SWR - Südwestrundfunk

Nachgefragt
Katja Riemann spielt Eva Braun
Dreharbeiten von "Goebbels und Geduldig" sind zu Ende

Baden-Baden (ots) - Die SWR-Produktion "Goebbels und Geduldig" ist abgedreht. Mit Kai Wessel und Peter Steinbach sind ein hochkarätiges Drehbuch- und Regieteam gefunden worden, um eine außergewöhnliche Liebesgeschichte und schwarze Verwechslungskomödie zu inszenieren, die in der Nazizeit spielt. Die Geschichte um den Goebbels-Doppelgänger Harry Geduldig und die von ihm geliebte Grete Zipfel bietet einen ungewöhnlichen Stoff, für den die ersten Garde deutscher Schauspieler gewonnen wurde: Ulrich Mühe, Eva Mattes, Dagmar Manzel, Katja Riemann, Dieter Pfaff, Katharina Thalbach, Tilo Prückner, Jürgen Schornagel, Götz Otto, Dieter Mann u.a. Zum Abschluss der Dreharbeiten haben wir Katja Riemann zu ihrer Rolle befragt. Wie stark haben Sie sich im Vorfeld der Dreharbeiten mit dem Leben von Eva Braun beschäftigt? Ich denke, es ist keine Frage, dass man als Schauspieler, der oder die eine historische Figur, einen realen Menschen darstellen soll, sich vorbereitet, mit den Materialien, die bis dato zur Verfügung stehen. In diesem Falle waren das Bücher, Biografien über die Frauen Hitlers im Allgemeinen und Eva Brauns im Speziellen, wie beispielsweise "Hitler und die Frauen" oder auch "Die Frauen der Nazis". Des Weiteren gibt es Dokumentationen; sehr zu empfehlen ist die Reihe "Hitlers Helfer" von Guido Knopp und die sechs Videos die er über Hitler, den Verführer, Privatmann und Verbrecher, etc. zusammenstellte. Darüberhinaus haben wir Filme gefunden, die Eva Braun selbst auf ihrer Super-8-Kamera am Obersalzberg gedreht hat. Lange Einstellungen, wenn Hitler seinen Hund streichelt.... Dabei aber auch Eva selbst, turnender Weise. Über das Privatleben von Adolf Hitler und Eva Braun ist nur sehr wenig in der Öffentlichkeit bekannt. Eröffnet Ihnen dies den Spielraum, die Rolle Eva Brauns frei zu interpretieren oder halten Sie sich an die recht dürftigen Fakten? Sicher gilt es genau zu überlegen, wie man die Wahrheit mit der Fiktion kombiniert. Das geschieht aber, wenn man Schauspieler ist, nicht allein, sondern immer im Team. Wir haben einen Spielfilm gedreht, darüberhinaus so etwas wie eine Satire, d.h. wir machen keine Dokumentation, denn die hat Guido Knopp ja aufs Brillianteste bereits gedreht. Das sollte man nie vergessen, wir gehen einer fiktiven Idee nach, begeben uns in die Umsetzung der Vorstellung. Mein Anteil daran ist relativ gering, da man ein reproduzierendes Element ist, als Schauspieler. Wesentlich ist hier das Drehbuch, die Interpretation des Regisseurs, der Konflikt des Hauptdarstellers, bzw. der Idee, einen Schaupieler beide Rollen spielen zu lassen. In diesem Fall Ulrich Mühe, im Fall des "Großen Diktators" Charlie Chaplin. Aber auch damit sollte man dieses Fernsehspiel nicht vergleichen, da wir uns in einem anderen Genre befinden. Was nun Eva Braun angeht, ist es ja so, dass ich an die Szenen, die mir zur Verfügung stehen, gebunden bin. D.h. ich muss versuchen, meine Ideen zur Charakterisierung dieser Figur in die dafür vorhandenen Szenen zu pressen. Da Kai Wessel ein Regisseur ist, der seine Schauspieler und die Arbeit an der Rolle und der Situation mit denselben sehr liebt und bis zum Schluss offen ist, war die Arbeit, trotz meiner Schauer, die mir immer wieder über den Rücken liefen, eine derartige Figur zu spielen, sehr interessant und spannend. So gab es beispielsweise im Drehbuch von Peter Steinbach keine Szene, in der deutlich wird, dass Eva Braun filmt, wir haben das dann versucht, hin und wieder einzubinden. Dann war die Frage, wie sie spricht. Meine Agentin Erna Baumbauer kannte Eva und Grete Braun, konnte mir dabei helfen, da es keine Aufnahmen gibt, in der man Eva Braun's Stimme hätte hören können. Da ich nun aber nicht aus Bayern stamme, war die Idee eine Art Kunstsprache zu entwickeln ziemlich schnell da, bei der Kai Wessel, Gott sei Dank immer genau hinhörte und mich etwas leiten konnte, wenn's zu stark wurde oder einfach blödsinnig. Das Ensemble konnte sich auf ein Drehbuch stützen, welches von einem Spezialisten der nationalsozialistischen Thematik verfasst wurde. Und wenn Himmler mit Samuraiglöckchen ein Konzentrationslager betrat, dann ist das nicht etwa die Phantasie der Filmleute, sondern die gute Recherche des Autors, das ist nämlich wahr... Welche Bedeutung hat Eva Braun für die Handlung von Goebbels und Geduldig? Das kann ich erst beurteilen, wenn der Film fertig geschnitten ist. Wer war Eva Braun? Die 1912 in München geborene Eva Braun lernt 1929 als Bürokraft von Heinrich Hoffmann, "Hoffotograf" des "Dritten Reiches", Adolf Hitler kennen. Nach dem Selbstmord seiner Halbnichte Angelika ("Geli") Raubal, zu der Hitler ein enges Verhältnis pflegte, intensiviert der "Führer" den Kontakt zu Eva Braun. An die Öffentlichkeit gelangt die Liaison jedoch nicht, vermutlich deshalb, weil Eva Braun aus einfachen Verhältnissen stammt. Biografien berichten darüber, dass Eva Braun unter dieser Situation gelitten hat. 1932 und 1935 verübt sie zwei Selbstmordversuche. Ein Jahr später (1936) übernimmt Eva Braun die Stelle als "Hausdame" auf dem Berghof (Obersalzberg/Königssee) als Nachfolgerin von Geli Raubals Mutter, einer Halbschwester zu Hitler. Erst 1944 wird Eva Braun durch die Heirat ihrer Schwester mit einem Verbindungsoffizier von Reichsinnenminister Heinrich Himmler "gesellschaftsfähig". Am 28. April 1945 heiratet Adolf Hitler im Bunker der Berliner Reichskanzlei seine langjährige Geliebte. Trauzeugen sind Propagandaminister Joseph Goebbels und Hitlers Adjudant Martin Bormann. Zwei Tage später begehen beide Selbstmord - Eva Braun durch eine Giftkapsel, Hitler erschießt sich. Die Leichen werden im Garten der Reichskanzlei verbrannt. Ausgestrahlt wird der SWR-Fernsehfilm in 2001. ots Originaltext: Südwestrundfunk (SWR) Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen bitte an: Gabi Schlattmann Tel: 07221-929-3273 e-mail: gabi.schlattmann@SWR-online.de Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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