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Bundesfamilienministerin Schröder bekräftigt These von zunehmender Deutschenfeindlichkeit/"Das Kulturelle zu leugnen ist blind"/Kritik von Publizistin Hilal Sezgin

Berlin - (ots) - Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat ihre These von wachsender Deutschenfeindlichkeit unter jugendlichen Migranten bekräftigt. In der SWR-Talkshow "2+Leif" betonte Schröder am Montagabend die kulturellen Ursachen für Mobbing gegenüber deutsch-stämmigen Mitschülern: "Das Kulturelle komplett zu leugnen, das ist einfach nur blind. Die Kultur, die Religion prägt auch den Menschen und da müssen wir offen darüber reden." Schröder fügte hinzu: "Kein Mensch bestreitet, dass sowohl Ausländerfeindlichkeit als auch Deutschenfeindlichkeit auch soziale Ursachen haben kann. Wogegen ich mich wehre ist, dass das rein auf soziale Ursachen geschoben wird. Damit negieren wir jeglichen kulturellen Einfluss. Wir wissen zum Beispiel, dass wir bei männlichen muslimischen Jugendlichen eine erhöhte Zustimmung zu sogenannten gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen haben."

Dagegen kritisierte die Publizistin Hilal Sezgin ebenfalls in "2+Leif" die Gleichstellung von sogenannter Deutschenfeindlichkeit mit Ausländerfeindlichkeit: "Der Begriff ist aufgeplustert. Natürlich beschimpfen sich Kinder mit allen möglichen blöden Sachen. So was wie "Spasti" ist behindertenfeindlich, weil wir Benachteiligungen von Behinderten in dieser Gesellschaft haben. So was wie "Kümmeltürke" ist ausländerfeindlich, weil es eine gesamte Struktur dafür gibt. Deutschenfeindlichkeit sind Ausrutscher, aber keine Art von Rassismus."

Schröder forderte im SWR-Fernsehen von allen Seiten stärkere Anstrengungen zur Integration von Migranten: "Sanktionen sind manchmal richtig, weil sonst bestimmte Forderungen des Staates überhaupt nicht ernst genommen werden. Aber sie stehen für mich überhaupt nicht im Zentrum. Wir müssen auf der kulturellen Ebene überzeugen."

In diesem Zusammenhang verlangte Sezgin im SWR mehr Geld für Integrationsmaßnahmen: "Statt zu fordern, dass Leute ihre Kinder in die Kindergärten bringen, müssen wir genug Kindergartenplätze schaffen für alle, die sie hinbringen wollen. Statt zu fordern, dass alle Leute Integrationskurs in Deutschland besuchen, müssen wir endlich genug Integrationskursplätze anbieten für all die Leute, die es haben wollen. Es ist nicht so, dass wir im Moment ein Überangebot haben, das diese "faulen Muslime" nicht nutzen. Wir haben ja gar nicht genug Plätze. Das ist wirklich ein Gebiet von Umverteilung und Gestaltung."

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Peter Bergmann 2+LEIF 0173-6168655

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