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Südwestrundfunk (SWR): Guide Michelin bester Restaurantführer

Baden-Baden (ots) - Führende Gastro-Kritiker vom SWR getestet Dokumentation am 15. Juni im Südwestfernsehen Der Südwestrundfunk (SWR) hat in einer Fernsehdokumentation für das Südwestfernsehen die Arbeit der Restaurantkritiker von Köchen in Deustschland testen lassen. Dabei fand eine Fernsehredaktion für die Dokumentions-Reihe "Zeichen der Zeit" heraus, dass das Prüferteam des in Karlsruhe ansässigen "Guide Michelin" die besten Noten von deutschen Köchen erhalten hat. Die Michelin-Tester erhielten auf einer Punkteskala von eins bis zehn einen Mittelwert von 8,80 Punkten. Auf Platz zwei folgte der aus Ostfildern bei Stuttgart stammende "Varta-Führer Deutschland" mit 7,37 Punkten. Den dritten Platz belegte der Dortmunder "Aral Schlemmer Atlas" mit 7,27 Punkten. Grundlage dieses "Tests der Tester" war eine anonymisierte Umfrage unter den 1.000 besten Restaurants der sogenannten "Gastrotel-Liste" des Fachjournalisten Claus Arius, der jedes Jahr für das Branchenblatt "Gastrotel" alle Restaurantführer auswertet und daraus eine Hitparade der 1.000 besten Restaurants erstellt. Das Südwestfernsehen befragte im Rahmen von Recherchen für die Sendung "Testfall: Köche" die am Donnerstag, 15. Juni, um 22.15 Uhr im Südwestfernsehen ausgestrahlt wird, diese 1.000 Wirte und Hotelliers in Deutschland. 300 Betriebe gaben dem SWR qualifizierte Auskünfte, indem sie die Arbeit der Gastro-Kritiker selbst mit Sternen oder Kochmützen einteilten. Heraus kam auch, dass sich viele Gastronomen aus Angst vor Repressalien durch die Kritiker oder Umsatzeinbußen nicht trauten, eine Beurteilung ihrer Kritiker vorznehmen. Das SWR-Team um den Projektleiter der Dokumentations-Reihe "Zeichen der Zeit", Wilhelm Reschl, der Freiburger SWR-Filmemacherin Sigrid Faltin und der SWR-Redakteurin Felicitas Wehnert drehte für die Filmarbeiten den Spieß im wahrsten Sinne des Wortes um und bat die tausend besten Köche und Wirte Deutschlands um ihre Meinung über ihre Kritiker. Auf dem Prüfstand standen die Gastro-Führer von "Guide Michelin" aus Karlsruhe, die Münchner "Gault Millau", "Der Feinschmecker", "Der große Bertelsmann Restaurant & Hotel Guide" und "Marcellino's Restaurant Report", sowie der Ostfilderer "Varta-Führer Deutschland" und der Dortmunder "Aral Schlemmer Atlas". Das SWR-Team forderte die befragten Wirte per Telefax auf, entsprechend den einzelnen Gastroführern Sterne, Kochlöffel, -mützen, -hauben oder Feinschmecker-F's zu verteilen. Die Kriterien sollten sein: Kompetenz, Seriosität, Aufmachung und Wirksamkeit beim Gast. Die SWR-Filmemacherin Faltin stellte bei den Recherchen zum Film fest, dass je jünger oder je höher ein Koch dekoriert sei, umso mehr er sich hütet, etwas kritisches über Tester zu sagen. Zuviel stehe für ihn auf dem Spiel: 100.000 Mark Umsatz mehr im Jahr brächten in der Regel ein Michelin-Stern, 400.000 Mark der dritte Stern. Aber auch Kochmützen, -löffel, -hauben und sonstige Auszeichnungen seien bares Geld wert. Geschichten hingegen über Tester, die sich einladen lassen mit dem Versprechen, der Wirt werde es nicht bereuen, werden von den Gastroführern gerne gekontert: "Da war eben ein Koch wieder einmal beleidigt über unsere Bewertung". Der Druck auf die deutschen Köche sei ungemein groß. Zum 16-Stunden-Tag und der Sechs-Tage-Woche komme die Sorge hinzu, jederzeit von einem unzufriedenen Tester "in die Pfanne gehauen werden zu können", so Faltin weiter. Am Ende ihrer Recherchen stand für die SWR-Redakteure fest, dass eine unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen des Tests die absolute Anonymität gewesen sei. Dennoch haben die Redakteure von manchem Sterne-Haus erfahren, dass es sich selbst unter Zusicherung völliger Diskretion nicht traute, den SWR-Fragebogen zu beantworten. Viele Wirte riefen das Fernsehteam jedoch an und gratulierten zu der Idee. Mancher Wirt wollte dabei noch seine Erlebnisse mit den Testern loswerden und nannte positive und negative Erfahrungen von "absolut unbestechlich" bis hin zu "Wischi-Waschi-Kritik". Die Reaktionen der Restaurantführer selbst reichte nach Angaben des SWR von "egal, wie wir abschneiden - tolle Idee" bei Marcellino's bis zur anfänglichen Reaktion "wer so etwas macht, dem geben wir kein Interview" vom Gault Millau, der später dennoch Fragen beantwortete. Die anonymen Antworten der deutschen Köche ergaben folgende Ergebnisse: "Marcellino's", der Führer, bei dem Gäste testen, ist offensichtlich bei vielen Wirten noch zu unbekannt. Vielleicht halten die Wirte aber auch nichts von dem Gästeurteil. Siebter und letzter Platz mit 3,50 von zehn möglichen Punkten für "Marcellino's Restaurant-Report". Der "Gault Millau", über dessen Tester die meisten unseriösen Geschichten kursierten, muss sich beim SWR-Test mit 5,88 Punkten begnügen. Dies entspricht einer Gault-Millau-Wertung von 12 Punkten. Damit fände ein Betrieb gerade noch Erwähnung im Gault-Millau, Platz 6 beim Tester-Test. Vor drei Jahren wechselte der Aral-Schlemmeratlas seine gesamte Mannschaft aus, weil die Gerüchte um Bestechlichkeiten überhand nahmen. Die alte Testermannschaft bildet heute den Kern des neuen "Bertelsmann Guide". Nach Köchemeinung nur eine von fünf möglichen Kochhauben und damit Platz 5 mit 6,28 Punkten. Knapp das Siegertreppchen verfehlt hat der "Feinschmecker". Die Köche gaben ihm 2 von 5 Feinschmecker-F's. Für den Feinschmecker selbst wäre das eine "sehr gute Leistung" und damit Platz 4 mit 7,10 Punkten. Das neue Schlemmeratlas-Team wird sich freuen: 2,5 Schlemmer-Kochlöffel von 5 möglichen hat es nach Wirte-Meinung verdient. Nach hauseigener Wertung ist das eine "gute Leistung mit aufsteigender Tendenz" und die dritte Stelle beim SWR-Test mit 7,27 Punkten. Der Varta konnte knapp die Kollegen vom Schlemmeratlas schlagen. Nach Wirtemeinung reicht es gerade nicht zu einer der drei Varta-Kochhauben. Dafür wären 8 Punkte notwendig gewesen - 7,37 Punkte wurden erreicht und Silber beim "Test der Tester". Klarer Sieger ist der "Guide Michelin", er verdient zwei Sterne, meinen die besten Köche Deutschlands. "Hervorragend", würde der Michelin selbst eine solche Leistung nennen und erhält mit Hilfe der SWR-Umfrage bei den deutschen Wirten 8,80 Punkte. Damit hätten die Köche die Restaurant-Führer am höchsten bewertet, die nur mit ausgebildeten Köchen testen. Varta und Michelin arbeiten obendrein nur mit Festangestellten, die regelmäßig ihr Testgebiet wechseln, damit keine zu großen Verflechtungen entstünden. Das beweise, dass die Köche neutrale unabhängige Kritiker zu schätzen wüssten. Ein kleiner aber dezenter Hinweis auf Seriosität verstecke sich hingegen in vielen Kommentaren der Wirte: "Wenn sie schreiben, dass der 'Gault Millau' tatsächlich jedes Jahr getestet hat, ist das eine schallende Ohrfeige für die Tester, die offensichtlich nicht - wie auch vom 'Gault Millau' beabsichtigt - dezent und anonym sich ihre Meinung bildeten", resümiert Faltin. Umgekehrt unterstellten einige Köche dem Varta, kaum zu testen: "Der letzte Besuch war 1995." In Wirklichkeit sei das ein Kompliment für die Varta-Inspektoren, dass sie tatsächlich unauffällig getestet hätten. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.: 07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285. Fax 07221 929-2013 Internet: pressestelle@swr-online.de Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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