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Freitag, 16. Juni 2000
21.45 - 22.15 -Uhr, ARD exclusiv
"Marky ermittelt. Hausbesuch vom Sozialamt"
Eine Reportage von Kai Diezemann

Baden-Baden (ots) - Rund drei Millionen Menschen erhielten im letzten Jahr Sozialhilfe in Deutschland. Für eine allein stehende Person bedeutet das: Sie bekommt 550 Mark Regelsatz plus den Betrag für eine Unterkunft in angemessener Höhe. Ein menschenwürdiges Leben soll demjenigen ermöglicht werden, der kein - oder nur ein zu geringes Einkommen hat. Und: Er soll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Nach Abzug aller Kosten bleiben vielen Sozialhilfeempfängern rund 100 Mark pro Woche zu leben, das sind knapp 15 Mark pro Tag. Besonders oft auf Sozialhilfe angewiesen sind allein Erziehende, Familien mit vielen Kindern und alte Menschen, deren Rente nicht ausreicht. Ohne Not beantragen diese Menschen nicht Sozialhilfe. Aber: Der Blick auf Sozialhilfeempfänger hat sich verändert. Aus den "Hilfsbedürftigen" sind "Faulenzer" geworden, aus den "Armen" "Sozialschmarotzer". Und tatsächlich. Es gibt Abzocker, die in verschiedenen Städten Sozialhilfe beantragen, die schwarz arbeiten und die Stütze als willkommenen Einkommenszuschuss betrachten. Es gibt Sozialhilfemissbrauch. Nach offiziellen Schätzungen der Behörden kassieren etwa 1,5-3% der Hilfeempfänger Geld vom Amt, das ihnen nicht zusteht. Sozialamtsmitarbeiter vor Ort schätzen die Zahl 10 mal höher ein. Viele Sozialämter schicken Außendienstmitarbeiter zu Kontrollen aus. Stimmen die Angaben, die im Amt gemacht wurden, wirklich? Ist das beantragte Bett nötig? Leben Ehepartner tatsächlich getrennt, so dass die Frau Anspruch auf Sozialhilfe hat? Ist die vom Amt gelieferte Waschmaschine auch in der Wohnung vorhanden, oder ist sie vielleicht weiterverkauft worden? Norbert Marky arbeitet seit 20 Jahren im Außendienst der Stadt Kaiserslautern. 10 bis 15 Hausbesuche pro Tag macht er: bei den Armen, bei den Abgebrühten, bei den kurzfristig in Not Geratenen und bei den Familien, die in der zweiten Generation von Stütze leben. Er sucht in Kleiderschränken nach Bettwäsche, die beantragt wurde, er überprüft den defekten Herd, kontrolliert, wer alles im Haushalt wohnt. Kein leichter Job, das Elend am Rande der Gesellschaft zu durchforsten. Ein Job irgendwo zwischen Detektiv und Sozialarbeiter angesiedelt. Die ARD-Reportage "Marky ermittelt. Hausbesuch vom Sozialamt" hat ihn drei Wochen begleitet. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Gabi Schlattmann, Tel.: 07221/929-3273. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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