werden nicht fällig. Für
Häuslebauer oder Autoliebhaber sind die Bilder aus dem All jedoch
nicht ohne weiteres erschwinglich. Ein aus dem All fotografierter
Quadratkilometer kostet rund 50 US-Dollar und ist im Internet unter
www.spaceimaging.com buchbar. Da die Betreiber der Satelliten aber
nur Fotostrecken ganzer Landstriche anbieten, spicht dieses Angebot
eher den Zwischhandel an. Um welche Uhrzeit der Satellit an welchem
Tag sein Bild zu machen versuchte, blieb auch ein Geheimnis der
Betreiberfirma "Space Imaging". Die Bahndaten und Überflugzeiten
kennt nur die Firma, die den Satelliten von ihrem Hauptquartier in
Colorado aus steuert. Um die Buchstaben S-W-R erkennen zu können,
musste der Satellit praktisch genau über das Schloss fliegen. Dies
ist aus bahnmechanischen Gründen offenbar nur etwa alle drei Tage
möglich, aber bislang nur bei Bewölkung geschehen.
    
    Bereits vor Ende des Kalten Krieges wurden hochgenaue Bilder, mit
denen heute Objekte von unter einem Meter Größe unterschieden werden
können, zum lukrativen Markt: zunächst nur als brisantes Material für
Militärs. Seit Ende der 90er Jahre wurde der Markt hochauflösender
Bilder auch für kommerzielle Anbieter interessant. Bis zum Jahr 2005,
so wird erwartet, werden 20 neue Satelliten, mit technisch
verbesserten Kameras, hinzukommen. Der geschätze Marktwert dieser
Fotostrecken beträgt etwa vier Milliarden US-Dollar.
    
ots Originaltext: SWR
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